KI-Sicherheit: 40.000 Schwachstellen in drei Wochen aufgedeckt

Chainguard registriert zehntausende KI-Funde, doch nur wenige werden behoben. Behörden und Anbieter verschärfen deshalb ihre Sicherheitsvorgaben.

Der Sicherheitsanbieter Chainguard meldet, dass seine Athena-Koalition binnen drei Wochen über 40.000 Schwachstellen verarbeitet hat. Mitbegründer Dan Lorenc warnt in diesem Zusammenhang vor einem „margin call“ für Open Source: Die Geschwindigkeit, mit der KI-Systeme mittlerweile Sicherheitslücken aufspüren, überfordere die Kapazitäten vieler Projekte, diese auch zu beheben.

Ein KI-Modell findet Zehntausende Issues

Wie Chainguard weiter berichtet, entdeckte das Anthropic-Claude-Modell mit dem Namen „Mythos“ in über 1.000 Projekten insgesamt 23.019 Issues, davon 6.202 als hoch oder kritisch eingestuft. Gepatcht wurden davon bislang lediglich 6 Prozent. Die National Vulnerability Database (NVD) verzeichnet laut Chainguard inzwischen drei- bis viermal mehr gemeldete Schwachstellen pro Woche als noch vor einem Jahr.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim chinesischen Anbieter Z.ai: Dessen Modell GLM-5.3, veröffentlicht Mitte August, fand nach Unternehmensangaben 2.436 Schwachstellen in 269 Open-Source-Projekten, darunter 107 kritische und 990 als hoch eingestufte Fälle. 53 dieser Funde wurden bereits öffentlich gemacht, 2.383 stehen weiterhin unter Embargo.

Bemerkenswert ist laut Z.ai das Alter der entdeckten Lücken: Im Schnitt sind sie 26,6 Jahre alt, die älteste stammt aus dem Jahr 1981. Die Veröffentlichung der Modellgewichte von GLM-5.3 hatte sich dem Unternehmen zufolge auf Ende August verzögert.

In Benchmark-Tests erreichte das Modell im CyberGym-Test 84,5 Prozent gegenüber 83,8 Prozent bei Wettbewerbern, im ExploitBench-Test hingegen nur 54,4 Prozent gegenüber 78,0 Prozent der Konkurrenz.

Strukturelles Problem bei Paketpflege

Z.ai verweist zudem auf ein strukturelles Problem der Software-Lieferketten: Auf der Plattform PyPI hatten 39,3 Prozent der Top-84-Pakete in den vergangenen 90 Tagen keine Aktualisierung erhalten, bei npm betraf dies 28,3 Prozent der 46 Kernpakete.

Auch der Linux-Kernel steht laut Berichten unter Druck: Er nähere sich einem Rekordwert von fast 2.000 Schwachstellen pro Release, während KI-gestützte Bug-Jäger inzwischen rund 40 Millionen Zeilen Code durchsuchen. Die Maintainer seien von der Zahl der CVE-Funde „völlig überfordert“.

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Reaktionen aus Industrie und Aufsicht

Der Befund reiht sich in eine breitere Entwicklung ein: Ein Red-Team-Projekt im Bitcoin-Umfeld scannte 150 Repositories und fand mehr als zwölf Schwachstellen, bei laufenden Kosten von rund 20.000 US-Dollar bislang und 10.000 US-Dollar pro Tag – im Schnitt wurde dabei ein kritischer Exploit pro Stunde und Person entdeckt.

Red Hat wiederum setzt mit seinem Projekt „Hummingbird“ auf über 65 gehärtete Container-Images und mehr als 400 RPM-Pakete, mit dem Ziel, kritische Sicherheitslücken innerhalb von 24 Stunden zu schließen, unterstützt durch KI-Agenten wie Gemini 3.1 Pro und Claude Sonnet.

Auch Regulierungsbehörden reagieren auf die Entwicklung. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA verpflichtet Bundesbehörden seit einer im Juni erlassenen Direktive dazu, Schwachstellen mit dem höchsten Risiko binnen drei Tagen zu patchen – bislang waren dafür zwei bis drei Wochen vorgesehen.

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Das US-Finanzministerium hat parallel ein KI-gestütztes „Clearinghouse“ namens „Gold Eagle“ eingeführt, das sein bestehendes VINCE-System ergänzt. Die Europäische Zentralbank forderte Finanzinstitute in einem Schreiben vom Juli auf, bis Ende Oktober einen Plan zur Bewältigung von KI-gestützten Cyberbedrohungen vorzulegen, mit Schwerpunkt auf der Modernisierung veralteter Infrastruktur.

Laut einer von TechGig zitierten Erhebung berichten inzwischen 82 Prozent der Organisationen von wachsendem Sicherheits-Rückstand, im Vorjahr waren es 74 Prozent. Der Befund unterstreicht, dass KI-Systeme Schwachstellen zwar deutlich schneller finden als Menschen – ihre Behebung aber weiterhin ein Nadelöhr bleibt.