KI wird zum Kollegen: Agentic AI übernimmt komplexe Arbeitsabläufe

Autonome KI-Agenten übernehmen komplexe Arbeitsabläufe, doch Sicherheitsrisiken durch Shadow AI und hohe Projektabbruchquoten fordern Unternehmen heraus.

Die Ära der passiven KI-Assistenten ist vorbei. Ab sofort agieren künstliche Intelligenzen als aktive „KI-Teammitglieder“, die eigenständig mehrstufige Prozesse steuern. Neue Entwicklungen von Microsoft, Google und Branchenanalysten bestätigen diesen fundamentalen Wandel. Doch mit den autonomen Fähigkeiten wachsen auch die Risiken durch „Shadow AI“ und Sicherheitslücken.

Vom Copilot zum autonomen Agenten

Der KI-„Copilot“, der bei Einzelaufgaben hilft, wird abgelöst. Die neue Generation, „Agentic AI“, funktioniert wie ein digitaler Kollege. Eine aktuelle Analyse von TNGlobal beschreibt dies als Übergang zu „Echtzeit-Kollaboration mehrerer Agenten“. Demnach blockiert moderne Arbeit heute nicht mehr die Inhalteerstellung, sondern Koordination und Ausführung. Die nächste Phase umfasst Agenten, die soziale und bereichsübergreifende Aufgaben übernehmen – etwa die Abstimmung von Support-, Finanz- und Rechtsabteilungen bei Kundenproblemen.

Diese Entwicklung wird durch große Plattform-Updates untermauert. Microsoft erweiterte vergangene Woche seine Cloud-Infrastruktur um „Windows 365 for Agents“. Die Neuerung erlaubt es Unternehmen, autonome KI-Agenten sicher auf Cloud-PCs laufen zu lassen. Diese Agenten operieren unabhängig in einer geschützten Umgebung, automatisieren komplexe Workflows und skalieren Betriebsabläufe – ohne ständige menschliche Überwachung oder zusätzliches Personal. Microsoft spricht von der Entstehung „agentischer Schnittstellen“, bei denen Menschen nicht-wertschöpfende Aufgaben an Software-Agenten delegieren.

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Neue Bedrohungen für die IT-Sicherheit

Mit mächtigeren KI-Agenten entsteht eine neue Dimension von Sicherheitsrisiken. Microsofts Sicherheitsforschung warnte am Freitag vor den „Laufzeitrisiken“ dieser Systeme. Einmal eingesetzt, können Agenten auf sensible Daten zugreifen und privilegierte Aktionen allein basierend auf natürlicher Sprache ausführen. Die Gefahr: Ein Angreifer, der die Planungssequenz eines Agenten beeinflusst, könnte „unbeabsichtigtes Verhalten“ provozieren, das technisch innerhalb der erlaubten Berechtigungen liegt, aber bösartige Ergebnisse produziert.

Als Gegenmaßnahme integriert Microsoft Echtzeitschutz in Copilot Studio. Dieser Mechanismus überwacht das Verhalten von Agenten während der Ausführung. Sicherheitsteams können so bestimmte Aktionen – wie unbefugten Datenzugriff oder externe Kommunikation – blockieren, bevor sie abgeschlossen sind.

Parallel dazu wächst das organisatorische Problem der „Shadow AI“. Einer Untersuchung zufolge nutzen zwar 77 Prozent der Mitarbeiter KI-Agenten, doch ein Großteil verfolgt einen „Bring-Your-Own-Bot“-Ansatz. Demnach setzen 71 Prozent der Angestellten nicht genehmigte Consumer-KI-Technologie am Arbeitsplatz ein. Dies schaffe eine Krise der „verborgenen KI-Nutzung“, in der unkontrollierte Maschinen-Kollegen Geschäftsentscheidungen beeinflussen, psychologische Sicherheit auflösen und den Stress für menschliche Mitarbeiter erhöhen.

Integration in den Arbeitsalltag und globale Expansion

Die Tech-Giganten integrieren die Agenten immer tiefer in tägliche Abläufe. Google Workspace erweiterte die Fähigkeiten seiner Gemini-KI. Administratoren erhalten nun detaillierte Nutzungsmetriken für Gemini in Google Meet. Dies verschafft Transparenz darüber, wie das „Ask Gemini“-Feature – nun auch für Business Standard-Kunden – in Meetings Mehrwert liefert. Zudem wurde der Hersteller Neat zertifizierter Partner für Google Meet-Hardware, was die Infrastruktur für hybride, KI-gestützte Besprechungen stärkt.

Auch Salesforce treibt die „Teammitglied“-Erzählung mit seiner Agentforce-Plattform voran. Ein „Heureka-Moment“ sei gewesen, als man den System-Prompt änderte, um die KI als digitalen Mitarbeiter statt als bloßes Werkzeug zu behandeln, so ein Senior Vice President des Unternehmens. Die Anweisung, sich als „Kundendienstmitarbeiter von Salesforce“ zu verhalten, habe Leistung und Entscheidungsfindung deutlich verbessert. Zudem lokalisiert Salesforce Agentforce nun für südostasiatische Märkte und führt Unterstützung für Sprachen wie Tagalog, Thailändisch und Vietnamesisch ein.

Analysten warnen vor hohen Abbruchquoten und „Agent Washing“

Der branchenweite Shift zu „Agentic AI“ verändert grundlegend, wie Unternehmen den Return on Investment berechnen. Während 2024 und 2025 der Fokus auf individuellen Produktivitätsgewinnen lag, geht es 2026 um organisatorische Effizienz. Doch der Übergang verläuft nicht reibungslos. Der TNGlobal-Report warnt, dass über 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte bis Ende 2027 gestoppt werden könnten – aufgrund explodierender Kosten, unklarem Geschäftswert oder unzureichenden Risikokontrollen.

Analysten sehen weiterhin die Gefahr des „Agent Washing“, bei dem alte Automatisierung als neue KI-Agenten umetikettiert wird. Der Erfolg werde von der „Operationalisierung von Vertrauen“ abhängen. Unternehmen, die keine robuste Governance implementieren, riskierten erhebliche Sicherheitsverletzungen durch Agenten, die zu autonom agieren.

Ausblick: KI-Kompetenz wird zur Pflicht

Für das restliche Jahr 2026 erwarten Experten eine Konsolidierung der Agenten-Plattformen. Da Microsofts Windows 365 for Agents nun eigene „Cloud-PCs“ für KI bereitstellt, verschwimmt die Grenze zwischen dem Arbeitsplatz menschlicher und digitaler Mitarbeiter. Prognosen des Weltwirtschaftsforums betonen, dass eine „kollektive Kultur des KI-Lernens“ nötig sein wird, um die menschliche Handlungsfähigkeit zu bewahren.

Bis zum Ende des ersten Quartals 2026 wird sich „KI-Kompetenz“ voraussichtlich von einer allgemeinen Fähigkeit zu einer rollenspezifischen Anforderung entwickeln. Unternehmen werden Schulungen vorschreiben, wie man mit diesen neuen digitalen Teammitgliedern zusammenarbeitet und sie führt. Der Fokus verschiebt sich damit von der bloßen Bereitstellung von Agenten hin zum Management einer hybriden Belegschaft, in der Silizium- und Kohlenstoff-Mitarbeiter nahtlos kooperieren.

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