KI-Stimmen und falsche Polizisten: Telefonbetrüger greifen gezielt an

Organisierte Kriminalität setzt auf perfide Maschen mit gefälschten Polizisten und geklonten Stimmen von Angehörigen, was zu Millionenschäden führt. Die Polizei warnt vor der akuten Bedrohung.

Eine neue Welle professioneller Schockanrufe rollt über Deutschland. Die Täter setzen auf perfide Maschen und täuschend echte KI-Stimmen. Besonders im Visier: russischsprachige Senioren.

Masche: Falsche Polizisten fordern Bargeld

Die Polizeidirektion Hannover warnte diese Woche eindringlich vor einer spezialisierten Masche. Seit Jahresbeginn rufen Betrüger gezielt russischsprachige Seniorinnen und Senioren an – komplett auf Russisch. Sie geben sich als Polizisten aus und behaupten, ein naher Verwandter habe einen tödlichen Unfall verursacht.

Um eine angebliche Haftstrafe abzuwenden oder medizinische Behandlung zu bezahlen, fordern sie hohe Geldsummen. Die Opfer sollen das Bargeld in eine Kleidertasche packen, die später von einem Boten abgeholt wird. Durch diese Masche entstand bundesweit bereits ein Schaden im mittleren siebenstelligen Bereich.

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KI klont Stimmen von Angehörigen

Die organisierte Kriminalität rüstet technologisch massiv auf. Verbraucherschützer warnen vor dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz. Mit sogenannten Deepfakes imitieren Betrüger Stimmen von Verwandten täuschend echt.

Dafür reichen oft schon wenige Sekunden Audiomaterial aus öffentlichen Videos. Klingelt das Telefon und die vermeintliche Tochter fleht weinend um Hilfe, ist der Betrug kaum noch zu erkennen. Die Bundesnetzagentur blockierte allein im Januar rund 555.000 betrügerische Anrufe.

Aktuelle Fälle zeigen akute Bedrohung

Die Warnungen sind traurige Realität. Am 12. März wurde eine 85-Jährige in Dissen, Niedersachsen, Opfer falscher Polizisten. Die Anrufer behaupteten, ihre Tochter habe ein Kind bei einem Unfall tödlich verletzt. Die Rentnerin übergab Bargeld und Schmuck im hohen fünfstelligen Wert an einen Abholer.

In Karlsruhe verlor eine 67-Jährige am 10. März knapp 18.000 Euro. Eine weinende Anruferin gab sich als Enkelin aus, dann übernahm eine angebliche Polizistin. Auch in Wuppertal wurde am 13. März ein 84-jähriger Senior um einen hohen vierstelligen Betrag gebracht. Die Geldübergabe fand am Mastweg statt, der Täter flüchtete in einem grünen Auto.

Internationale Erfolge: Operation Casus

Trotz der professionellen Vorgehensweise verzeichnen Ermittler auch Erfolge. Mitte Februar präsentierte Österreich die Operation Casus. Spezialisten des Landeskriminalamtes Niederösterreich hebelten mehrere kriminelle Callcenter-Zellen aus.

Die Ermittlungen führten zu 23 Tatverdächtigen aus verschiedenen europäischen Ländern, 17 wurden festgenommen. Die Netzwerke agierten von Wien und Brünn aus und verursachten einen Gesamtschaden von rund 4,8 Millionen Euro. Sie nutzten österreichische Nummern, um Opfer in Nachbarländern wie der Slowakei und Polen zu täuschen.

Wie kann man sich schützen?

Die Polizei rät zu äußerster Skepsis bei allen Anrufen mit Geldforderungen oder Notsituationen. Beenden Sie solche Gespräche sofort. Rufen Sie die angeblich in Not geratenen Angehörigen unter bekannten Nummern selbst an, um den Sachverhalt zu prüfen.

Übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen. Echte Behörden fordern keine Kautionszahlungen in bar an der Haustür. Melden Sie auch gescheiterte Betrugsversuche konsequent über den Polizei-Notruf.