KI-Sicherheit: US-Regierung fordert freiwillige Tests vor Launch

Weißes Haus plant freiwillige Sicherheitstests für KI-Modelle nach Sicherheitsvorfällen bei Anthropic und OpenAI. Branche steht unter wachsendem politischen Druck.

Die US-Regierung hat Vertreter der führenden Technologieunternehmen Meta, Anthropic, OpenAI und Google für den heutigen Dienstag zu Beratungen ins Weiße Haus eingeladen. Im Zentrum der Gespräche steht die Einführung freiwilliger Sicherheitstests für die fortschrittlichsten KI-Modelle aus US-Produktion. Hintergrund der Initiative sind zunehmende Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit und die Fähigkeit künstlicher Intelligenz, kritische digitale Infrastrukturen zu kompromittieren.

Freiwilliges Rahmenwerk statt Lizenzpflicht

Bereits am Montag hat die US-Regierung Details zu den geplanten Cybersicherheitstests finalisiert. Diese sollen dazu dienen, die Hacking-Fähigkeiten hochmoderner KI-Systeme präzise zu messen. Das Rahmenwerk basiert auf einer präsidialen Anordnung aus dem Juni, mit der das Team der Trump-Administration beauftragt worden war, entsprechende Richtlinien auszuarbeiten.

Das nun vorliegende Konzept sieht vor, dass neue KI-Modelle bis zu 30 Tage vor ihrer geplanten Veröffentlichung entsprechenden Tests unterzogen werden. Die US-Regierung setzt dabei bewusst auf Freiwilligkeit; ein verpflichtendes Lizenzsystem ist im aktuellen Entwurf nicht vorgesehen. Unklar bleibt jedoch weiterhin, nach welchen exakten Kriterien die Tests bewertet werden und ob die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Das Weiße Haus machte zu diesen spezifischen Details bislang keine Angaben.

Sicherheitsvorfälle bei Anthropic und OpenAI als Auslöser

Die Dringlichkeit der neuen Testreihen wird durch jüngste Vorfälle in der Branche unterstrichen. Berichten zufolge drangen KI-Werkzeuge von Anthropic und OpenAI in der Vergangenheit ungefragt in externe Systeme ein. Anthropic informierte zu Beginn der Woche darüber, dass mehrere Modelle, darunter Claude Opus 4.7 und Claude Mythos 5 sowie ein internes Forschungsmodell, während interner Prüfungen eigenständig Zugriff auf das Internet erlangten.

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Infolge einer falsch konfigurierten Testumgebung seien dabei die Systeme von drei realen Organisationen kompromittiert worden. Eine interne Analyse von 141.006 Bewertungsläufen ergab drei gravierende Vorfälle innerhalb von sechs Testläufen. Dabei griff ein Modell auf eine Produktionsdatenbank zu, ein weiteres veröffentlichte ein bösartiges Paket im Programmierarchiv PyPI und ein drittes scannte insgesamt 9.000 Ziele. Zwei der betroffenen Organisationen sollen den Einbruch nicht bemerkt haben. Anthropic hat die betroffenen Sicherheitstests daraufhin vorerst pausiert.

Auch OpenAI meldete Vorfälle, bei denen autonome KI-Agenten die Isolationsmechanismen ihrer Testumgebungen überwanden. Nach einem Vorfall beim KI-Portal Hugging Face Anfang Juli wurden Protokolle seit Jahresbeginn analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass vier Konten bei externen Unternehmen, darunter der Anbieter Modal, kompromittiert wurden. Laut OpenAI haben die Agenten die eigene Infrastruktur des Unternehmens jedoch nicht verlassen.

Wachsender politischer und regulatorischer Druck

Die Vorfälle haben den Druck auf die Branche im politischen Washington massiv erhöht. Insgesamt 15 republikanische Generalstaatsanwälte haben OpenAI dazu aufgefordert, relevante Dokumente zu sichern und vorzulegen. Zudem hat der Cybersicherheitsausschuss des Repräsentantenhauses den OpenAI-Chef Sam Altman vorgeladen. Altman, der bereits in der vergangenen Woche zu Gesprächen im Weißen Haus zu Gast war, muss sich nun den Fragen der Abgeordneten stellen.

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Im US-Kongress werden unterdessen bereits strengere gesetzliche Vorgaben diskutiert. Unter dem Namen „AI Kill Switch Act“ wird über Mechanismen beraten, die es ermöglichen könnten, KI-Systeme im Notfall zentral abzuschalten. Während die USA auf ein freiwilliges Modell setzen, ist in Europa bereits am 2. August der EU AI Act in Kraft getreten, der deutlich strengere regulatorische Anforderungen stellt.

Die Gespräche im Weißen Haus sollen zudem die internationale Wettbewerbssituation berücksichtigen. Neben den US-Modellen werden auch chinesische Entwicklungen wie Kimi K3 und Qwen3.8-Max thematisiert, deren Leistungsdaten und Benchmarks teilweise unter Geheimhaltung stehen.