KI-Sicherheit: USA führen freiwilliges Pre-Release-Verfahren ein

US-Präsident Trump führt mit einer Executive Order einen freiwilligen Sicherheitscheck für KI-Modelle ein. Entwickler können ihre Systeme vor Veröffentlichung prüfen lassen.

US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag eine Executive Order unterzeichnet, die einen freiwilligen Prüfmechanismus für fortschrittliche KI-Modelle einführt. Entwickler können ihre Systeme bis zu 30 Tage vor der Veröffentlichung der Regierung zur Sicherheitsanalyse vorlegen.

Der Erlass mit dem Titel „Förderung fortschrittlicher KI-Innovation und -Sicherheit“ markiert eine Neuausrichtung der amerikanischen KI-Politik. Im Kern geht es um nationale Sicherheitsrisiken – doch eine verpflichtende Zulassung oder staatliche Vorabgenehmigung schließt das Dokument explizit aus.

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Freiwilliges Pre-Release und Cybersicherheitszentrale

Das neue Verfahren erlaubt es KI-Unternehmen, der Regierung frühzeitigen Zugang zu sogenannten „Frontier-Modellen“ zu gewähren. Der 30-Tage-Zeitraum soll ausreichen, um Sicherheitslücken zu identifizieren, bevor ein Modell breit verfügbar wird. Ursprünglich war ein 90-Tage-Fenster geplant – die Regierung kürzte die Frist jedoch, um die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Technologiefirmen zu erhalten.

Das Finanzministerium wird eine eigene KI-Cybersicherheitszentrale einrichten, die mit der National Security Agency (NSA) und der Cybersicherheitsbehörde CISA zusammenarbeitet. Die Behörden müssen ihre eigenen digitalen Abwehrsysteme binnen 30 Tagen verstärken. Zudem wird das Justizministerium angewiesen, die Strafverfolgung von Computerbetrug – insbesondere KI-gestützte Straftaten – zu priorisieren.

NSA übernimmt Schlüsselrolle

Die NSA erhält die Aufgabe, ein klassifiziertes Benchmarking-Verfahren zu entwickeln. Es soll definieren, welche Systeme als „Frontier-Modelle“ gelten. Zwar bleibt die Teilnahme am Pre-Release-Sharing für Entwickler freiwillig – die Einstufung durch die NSA ist es nicht.

Die Behörde wird zudem „vertrauenswürdige Partner“ benennen, die frühzeitig Zugang zu den Modellen erhalten. Genau dieser Punkt sorgt für Kritik. Denkfabriken wie das Cato Institute und das Center for Democracy and Technology warnen: Die Regierung könnte die Auswahl nutzen, um bestimmte Marktteilnehmer zu bevorzugen oder Verfahren gegen einzelne Unternehmen einzusetzen.

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Anthropics Claude Mythos als Auslöser

Der Erlass folgt auf die Veröffentlichung von Anthropics Claude Mythos im April 2026. Das Modell entdeckte tausende Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Browsern – und löste dringende Gespräche zwischen Regierungsvertretern, Finanzminister Bessent, Notenbankchef Powell und der Finanzbranche aus.

Die Fähigkeiten von Mythos wirkten als Katalysator. Im Mai hatte Trump eine geplante Unterzeichnung einer ersten Version noch abgesagt – aus Sorge, zu strenge Regeln könnten die amerikanische Innovation im Vergleich zu China behindern.

Industrie zeigt sich kooperativ – politischer Streit bleibt

Große Technologiekonzerne wie Google, Microsoft, OpenAI und Anthropic begrüßen den freiwilligen Rahmen. Unternehmen wie xAI und Microsoft hatten bereits im Mai ihre Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert. OpenAI-CEO Sam Altman wird am heutigen Mittwoch mit Vertretern des Weißen Hauses und des Kongresses zusammentreffen, um die Umsetzung zu besprechen. Altman lobte den Erlass als ausgewogen zwischen Innovation und Sicherheit.

Politisch bleibt das Thema umstritten. Senator Mark Warner wirft der Regierung vor, mit der neuen Verordnung strengere KI-Regeln der vorherigen Biden-Administration faktisch abzuschaffen. Weißhaus-Berater David Sacks hingegen bezeichnete die 30-Tage-Prüfphase als „Game-Changer“ – sie schütze die nationale Sicherheit, ohne den technologischen Fortschritt zu bremsen.