KI-Transparenz ab sofort: EU verhängt Bußgelder bis 15 Millionen Euro

Neue EU-Transparenzpflichten für KI-Systeme gelten ab sofort. Bußgelder bis 15 Millionen Euro möglich, Hochrisiko-Fristen verschoben.

Seit heute gelten in der Europäischen Union verschärfte Transparenzregeln für Künstliche Intelligenz. Betroffen sind Chatbots, Deepfakes und generative KI-Systeme – Verstöße können teuer werden.

Pflichten für Anbieter und Betreiber

Mit dem heutigen Tag müssen Anbieter und Betreiber von KI-Systemen strengere Auflagen erfüllen. Chatbots sind nun verpflichtet, sich während der Interaktion mit Nutzern als künstliche Intelligenz zu erkennen zu geben. Zudem müssen KI-generierte Inhalte mit maschinenlesbaren Metadaten versehen werden.

Besonders im Fokus: Deepfakes. Sie müssen künftig klar gekennzeichnet werden. Während die allgemeinen Transparenzregeln ab sofort gelten, haben Unternehmen für technische Details wie sichtbare Wasserzeichen noch bis zum 2. Dezember 2026 Zeit. Auch für Systeme, die bereits vor heute auf dem Markt waren, gibt es eine Übergangsfrist bis Anfang Dezember.

Die Strafen bei Verstößen können empfindlich ausfallen. Die Aufsichtsbehörden dürfen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Bei verbotenen Praktiken – etwa bestimmten Formen biometrischer Identifizierung oder nicht einvernehmlichen intimen Bildern – drohen sogar bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des globalen Umsatzes.

Digital Omnibus verschiebt Fristen für Hochrisiko-KI

Die Verordnung Digital Omnibus (EU 2026/1744), veröffentlicht am 24. Juli und in Kraft seit dem 27. Juli, bringt einen gestaffelten Zeitplan mit sich. Während die Transparenz- und GPAI-Regeln (General Purpose AI) wie geplant voranschreiten, wurden die Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme verschoben.

Eigenständige Hochrisiko-KI-Systeme nach Anhang III müssen die neuen Standards erst bis zum 2. Dezember 2027 erfüllen. KI-Systeme, die als Sicherheitskomponenten in Produkte integriert sind, haben sogar bis zum 2. August 2028 Zeit.

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Der Omnibus bringt zudem Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen. Auch die Anforderungen an die KI-Kompetenz innerhalb von Organisationen wurden vereinfacht, um den Unternehmen den Übergang zu erleichtern.

EU-KI-Büro mit erweiterten Befugnissen

Das EU-KI-Büro hat unter dem neuen Regelwerk deutlich mehr Durchsetzungsmacht erhalten. Die Behörde darf KI-Modelle inspizieren, technische Unterlagen anfordern und bei Sicherheitsmängeln den Rückruf oder die Entfernung von Systemen anordnen. Bei Verstößen gegen diese Aufsichtsmaßnahmen drohen Strafen von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes.

Zur Unterstützung wurde ein wissenschaftliches Gremium aus 60 Experten eingerichtet, geleitet von Professor Alessandro Abate als leitendem wissenschaftlichen Berater. Es soll technisches Fachwissen für die Überwachung von Frontier-Modellen und GPAI-Systemen liefern.

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Während das EU-KI-Büro seine Aufsichtsbefugnisse ausweitet, stehen viele Organisationen vor der Frage, welche ihrer Systeme konkret unter die neuen Dokumentationspflichten fallen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche KI-Anwendungen als Hochrisiko gelten und was jetzt zu tun ist. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern

Das KI-Büro selbst sucht derweil Verstärkung: Aktuell zählt die Behörde weniger als 40 Mitarbeiter und baut ihr Team aus. Für Hinweisgeber wurden zudem neue Meldekanäle und vertrauliche Berichtsmöglichkeiten geschaffen. Mehr als 180 Organisationen haben bereits den Verhaltenskodex für KI-Sicherheit und Transparenz unterzeichnet.

Internationale Initiativen zur KI-Kompetenz

Während die EU auf Regulierung setzt, starten andere Regionen groß angelegte Programme zur KI-Weiterbildung ihrer Arbeitskräfte.

Singapur will mit seinem National AI Impact Programme bis 2029 rund 100.000 Arbeitnehmer qualifizieren. Ziel ist es, 10.000 Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre mit KI-Kompetenzen auszustatten. Seit der ersten Jahreshälfte 2026 werden Schulungen, die bisher Technikprofis vorbehalten waren, auch für Nicht-Technik-Bereiche wie Buchhaltung und Rechtsdienstleistungen geöffnet.

Pakistan hat angekündigt, bis 2030 eine Million Nicht-IT-Fachkräfte in KI-Fähigkeiten zu schulen. Das Programm ist Teil eines Engagements in Höhe von einer Milliarde Dollar im Anschluss an die Verabschiedung der Nationalen KI-Politik im Juli 2025. Geplant sind 20.000 Online-Kurse für Branchen wie Gesundheit, Landwirtschaft und Verwaltung – mit dem Ziel, das nationale BIP-Wachstum bis Ende des Jahrzehnts deutlich zu steigern.