KI-Sicherheit: Malware-Angriff zeigt Risiken von Claude-Befehlen

Ein manipuliertes Claude-Kommando führte zu Malware auf einem Entwicklergerät. Anthropic meldet zudem gestohlene Sitzungen und neue KI-Risiken.

Ein folgenschwerer Sicherheitsvorfall unterstreicht die wachsenden Risiken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Softwareentwicklung. Der Gründer des Startups ReFi Hub, bekannt unter dem Namen Numa, wurde Opfer eines gezielten Malware-Angriffs, nachdem er einen vom KI-Modell Claude generierten Terminal-Befehl ausgeführt hatte. Die Schadsoftware wurde unmittelbar nach der Eingabe auf dem System aktiv.

Manipulierte Befehle und persistente Bedrohungen

Der Angriff basierte offenbar auf einer Methode, die als LLM-Response-Poisoning bezeichnet wird. Dabei liefert die Künstliche Intelligenz — in diesem Fall das Modell von Anthropic — dem Nutzer bösartigen Code aus.

Im konkreten Fall von ReFi Hub wurde eine manipulierte Datei mit der Bezeichnung SKILL.md in einem Backup platziert. Diese Datei war darauf ausgelegt, Malware erneut aus dem Internet nachzuladen und sensible Anmeldedaten des Nutzers zu entwenden.

Branchenexperten von Microsoft Defender warnten in diesem Zusammenhang bereits vor gezielten Kampagnen, die mittels manipulierter Sprachmodell-Antworten insbesondere Fachkräfte aus dem Kryptowährungssektor ins Visier nehmen. Der Vorfall verdeutlicht, dass die von KI-Chatbots generierten technischen Anweisungen ohne eine tiefgreifende manuelle Prüfung erhebliche Sicherheitslücken in Unternehmensstrukturen reißen können.

Anthropic meldet Diebstahl von Nutzersitzungen

Parallel zu diesem Einzelereignis gab der KI-Entwickler Anthropic bekannt, dass eine Welle von Infostealer-Malware derzeit aktiv Claude-Login-Sitzungen entwendet. Zum Einsatz kommen dabei bekannte Schadsoftware-Familien wie Vidar, LummaC2, StealC, RedLine, Acreed und AMOS. Die Angreifer gelangen häufig über infizierte Downloads oder bösartige Anwendungen auf die Computer der Opfer.

Ein kritisches Detail dieser Angriffe ist die Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen: Eine Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) bietet keinen Schutz gegen den Diebstahl bereits aktiver Sitzungstoken. Betroffene Nutzer bemerken den Befall oft erst durch Unregelmäßigkeiten bei den Nutzungslimits ihres Accounts, die sich ohne Eigenmitwirkung füllen und leeren.

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Anthropic hat als Reaktion betroffene Nutzer zwangsweise abgemeldet, hinterlegte Zahlungsinformationen gelöscht und angekündigt, unautorisierte Gebühren zu erstatten. Sicherheitsverantwortliche raten dringend dazu, im Falle einer Infektion das gesamte System zu bereinigen und E-Mail-Konten sowie Zahlungsdaten neu abzusichern.

KI-Einsatz als systemisches Sicherheitsrisiko

Die Bedrohungslage durch KI-gestützte Cyberkriminalität hat laut Sicherheitsbehörden und Branchenanalysten ein kritisches Niveau erreicht. Das FBI verzeichnete für das Jahr 2025 bereits über 22.000 Anzeigen im Zusammenhang mit Internetverbrechen durch Künstliche Intelligenz, wobei sich die Verluste auf mehr als 893 Mio. US-Dollar beliefen. OpenAI veröffentlichte vor diesem Hintergrund einen offenen Brief, in dem über 100 Organisationen vor der Eskalation KI-gestützter Angriffe warnen.

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Neben dem Missbrauch etablierter Chatbots rücken auch spezialisierte Werkzeuge in den Fokus der Angreifer. Die russischsprachige Hackergruppe Aur0ra nutzte zuletzt den KI-Code-Editor Cursor für Angriffe auf den deutschen Türenhersteller Teckentrup sowie weitere Unternehmen in Europa und Übersee. Die Angriffe wurden dabei oft als harmlose Simulationen getarnt.

Laut dem SANS Security Awareness & Culture Report 2026 gilt der Einsatz von KI am Arbeitsplatz mittlerweile als das zweitgrößte Sicherheitsrisiko für Unternehmen.

Mit einer Nennung von 42 Prozent rangiert diese Bedrohung direkt hinter klassischen Phishing-Angriffen, die mit 77 Prozent weiterhin die Liste anführen. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Geschwindigkeit der KI-Adaption in der Wirtschaft die Etablierung notwendiger Sicherheitsstandards derzeit überholt.