KI-Urheberrechtsstreit: Microsoft-Chef räumt Lizenzpflicht ein

Entsiegelte Dokumente zeigen interne Warnungen und starke Klickverluste für Medienseiten; ein Urteil im Verfahren wird erst 2027 erwartet.

Im Urheberrechtsstreit vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan sehen sich Microsoft und OpenAI mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Medienunternehmen wie die New York Times machen geltend, dass interne Aussagen von Führungskräften beider Technologiekonzerne deren rechtliche Verteidigungslinie untergraben.

Die Konzerne stützen sich im Verfahren maßgeblich auf das Rechtsprinzip der fairen Nutzung, um das systematische Training ihrer KI-Modelle mit journalistischen Texten zu rechtfertigen.

Führungskräfte warnten intern vor existenzieller Bedrohung

Entsiegelte Beweise und Gerichtsdokumente offenbaren erhebliche interne Bedenken bei beiden Unternehmen. Laut einem Antrag auf ein summarisches Urteil räumte der OpenAI-Manager Nick Turley intern ein, die eigenen Produkte seien weitgehend substituierend für bestehende Inhalte.

Zudem warnte Turley, dass das automatisierte Auslesen von Nachrichteninhalten – auch unter gezielter Umgehung von Bezahlschranken – eine existenzielle Bedrohung für Nachrichtenorganisationen darstellen könne. Auch andere Mitarbeiter von OpenAI sahen Verlage durch die Technologie vor einer derartigen existentiellen Gefahr.

Bei Microsoft fielen die internen Einschätzungen teils noch drastischer aus. Brent Hecht, Direktor für angewandte Wissenschaften bei Microsoft, bezeichnete das massenhafte KI-Scraping in einem internen Memorandum als erstaunlichen Diebstahl beispiellosen Ausmaßes sowie potenziell als größten Diebstahl von Arbeitsleistung in der Geschichte der Menschheit.

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Zudem warnte Hecht laut einem Gerichtsfiling vom 17. September 2026 vor einer versehentlichen Verschleierung der Vorgänge. Weitere entsiegelte Dokumente belegen, dass Mitarbeiter beider Unternehmen die nicht lizenzierte Verwendung von Millionen Nachrichtenartikeln als Auslöser für eine verhängnisvolle Abwärtsspirale innerhalb der Inhalte-Lieferkette einstuften.

Umfangreiche Datensätze und deutliche Reichweitenverluste

Die Dimensionen der Datennutzung sind beträchtlich. Am 17. September 2026 brachte die New York Times in einem entsiegelten Dokument vor, dass OpenAI mehr als zehn Millionen Artikel zum Training verwendet habe – davon stamme fast ein Drittel direkt aus dem eigenen Archiv.

Weitere Trainingsdatensätze von OpenAI enthielten mehr als 91.692 Kopien von Werken der New York Times, der Daily News und des Center for Investigative Reporting. Das Common-Crawl-Dataset umfasste über zwei Millionen Dokumente von nytimes.com, während ein internes Projekt namens Mango mindestens 160.903 Werke zählte.

Die daraus resultierenden Folgen für die Medienhäuser sind messbar. Dokumentierte Nutzungsdaten belegen, dass Microsofts Copilot die Klickraten für nytimes.com im Vergleich zu Bing um bis zu 93 Prozent reduzierte. Für andere klagende Medienhäuser beliefen sich die registrierten Einbrüche auf 83 bis 93 Prozent beziehungsweise 51 bis 94 Prozent.

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Microsoft sieht Einzelmeinungen – Verfahren zieht sich hin

Microsoft wies die Vorwürfe zurück und betonte, die zitierten Dokumente spiegelten lediglich Einzelmeinungen wider. Das Produkt Copilot ersetze journalistische Arbeit nicht. Die Äußerungen von Hecht stellten lediglich die individuelle Sichtweise eines einzelnen Mitarbeiters dar.

Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte indessen am 17. September 2026, dass durch Bezahlschranken geschütztes Material lizenziert werden sollte. Er hätte OpenAI in einem solchen Fall zu einem erneuten Training der Modelle verpflichtet.

Die Klage der New York Times läuft bereits seit drei Jahren. Wie aus den Gerichtsdokumenten vom 17. September 2026 hervorgeht, ist mit einem Urteil in dem richtungsweisenden Verfahren nicht vor dem Jahr 2027 zu rechnen.