Welche Auswirkungen die Beschäftigung mit digitalen Spielen oder klassischen Denkspielen auf die geistige Leistungsfähigkeit von Kleinkindern hat, ist Gegenstand anhaltender wissenschaftlicher Diskussionen.
Eine italienische Studie, die im September 2026 in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior Reports veröffentlicht wurde, liefert neue Einblicke in kurzfristige kognitive Reaktionen bei Vorschulkindern. Die Untersuchung zeigt, dass sowohl Videospiele als auch traditionelle Puzzles vergleichbare Effekte auf bestimmte Denkprozesse auslösen können.
Vergleich zwischen digitalem Rennspiel und Tangram-Puzzle
Für die Untersuchung begleiteten die italienischen Forscher eine Gruppe von 48 Fünfjährigen über drei Sitzungen, die jeweils im Abstand von einer Woche stattfanden. Im Versuchsablauf absolvierten die Kinder unterschiedliche Aufgabenblöcke.
In der zweiten Woche spielten die Probanden jeweils 30 Minuten lang das Konsolenspiel Super Mario Kart 8 Deluxe. In der dritten Woche stand stattdessen eine 30-minütige Einheit mit einem klassischen Tangram-Puzzle auf dem Programm.
Im Anschluss an die jeweiligen Einheiten analysierten die Wissenschaftler die kognitiven Leistungen der Kinder. Nach beiden Interventionen – sowohl nach dem Videospiel als auch nach dem Legespiel – zeigten die Fünfjährigen bessere Leistungen bei Aufgaben, die eine schnelle und intuitive Reaktion erforderten. Im Gegenzug fielen die Ergebnisse bei Aufgaben ab, die Selbstkontrolle und Konzentration verlangten.
Viele Eltern fragen sich, ob 30 Minuten Videospiel ihr Kind klüger oder unruhiger machen. Eine italienische Studie mit 48 Fünfjährigen deutet darauf hin, dass nicht das Medium entscheidet, sondern wie intensiv sich ein Kind in die Aufgabe vertieft. Unser kostenloser Ratgeber ordnet den Befund ein und zeigt, wie Sie daraus einen entspannten Spielalltag machen. Kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern
Mentale Aktivierung statt reiner Bildschirmeffekt
Ein zentraler Befund der italienischen Forscher betrifft die Ursache dieser Leistungsverschiebungen. Der beobachtete Effekt gehe nach Angaben des Forschungsteams auf das allgemeine Engagement und die intensive Beschäftigung mit der jeweiligen Aufgabe zurück und sei nicht primär auf die Bildschirmzeit oder das Medium selbst zurückzuführen.
Sowohl das digitale Rennspiel als auch das physische Tangram-Puzzle forderten die Aufmerksamkeit der Kinder in einer Weise, die kurzfristig intuitive Reaktionen stärkt, während die inhibitorische Kontrolle vorübergehend nachlässt.
Methodische Grenzen und vorsichtige Interpretation
Fachleute betonen die Notwendigkeit, derartige experimentelle Beobachtungen präzise einzuordnen. Professor Christian Krog Tamnes von der Universität Oslo wies darauf hin, dass die Studie mit 48 Teilnehmenden klein angelegt sei und die Resultate daher vorsichtig interpretiert werden müssten, wie das norwegische Wissenschaftsportal forskning.no am 25. September 2026 berichtete.
Nach intensivem Spiel fällt Fünfjährigen das Warten und Stillhalten kurzfristig schwerer — das gilt für das Konsolenspiel genauso wie für das klassische Legespiel. Wer die Selbstkontrolle seines Kindes gezielt stärken will, findet in unserem Ratgeber fünf konkrete Spielideen und eine einfache Checkliste für den Alltag. 5 Spielideen für mehr Konzentration entdecken
Aus der Untersuchung ließen sich zudem keine Aussagen über mögliche Langzeitfolgen für die kindliche Entwicklung ableiten. Ebenso wenig ergäben sich aus den bisherigen Daten konkrete Handlungsempfehlungen für Pädagogen im Umgang mit digitalen oder analogen Spielformen im Vorschulalltag. Die Ergebnisse verdeutlichen vor allem, dass die kognitive Aktivierung unabhängig vom Trägermedium betrachtet werden muss.

