Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Kollagen-Präparaten steht zunehmend in der Diskussion. Während der Markt für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ein massives Wachstum verzeichnet, weisen Fachleute auf methodische Schwächen in der Studienlage und die starke Abhängigkeit von Herstellerinteressen hin.
Mangelnde Unabhängigkeit in der Studienlandschaft
Dermatologin Felicitas Niedermair vom Dermatologikum Hamburg analysierte die aktuelle Forschungssituation und stellte fest, dass ein Großteil der Studien zu Kollagen-Präparaten industriefinanziert ist.
In einer Übersichtsarbeit, die 23 Untersuchungen betrachtete, zeigte sich demnach ein deutliches Muster: Positive Effekte wurden fast ausschließlich in jenen Studien belegt, die direkt von den Herstellern finanziert wurden. Zudem sei die methodische Qualität vieler Arbeiten als schwach einzustufen.
Diese Skepsis wird von weiteren Experten geteilt. Sportwissenschaftler Dr. Thorben Aussieker von der TH Ostwestfalen-Lippe ordnete die Befunde so ein, dass derzeit kein belegter Anti-Aging-Effekt von Kollagen vorliege. Mögliche Vorteile für die Sehnenstruktur ließen sich nur in Kombination mit gezieltem körperlichem Training beobachten.
Dennoch zeige eine tägliche Dosierung von 5 bis 10 Gramm Kollagen keine negativen Auswirkungen auf den Körper. Aussieker verwies zudem auf eine sogenannte Glycin-Lücke in der üblichen Ernährung, die etwa 2 Gramm pro Tag betrage.
Prognostiziertes Marktwachstum trotz Forschungsfragen
Ungeachtet der wissenschaftlichen Einwände entwickelt sich Kollagen zu einem der umsatzstärksten Segmente im Bereich der Nahrungsergänzung. Daten von Fortune Business Insights bezifferten das weltweite Marktvolumen für das Jahr 2025 auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Marktforscher erwarten bis zum Jahr 2034 eine Beinahe-Verdopplung dieses Wertes.
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Getrieben wird diese Entwicklung durch das Bewusstsein für biologische Alterungsprozesse. Da die körpereigene Kollagenbildung bereits ab dem 25. Lebensjahr abnimmt, suchen Konsumenten verstärkt nach Substitutionsmöglichkeiten.
Kollagen ist mit einem Anteil von etwa 30 Prozent am gesamten Proteingehalt das häufigste Protein im menschlichen Körper und sorgt unter anderem für die Zugfestigkeit von Knorpelfasern. Mit zunehmendem Alter verlieren diese Fasern jedoch an Qualität.
Unterschiede bei Herkunft und Bioverfügbarkeit
Im Handel werden verschiedene Formen von Kollagen angeboten, wobei Kollagen-Peptide durch Hydrolyse gewonnen werden. Dieses Verfahren spaltet das Protein in Peptide mit einer geringen Molmasse von 3 bis 6 Kilodalton (KDa), was ihnen eine höhere Bioverfügbarkeit im Vergleich zu herkömmlicher Gelatine verleiht.
Dabei wird zwischen verschiedenen Typen unterschieden:
* Typ I & III: Diese kommen vorrangig für die Unterstützung von Haut, Haaren und Nägeln zum Einsatz.
* Typ II: Dieser Typ ist primär im Knorpelgewebe zu finden.
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Ein wichtiger technischer Aspekt ist die Herkunft. Laut Berichten von Mitte September 2026 existiert kein „veganes Kollagen“, da das Protein biologisch ausschließlich in tierischen Organismen vorkommt.
Kollagenpeptide werden aus Rinder- oder Fischhaut sowie aus Knochen und Knorpel extrahiert. Anbieter wie Jia Yi Bio haben sich beispielsweise auf den Großhandel mit Wildfisch-Kollagen-Tripeptid spezialisiert, das besonders leicht absorbierbar sein soll.
Produktvarianten und Anwendungsstrategien
Der Einzelhandel, darunter Drogeriemärkte wie dm, führt mittlerweile ein breites Sortiment mit rund 18 verschiedenen Kollagen-Varianten. Dazu zählen Eigenmarken wie Mivolis sowie Drittmarken wie Vital Proteins oder Biobene. PharmaSGP vermarktet mit pureSGP ein reines Kollagenhydrolysat, für das eine langfristige Anwendung über acht bis zwölf Wochen empfohlen wird.
Andere Präparate wie More Clear Glow Peptides kombinieren das Hydrolysat mit weiteren Mikronährstoffen wie Hyaluronsäure, Vitamin C, Zink, Kupfer und Selen. Nature Heart setzt hingegen auf laborgeprüfte Peptide von Rindern aus Weidehaltung.
Fachleute betonen jedoch, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung sind. Die körpereigene Kollagenbildung kann auch durch die Zufuhr von Aminosäuren wie Glycin und Lysin sowie durch Vitamin C, Zink und Kupfer unterstützt werden.
Auch traditionelle Lebensmittel wie Knochenbrühe gelten als nahrhaft, wobei ihre Wirkung eher in der Verwertung klassischer Zutaten als in wissenschaftlich belegten Heilversprechen liegt. In der Sportwissenschaft wird für eine optimale Körperzusammensetzung zudem auf eine Proteinzufuhr von 1,8 bis 2,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und ausreichend Schlaf hinterwiesen.

