KI-Studie: ChatGPT und Claude zeigen deutliche linke Neigung

Untersuchungen von Washington Post und Economist belegen politische und weltanschauliche Verzerrungen bei führenden KI-Modellen.

Mehrere Studien belegen: Künstliche Intelligenz tendiert zu linken und säkularen Positionen.

Führende KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Claude weisen einer aktuellen Untersuchung zufolge eine messbare Neigung zu liberalen und säkularen Weltanschauungen auf. Die in dieser Woche veröffentlichten Studien der Washington Post und des Economist offenbaren eine erhebliche Kluft zwischen den KI-generierten Perspektiven und der tatsächlichen Meinungsvielfalt der Weltbevölkerung.

Die Testergebnisse im Detail

Die Washington Post analysierte die politischen Präferenzen von fünf großen KI-Modellen: ChatGPT (OpenAI), Gemini (Google), Claude (Anthropic), Grok (xAI) und DeepSeek. Die Forscher konfrontierten die Systeme mit einer Reihe politischer Fragen – mit eindeutigen Ergebnissen.

OpenAIs ChatGPT antwortete in 80 Prozent der Fälle mit linken Positionen, nur drei Prozent waren rechts einzuordnen, 17 Prozent als ausgewogen. DeepSeek zeigte ein ähnliches Bild: 70 Prozent linke, 23 Prozent ausgewogene und sieben Prozent rechte Antworten.

Googles Gemini schnitt in diesem Test am neutralsten ab: 93 Prozent der Antworten galten als ausgewogen, sieben Prozent als links. Anthropics Claude lieferte zu 57 Prozent ausgewogene und zu 43 Prozent linke Antworten. xAIs Grok war das einzige Modell mit einem nennenswerten Anteil rechter Aussagen (33 Prozent), neigte aber dennoch in 40 Prozent der Fälle nach links.

Die betroffenen Unternehmen verteidigten ihre Systeme. OpenAI betonte, ChatGPT sei auf Objektivität ausgelegt. Anthropic erklärte, Claude behandle verschiedene Standpunkte gleichberechtigt. Google verwies auf die Neutralität von Gemini.

Weltweite Werte-Diskrepanz

Eine ergänzende Studie des Economist testete 25 KI-Modelle mit Fragen aus der World Values Survey. Das Ergebnis: Die Systeme sind durchweg säkularer und liberaler als der durchschnittliche menschliche Befragte.

GPT-Modelle vertreten demnach säkularere Werte als die Bevölkerung jedes einzelnen untersuchten Landes. Googles Gemini priorisiert individuelle Freiheit stärker als die Bürger aller Nationen in der Studie. Kein getestetes Modell bildet die traditionellen oder religiösen Weltanschauungen afrikanischer oder muslimischer Länder angemessen ab. Ein Beispiel: Auf die Frage nach sozialen Ratschlägen empfahl ChatGPT, Distanz zu Schwiegereltern zu wahren, während DeepSeek zu Kompromissen riet.

Überwachung von Kandidaten im Wahlkampf

Da KI zunehmend zur primären Informationsquelle wird, entwickeln politische Organisationen Werkzeuge zur Kontrolle. Die Initiative Run for Something launchte im Juli 2026 das Tool CampSight. Es ermöglicht Wahlkampfteams, nachzuvollziehen, wie verschiedene Chatbots ihre Kandidaten gegenüber potenziellen Wählern darstellen.

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Das System simuliert echte Browser-Sitzungen und fragt ChatGPT, Claude und Gemini ab. Ein Fallbeispiel aus dem kalifornischen Gouverneursvorwahlkampf zeigte: Obwohl ein Kandidat 200 Millionen Euro in traditionellen Wahlkampf investierte, bewerteten ihn die Chatbots in Kernfragen wie Bildungsfinanzierung und Lebenshaltungskosten schlecht.

Die Forscher stellten fest, dass Chatbots stark auf Plattformen wie Ballotpedia, Reddit und LinkedIn zurückgreifen, während sie Inhalte hinter Paywalls oder von KI-Scraping blockierten Seiten häufig unterrepräsentieren. Über 60 Wahlkampagnen stehen bereits auf der Warteliste für CampSight.

Gefahren für die Demokratie

Der Einfluss von KI auf demokratische Prozesse ist in Europa bereits spürbar. Ein Bericht von Franceinfo warnte, voreingenommene KI könne die französische Präsidentschaftswahl 2027 beeinflussen. Eine Ipsos- und BVA-Umfrage vom Februar 2026 ergab: 48 Prozent der Franzosen haben generative KI für politische Informationen genutzt oder würden dies in Betracht ziehen – bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 75 Prozent.

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Bei den Kommunalwahlen im März 2026 nutzten bereits elf Prozent der Wähler KI für Wahlkampfinformationen, 16 Prozent ließen sich bei ihrer Stimmabgabe leiten. Die französische Datenschutzbehörde CNIL warnte vor Deepfakes, Sprachklonen und Wählerprofilierung.

Die grundsätzlichen Bedenken bleiben. Laut Pew Research lesen 60 Prozent der US-Amerikaner KI-generierte Suchzusammenfassungen – trotz häufiger Fehler. Eine BBC- und EBU-Studie zeigte, dass KI-Assistenten Nachrichten zu etwa 45 Prozent falsch darstellten. Das MIT wies im Februar 2026 nach, dass Chatbots für Nutzer mit geringeren Englischkenntnissen oder außerhalb der USA deutlich ungenauer arbeiten.

Auch rechtlich tut sich etwas: Im Juni 2026 entschied das Münchner Landgericht, dass Google für Falschaussagen in KI-generierten Suchübersichten haftbar gemacht werden kann.