Die Softwarebranche bringt dieser Woche eine Welle neuer KI-Agenten auf den Markt, die Vertriebs- und Marketingprozesse automatisieren sollen. Gleich mehrere Anbieter präsentierten am Dienstag und Mittwoch ihre Lösungen – ein klares Zeichen, dass sich der Markt rasant in Richtung „No-Code“ und autonomer Assistenz bewegt.
Aurasell bringt Baukasten für Vertriebsteams
Am 7. Juli 2026 launchte Aurasell seinen Agent Builder speziell für Go-to-Market (GTM)-Teams. Das Tool erlaubt es Nutzern, maßgeschneiderte KI-Agenten zu erstellen, die komplexe Arbeitsabläufe ohne manuelles Eingreifen bewältigen. Ziel ist es, die Produktivität in den Abteilungen für Revenue Operations (RevOps) und Marketing zu steigern.
Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Unternehmen setzen auf autonome Agenten, die rund um die Uhr in verschiedenen Anwendungen und Websites arbeiten können. Was bisher großen Konzernen vorbehalten war, wird nun auch für kleinere Firmen erschwinglich.
SOLO und Green Lotus: KI für Kleinunternehmer
Indien steht im Fokus der nächsten Innovation. Jio Haptik enthüllte am 7. Juli SOLO, eine KI-native Wachstumsplattform für Solopreneure und kleine Unternehmen. Die Plattform bringt spezialisierte KI-Teammitglieder mit: Tara kümmert sich um Marketingaufgaben, Ved übernimmt Vertrieb und Support. Das Unternehmen will innerhalb von drei Jahren über zwei Millionen Solopreneure erreichen – in einer frühen Testphase haben bereits 10.000 Unternehmen mitgemacht.
Ebenfalls am Dienstag startete Green Lotus sein AI Agentic Team. Das Paket umfasst vier verschiedene Agenten: eine Sprach-Rezeptionistin, einen Omnichannel-Text-und-Chat-Agenten, einen Social-Media-Manager und einen Spezialisten für Bewertungsmanagement. Lead-Qualifizierung und Kundenservice gibt es hier für einen Pauschalpreis von umgerechnet rund 450 Euro pro Monat.
Im Dienstleistungssektor zog Zanderio nach: Das Unternehmen erweiterte am 6. Juli seinen KI-Vertriebsagenten, der nun auch Anfragen außerhalb der Geschäftszeiten bearbeitet, Lead-Details sammelt und direkt mit CRM-Systemen und Terminplanungstools zusammenarbeitet.
Accenture und Google Cloud: Gemeinsam für den Mittelstand
Auch die großen Beratungs- und Cloud-Anbieter springen auf den Zug auf. Accenture Edge und Google Cloud kündigten am 7. Juli eine neue Agentic-AI-Suite an. Zielgruppe sind Unternehmen mit Jahresumsätzen zwischen 300 Millionen und drei Milliarden Euro – also der gehobene Mittelstand. Die Partnerschaft konzentriert sich auf sechs Kernbereiche, darunter Kundenintelligenz, Geschäftsbetrieb und Mitarbeiterunterstützung.
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Parallel dazu erweitern die Plattformanbieter ihre Entwickler-Ökosysteme. ManageEngine eröffnete am 6. Juli einen neuen Marktplatz mit Partner-Entwickler-Ökosystem, das unter anderem Zia Agents umfasst. Im Bereich Buyer Intelligence brachte G2 am 7. Juli neue Tools auf den Markt, darunter Integrationen für ChatGPT und HubSpot sowie erweiterte Kaufsignale, die Teams helfen sollen, aktive Interessenten schneller zu identifizieren.
Spezialisierte Agenten für Compliance und Bau
Doch die neuen KI-Assistenten beschränken sich nicht auf Vertrieb und Marketing. Unit21 launchte am 7. Juli einen Agentic Task Builder für Risiko- und Compliance-Teams. Damit lassen sich Ermittlungsaufgaben in einfachem Englisch formulieren – die Agenten führen dann Online-Recherchen und Datenanalysen durch, um Betrugswarnungen zu klären. Programmierkenntnisse sind nicht nötig.
In der Baubranche stellte SIS am selben Tag den Construct 365 Copilot vor. Das System, angetrieben von KI-Agenten, verbindet sich mit Finanz- und Projektmanagement-Software, um den Zustand des Portfolios zu überwachen und Work-in-Progress-Befehle zu verwalten.
Und auch xAI mischt mit: Das Unternehmen von Elon Musk aktualisierte am 7. Juli seinen Grok Voice Agent Builder und fügte 21 mehrsprachige Stimmen sowie Stimmklon-Funktionen zu seinen Entwickler-APIs hinzu.
Frühe Anwender erzielen deutliche Gewinne
Die Welle neuer KI-Angebote kommt nicht von ungefähr. Daten von ZoomInfo zeigen, dass Unternehmen mit fortschrittlichen KI-Go-to-Market-Strategien ein fünfmal höheres Umsatzwachstum und 89 Prozent höhere Gewinne erzielen als Firmen mit traditionellen Methoden. Einzelne Nutzer dieser KI-Plattformen berichten von durchschnittlich 12 Stunden Zeitersparnis pro Woche.
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Der Wandel wird auch durch verändertes Kaufverhalten vorangetrieben. Marktdaten zufolge beginnen 51 Prozent der B2B-Käufer ihre Produktrecherche inzwischen mit einem KI-Chatbot. 72 Prozent stoßen während ihres Evaluierungsprozesses auf KI-Zusammenfassungen. Analysten von Forrester prognostizieren, dass mehr als die Hälfte aller Enterprise-B2B-Käufe mit einem Volumen von über einer Million Euro künftig über digitale Kanäle abgewickelt werden.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI den Vertrieb verändert – sondern wie schnell sich die Unternehmen anpassen.

