Kinderkrankengeld: Linnemann plant Kürzung von 15 auf 10 Tage pro Elternteil

Der AOK zufolge beantragten im Vorjahr nur 4,6 Prozent der Berechtigten Kinderkrankengeld; Verbände und Politiker kritisieren die geplante Kürzung.

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Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann plant, den gesetzlichen Anspruch auf Kinderkrankengeld von derzeit 15 auf 10 Tage pro Kind und Elternteil zu senken. Die während der Corona-Pandemie eingeführte Sonderregelung soll damit nicht erneut verlängert werden. Linnemann argumentiert, dass 10 Tage pro Elternteil für zwei Elternteile zusammen weiterhin 20 Tage pro Jahr ergäben.

Im laufenden Jahr 2026 können gesetzlich versicherte Eltern noch 15 Kinderkrankentage pro Kind und Elternteil sowie 30 Tage für Alleinerziehende beanspruchen. Zuvor war die 15-Tage-Regelung für die Jahre 2024 und 2025 gesetzlich verlängert worden, während davor ebenfalls eine Begrenzung auf jährlich 10 Tage pro Elternteil gegolten hatte.

Gesetzlich versicherte Eltern haben bei einer Erkrankung eines Kindes unter 12 Jahren Anspruch auf die Entgeltersatzleistung. Diese beträgt in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes, gedeckelt auf einen Höchstsatz von rund 135 Euro pro Tag abzüglich der fälligen Sozialbeiträge.

Krankenkassendaten zeigen geringe Inanspruchnahme

Gegenwind erhält das Vorhaben unter anderem von den Krankenkassen. Der AOK-Bundesverband kritisiert den Kürzungsplan. Eine Auswertung der AOK zeigt zudem, dass im Vorjahr lediglich 4,6 Prozent der anspruchsberechtigten Versicherten mindestens einmal Kinderkrankengeld beantragten. Pro eingereichtem Fall wurden im Durchschnitt 2,5 Tage beansprucht. Mit einem Anteil von 73 Prozent stellten Mütter den überwiegenden Teil der Nutzenden.

Ähnliche Tendenzen belegen Zahlen der Barmer. Bei der Kasse wurden im Jahr 2024 insgesamt 877.000 Kinderkrankengeld-Zahltage abgerufen, rund zwei Drittel davon ebenfalls von Müttern.

Bezogen auf die rund 8,3 Millionen Barmer-Versicherten entspricht das etwa einem Zahltag je zehn Versicherte. Die jährlichen Gesamtkosten für das Kinderkrankengeld werden auf einige hundert Millionen Euro geschätzt, wobei diese Ausgaben mit Infektionswellen stark schwanken.

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Breite Kritik aus Politik und Verbänden

Die Kürzungspläne stoßen auch im parlamentarischen Raum und bei Verbänden auf scharfe Kritik. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sprach sich gegen die geplante Reduzierung aus. Vertreter von Grünen und Linken bemängeln das Vorhaben ebenfalls.

Der Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar verwies darauf, dass die meisten Eltern das bestehende Kontingent gar nicht voll ausschöpfen, Familien mit chronisch kranken Kindern von der Absenkung jedoch besonders hart getroffen würden.

Der Familienbund der Katholiken kritisierte die geplante Rücknahme von 15 auf 10 Tage und stufte das damit verbundene Einsparpotenzial als überschaubar ein. Die Diakonie forderte verlässliche Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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Die Debatte fällt in eine Phase weiterer diskutierter Sparmaßnahmen in der Familienpolitik. Geplant ist unter anderem, ab November 2027 die maximale Bezugsdauer des Elterngelds von 14 auf 12 Monate zu verkürzen sowie den Kindersofortzuschlag von 25 Euro pro Monat und Kind abzuschaffen.

Gleichzeitig lag Deutschlands Geburtenrate im Vorjahr bei 1,32 Kindern pro Frau, was dem niedrigsten Stand seit 1997 entspricht. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Organisation Save the Children ergab zudem, dass sich 27 Prozent der Eltern minderjähriger Kinder stark oder sehr stark darum sorgen, in den kommenden 12 Monaten grundlegende Bedürfnisse nicht mehr finanzieren zu können.

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