KI-Welle erfasst Rechtsbranche: Partnerschaften und Millionen-Investments

Rechtsanwaltskanzleien und Legal-Tech-Unternehmen schließen strategische Allianzen und sichern Finanzierungen, um spezialisierte KI-Lösungen flächendeckend zu integrieren.

Die juristische Welt setzt voll auf Künstliche Intelligenz. Innerhalb von 48 Stunden haben mehrere Branchengrößen strategische Allianzen und eine große Finanzierungsrunde bekannt gegeben – ein klares Signal für den Übergang von Experimenten zum flächendeckenden Einsatz.

Vom Pilotprojekt zur Firmen-Strategie

Der Bedarf an spezialisierten KI-Lösungen wächst rasant. Die internationale Großkanzlei Pinsent Masons gab am 23. Februar eine firmenweite Partnerschaft mit der KI-Plattform Legora bekannt. Nach einer Pilotphase rollt die Kanzlei die kollaborative KI-Arbeitsumgebung nun global für ihre Corporate-, Commercial- und Property-Teams aus. Insgesamt sollen 1.000 Mitarbeiter mit dem System arbeiten.

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Diese Kooperation steht beispielhaft für einen Branchentrend: Rechtsanwaltskanzleien und Unternehmensjustiziare steigen von kleinen KI-Tests auf umfassende, operative Integration um. Es geht nicht mehr um Standardsoftware, sondern um maßgeschneiderte Workflows für spezifische juristische Aufgaben wie Recherche, Vertragsgestaltung und Dokumentenprüfung.

Partnerschaften fokussieren sich auf Compliance und Sicherheit

Die größte Hürde für KI in der Rechtsbranche sind strenge Ethik- und Vertraulichkeitsregeln. Hier setzen neue Allianzen an. Das Legal-Tech-Unternehmen Intapp kündigte am 23. Februar eine strategische Partnerschaft mit der juristischen KI-Plattform Harvey an. Ziel ist die Integration von Intapps „Walls for AI“ direkt in Harveys System. Diese Technik soll ethische Schutzwände und andere Compliance-Vorgaben automatisch durchsetzen – und so Mandantenvertraulichkeit und Interessenkonflikte sicherstellen.

In einer ergänzenden Ankündigung vom 24. Februar kooperiert Intapp zudem mit dem KI-Sicherheitsunternehmen Anthropic. Gemeinsam wollen sie branchenspezifische Agenten auf Basis des Sprachmodells Claude entwickeln. Diese spezialisierten KI-Assistenten sollen komplexe regulatorische Anforderungen wie den Umgang mit Insiderinformationen meistern. Der trend geht klar weg von generischen KI-Tools hin zu maßgeschneiderten Systemen für hochsensible Berufsumgebungen.

Millionen-Investment befeuert KI-gestützte Vertragsverwaltung

Das Vertrauen in die KI-Transformation schlägt sich auch in erheblichen Investments nieder. Die KI-native Vertragsmanagement-Plattform Sirion gab am 23. Februar den Abschluss einer Mehrheitsbeteiligung durch die Private-Equity-Firma Haveli Investments bekannt. Diese strategische Rekapitalisierung soll die Produktinnovation und globale Expansion von Sirion beschleunigen.

Das Unternehmen nutzt KI, um statische Verträge in intelligente, workflow-gesteuerte Assets zu verwandeln. Die Finanzspritze für einen Marktführer wie Sirion zeigt: Investoren sind überzeugt, dass KI fundamental für die Zukunft des Vertragsmanagements und anderer Kernprozesse in Rechtsabteilungen ist. Diese werden von wachsenden Vertragsvolumen und zunehmender Komplexität überrollt.

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Risikomanagement wird zur Schlüsselfrage

Die aktuellen Ankündigungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Branche muss die praktischen Realitäten der KI-Implementierung meistern. Neben der Messung des Return on Investment und der Schließung von Qualifikationslücken steht das Risikomanagement im Fokus.

Die Gefahren generativer KI reichen von Datenlecks und erfundenen Rechtszitaten bis zum potenziellen Verlust des Anwaltsgeheimnisses. Ein US-Gerichtsurteil vom 10. Februar 2026, das Informationen in einem Consumer-KI-Assistenten als nicht privilegiert einstufte, hat diese Bedenken verstärkt. Die Folge ist ein klarer Push hin zu sicheren, unternehmensfähigen Lösungen.

Experten sehen bereits, wie die Technologie etablierte Geschäftsmodelle wie die Abrechnung nach Zeitaufwand infrage stellt. Routinearbeiten bei der Erstellung von Texten und Recherchen – einst Domäne junger Anwälte – werden automatisiert. Das erfordert eine Neuausrichtung der juristischen Ausbildung hin zu mehr KI-Kompetenz.

Ausblick: Integrierte Ökosysteme statt Einzellösungen

Die Reise der Rechtsbranche mit KI geht in die nächste Phase. Es geht nicht mehr um isolierte Tools, sondern um den Aufbau eines integrierten Ökosystems. Die Zukunft juristischer Dienstleistungen könnte in gemeinsamen Plattformen liegen, auf denen Anwälte, KI-Agenten und Mandanten nahtlos zusammenarbeiten, um Strategien zu entwickeln und Mandate in Echtzeit zu steuern.

Die jüngste Welle von Partnerschaften und Investments zeigt einen rapide reifenden Markt. Der Fokus liegt jetzt eindeutig auf der Entwicklung von kontrollierbarer, verlässlicher und spezialisierter KI, der man die sensible und komplexe Natur juristischer Arbeit anvertrauen kann. Diese Technologien werden nicht nur die Effizienz verändern, sondern auch das Wesen der Rechtsdienstleistung selbst.