Investoren pumpen Milliarden in KI-native Plattformen, die administrative Aufgaben automatisieren und selbst Programmierlaien zur App-Entwicklung befähigen. Allein in dieser Woche wurden mehrere Finanzierungsrunden im Gesamtwert von über 130 Millionen Euro abgeschlossen.
Emergent wird zum Einhorn – 1,4 Milliarden Euro Bewertung
Das US-Unternehmen Emergent hat in einer Serie-C-Runde 130 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Creaegis, beteiligt waren unter anderem der SoftBank Vision Fund 2 und Khosla Ventures. Die Bewertung des Unternehmens kletterte damit auf rund 1,4 Milliarden Euro. Emergent meldet, dass im vergangenen Jahr mehr als zwölf Millionen Apps auf seiner Plattform erstellt wurden – 70 Prozent der Nutzer haben keinerlei Programmiererfahrung. Der jährliche Umsatz des Unternehmens liegt bei umgerechnet etwa 110 Millionen Euro.
Auch im Mid-Market-Bereich tut sich etwas: Synthreo gab am 14. Juli bekannt, 2,5 Millionen Euro Seed-Finanzierung erhalten zu haben. Das Unternehmen bietet eine KI-Agenten-Umgebung für Managed Service Provider an und konnte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 verdreifachen.
Die Marktforschung untermauert diesen Trend: Analysten erwarten, dass der Low-Code-Markt bis 2029 auf 58,2 Milliarden Euro anwachsen wird. Noch optimistischere Prognosen sehen ein Volumen von über 376 Milliarden Euro bis 2034 – ausgehend von rund 49 Milliarden Euro im Jahr 2026.
Sprachgesteuerte KI-Assistenten für den Schreibtisch
Ein zentraler Trend im Juli 2026 ist die Integration sogenannter „agentischer KI“ – autonome Assistenten, die komplexe Aufgaben eigenständig erledigen. Creatio veröffentlichte am 15. Juli sein „10x“-Update mit einem KI-Studio und einer „AI Twin“-Funktion. Angestellte können damit per natürlicher Sprache persönliche KI-Agenten erstellen, während Berechtigungen und Governance auf Plattformebene gesteuert werden.
Salesforce erweiterte ebenfalls am 15. Juli seine Agentforce-Funktionen auf die Small Business Suites in Indonesien. Hintergrund: Laut McKinsey-Studien liegt die Produktivität von KMU bis zu 75 Prozent unter der großer Konzerne. Die autonomen Agenten von Salesforce sollen repetitive Verwaltungsaufgaben in den Tarifen Free, Starter und Pro übernehmen.
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Die Adoption solcher KI-Mitarbeiter läuft auf Hochtouren. Marblism meldete am 15. Juli, dass seine Plattform in weniger als acht Monaten 40.000 Unternehmen erreicht hat. Der Dienst stellt spezialisierte KI-Entitäten für Vertrieb, Marketing und Betrieb bereit – die Einrichtungszeit liegt unter 30 Minuten.
Branchenlösungen: Vom Anwaltsbüro bis zum Techniker-Einsatz
Die Anbieter bewegen sich weg von Einheitslösungen hin zu spezialisierten Plattformen:
Recht: Referent launchte am 15. Juli eine KI-native Praxisverwaltung für Einzelanwälte und kleine Kanzleien. Das System nutzt Sprachbefehle und KI-gestützte Mandantenaufnahme – und verspricht Anwälten bis zu 15 zusätzliche abrechenbare Stunden pro Woche.
Außendienst: DGlide stellte Anfang der Woche eine No-Code-KI-Plattform für das Field Service Management vor. Das Unternehmen verspricht eine Implementierung in Tagen statt Monaten und IT-Kosteneinsparungen von bis zu 40 Prozent für Firmen mit großen Techniker-Teams.
IT und Sicherheit: Framewerx launchte am 16. Juli sein Neuralwerx-KI-Helpdesk. Seit Jahresbeginn liegt die mediane Lösungszeit bei sechs Minuten, über 70 Prozent der Tickets werden für KMU-Kunden sofort bearbeitet.
Regionalmärkte: Sikaflow ging am 15. Juli in Ghana landesweit an den Start. Die digitale Geschäftsplattform bietet Offline- und USSD-Unterstützung für Kleinst- und Kleinunternehmen sowie KI-Assistenz in lokalen Sprachen wie Twi und Ga.
Der App-Dschungel wird gelichtet
Die Nachfrage nach zentralisierten internen Tools wird durch die wachsende Komplexität des modernen Software-Stacks angetrieben. Daten von Okta aus dem Jahr 2025 zeigen: Ein durchschnittliches Unternehmen nutzt inzwischen 101 verschiedene Anwendungen. Die Forschung von Asana deutet darauf hin, dass Wissensarbeiter rund 60 Prozent ihrer Zeit mit „Arbeit über die Arbeit“ verbringen – manuelle Dateneingabe, Status-Updates und ähnliche Routinen statt Kernaufgaben.
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Plattformen wie Retool, Appsmith und Noloco konsolidieren diese zersplitterten Systeme. Ein aktueller Leitfaden für KMU-Betriebsabläufe zeigt: Manuelle Gehaltsabrechnung für Freelancer führt häufig zu Fehlklassifizierungen – ein erhebliches Risiko, wenn man bedenkt, dass die US-Arbeitsbehörde im Geschäftsjahr 2025 rund 259 Millionen Euro an Nachzahlungen eintrieb. Interne Tool-Software minimiert diese Risiken, indem sie Stunden- und Zahlungsfreigaben in automatisierten Prüfpfaden bündelt.
Auch der Datenschutz rückt in den Fokus. Webair AI startete am 15. Juli ein privates „Company Brain“, das in Google- und Microsoft-Suiten integriert ist. Mitarbeiter können firmenspezifisches Wissen per Text abfragen – eine Routing-Engine sorgt für den Erhalt der Datenschutzeinstellungen kleiner Unternehmen.

