KI-Stethoskop verdoppelt Herzdiagnosen in NHS-Studie

Eine NHS-Studie belegt, dass ein digitales Stethoskop mit KI die Erkennungsrate von Herzinsuffizienz mehr als verdoppelt, offenbart aber massive Nutzungsprobleme im Praxisalltag.

Ein KI-gestütztes Stethoskop kann Herzschwäche in Hausarztpraxen mehr als doppelt so häufig erkennen. Das zeigt eine wegweisende NHS-Studie, die neue Maßstäbe für die Früherkennung setzt.

London – Die Früherkennung von Herzkrankheiten könnte bald einen Quantensprung machen. Eine großangelegte Studie des britischen Gesundheitsdienstes NHS und des Imperial College London belegt: Ein digitales Stethoskop mit Künstlicher Intelligenz verdoppelt die Trefferquote bei der Diagnose von Herzinsuffizienz in Hausarztpraxen. Die Ergebnisse, die diese Woche in Fachkreisen diskutiert werden, könnten die Primärversorgung revolutionieren.

In der sogenannten TRICORDER-Studie testeten 205 Praxen in London und Wales das Gerät des US-Unternehmens Eko Health bei rund 1,5 Millionen Patienten. Die KI analysiert dabei Herzgeräusche und EKG-Signale in nur 15 Sekunden während der Routineuntersuchung. Die Bilanz ist beeindruckend: Gegenüber der Standardversorgung stieg die Erkennungsrate von Herzschwäche um das 2,3-Fache. Vorhofflimmern wurde sogar 3,5-mal häufiger entdeckt, Klappenerkrankungen 1,9-mal.

Anzeige

Passend zum Thema KI in der Medizin: Seit August 2024 gelten neue Regeln für KI‑Systeme – auch für Diagnostikgeräte wie das TRICORDER‑Stethoskop. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt Pflichtenkatalog, Kennzeichnung, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen speziell für Entwickler und Gesundheitseinrichtungen. So vermeiden Sie Compliance‑Fallen und Bußgelder und planen rechtssichere Integration in die Praxis. Jetzt kostenlosen KI‑Umsetzungsleitfaden herunterladen

„Die Technologie stellt die Verbindung zwischen Arzt und Patient wieder her – und liefert gleichzeitig hochmoderne Diagnostik“, erklärt Studienleiter Professor Nicholas Peters vom Imperial College. Gerade bei oft „stillen“ Herzkrankheiten mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Atemnot könnte das Gerät lebenswichtige Hinweise liefern, bevor es zu Notfalleinweisungen kommt.

Die Crux: Technik allein reicht nicht

Doch die Studie offenbarte auch ein massives Umsetzungsproblem. Obwohl die Diagnosegenauigkeit überzeugte, stieg die Gesamtzahl der Herzschwäche-Diagnosen in der Studienpopulation nicht signifikant. Der Grund: Rund 70 Prozent der Praxen nutzten die intelligenten Stethoskope nach zwölf Monaten kaum noch oder gar nicht.

„Die Integration in den Arbeitsablauf war das Hauptproblem“, erläutert Co-Autor Dr. Mihir Kelshiker. Für überlastete Hausärzte bedeutete das Gerät zusätzliche Schritte, die nicht nahtlos in die bestehenden digitalen Patientenakten eingebunden waren. Ein klares Signal: Selbst die effektivste Technologie scheitert, wenn sie den Praxisalltag behindert.

Was bedeutet das für Deutschland?

Die Ergebnisse kommen zur rechten Zeit. Auch in Deutschland sterben jährlich hunderttausende Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Studie zeigt einen möglichen Weg – und eine klare Warnung. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) wie das KI-Stethoskop müssen nicht nur klinisch validiert sein, sondern auch praxistauglich in die bestehenden Systeme von Krankenhäusern und Arztpraxen integriert werden.

Das Unternehmen Eko Health wertet die Studie dennoch als Validierung seiner Algorithmen. Die nächste Entwicklungsstufe dürfte nun auf automatisierte Datentransfers und bessere Kompatibilität abzielen. Für Gesundheitssysteme wie die NHS – und potenziell auch die GKV in Deutschland – liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse für künftige Richtlinien zur Einführung von KI-Medizinprodukten.

Die Londoner Forscher fordern nun einen Fokus auf Benutzerfreundlichkeit. Nur wenn die Technologie den Arbeitsfluss unterstützt statt stört, kann sie ihr volles Potenzial entfalten und tatsächlich Leben retten.

Anzeige

PS: Für Hersteller, Kliniken und IT‑Verantwortliche ist Zeit ein Faktor – Übergangsfristen und Dokumentationspflichten der EU‑KI‑Verordnung laufen. Dieser kostenlose Leitfaden fasst praxisnah zusammen, welche Schritte jetzt nötig sind: Risikoklassifizierung, Transparenzpflichten und die richtige Kennzeichnung medizinischer KI. Vermeiden Sie teure Verzögerungen bei Einführung und Zulassung. Kostenfreies Umsetzungs‑E‑Book zur KI‑Verordnung sichern