In einem offenen Brief an den US-Kongress fordern die Unternehmenschefs von OpenAI, Anthropic, Google DeepMind und Microsoft ein verpflichtendes Sicherheitsscreening für synthetische DNA und RNA. Ihre Begründung: Die rasanten Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz senken die Hürden für die Entwicklung von Biowaffen dramatisch.
Der am 3. Juni 2026 veröffentlichte Appell trägt prominente Unterschriften: Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic), Demis Hassabis (Google DeepMind) und Mustafa Suleyman (Microsoft) gehören zu den Unterzeichnern. Organisiert wurde die Initiative von der Foundation for American Innovation und dem Institute for Progress.
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Wenn KI besser ist als der Virologe
Die Kernbotschaft der Tech-Elite ist beunruhigend: KI-Systeme sind heute in der Lage, komplexe Laborverfahren durchzuführen – und das auf einem Niveau, das promovierte Virologen übertrifft. Diese Fähigkeit könnte von Kriminellen oder Terroristen genutzt werden, um gefährliche Gensequenzen zu identifizieren oder Anbieter mit laxen Sicherheitskontrollen ausfindig zu machen.
Besonders brisant: Eine interne Studie von Microsoft aus dem Jahr 2025 zeigte, dass KI-gestützte Proteindesign-Werkzeuge in der Lage sind, gefährliche Gensequenzen zu erzeugen, die an der aktuellen Screening-Software vorbeischlüpfen. Die Unterzeichner erinnern zudem an einen Vorfall aus dem Jahr 2017, als kanadischen Forschern gelang, das Pferdepockenvirus mit rund 100.000 Euro teurer Bestelldienst-DNA zu rekonstruieren.
Was die Branche jetzt fordert
Die Lösung, so die Unterzeichner, liegt in einem rechtlichen Rahmen. Konkret fordern sie:
- Verpflichtendes Screening aller Bestellungen synthetischer DNA und RNA auf gefährliche Erreger
- Strenge Kundenüberprüfung für jeden, der genetisches Material erwirbt
- Risikobewertungen für Bestellungen, die möglicherweise manipuliert wurden, um die Erkennung zu umgehen
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Die Initiative kommt nicht von ungefähr. Im US-Senat liegt bereits ein überparteilicher Gesetzesentwurf vor, der solche Screenings vorschreiben soll. Parallel dazu treibt der GAIN AI Act die Regulierung voran. Bereits unter der Biden-Administration wurden Biosecurity-Auflagen für Nukleinsäuresynthesen in KI-Direktiven verankert – ein Erlass vom Juni 2024 adressierte zudem KI-Abwehrwerkzeuge und Cyberverteidigung.
Eigeninitiative der Konzerne
Mehrere der beteiligten Unternehmen sind bereits in die Offensive gegangen. OpenAI testet seine Modelle seit Anfang 2024 in sogenannten „Red-Teaming“-Übungen auf möglichen Missbrauch in biologischen Kontexten. Die Botschaft der Branche ist klar: KI birgt enormes Potenzial für die Medikamentenentwicklung und medizinische Forschung – doch genau dieses Potenzial macht sie zur Gefahr.
Die vorgeschlagenen Regeln würden auch bedeuten, dass Empfänger staatlicher Forschungsgelder künftig nur noch bei zertifizierten Anbietern einkaufen dürften. Die Diskussion um KI-Sicherheit und Biosecurity wird sich in den kommenden Monaten auf internationaler Ebene fortsetzen – geplante Gespräche zwischen US-amerikanischen und chinesischen Vertretern sollen die gemeinsamen technologischen Risiken adressieren.

