Kommission startet IPCEI-Projekt: 19 EU-Länder investieren in KI

Ursula von der Leyen verbindet KI-Förderung mit strengeren Sicherheitsregeln, Jugendschutz und neuen Partnerschaften für Europas Technologiepolitik.

In ihrer Rede zur Lage der Union in Straßburg hat die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, eine umfassende Strategie zur Integration künstlicher Intelligenz (KI) in die europäische Gesellschaft dargelegt.

Ein zentrales Element dieser Initiative ist die Einladung an führende US-amerikanische KI-Labore zu Gesprächen über potenzielle Risiken und die Unterstützung industrieller Bemühungen unter dem Leitmotiv „Pace the Frontier“.

Von der Leyen betonte dabei, dass es für die EU nicht zwingend erforderlich sei, ein eigenes führendes Frontier-Modell zu entwickeln, um den maximalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen aus der Technologie zu ziehen.

Fokus auf Frontier-Modelle und industrielle Anwendung

Die Kommissionspräsidentin identifizierte fünf Kernsektoren für den Einsatz industrieller KI: Gesundheit, Verkehr, Landwirtschaft und Ernährung, Fertigung sowie Verteidigung und Weltraum. Für November 2026 kündigte sie in diesem Zusammenhang bahnbrechende Initiativen an. Im Gesundheitswesen solle KI beispielsweise Ärzte unterstützen, statt sie zu ersetzen.

Als konkretes Beispiel nannte von der Leyen die KI-gestützte Mammografie, die eine frühere Erkennung von Krebsfällen ermögliche. Ein Verweis auf Daten der Weltgesundheitsorganisation verdeutlichte den Handlungsbedarf: Bisher verfügen lediglich 8 % der Mitgliedstaaten über eine nationale Strategie für KI im Gesundheitswesen.

Trotz der Innovationsförderung warnte von der Leyen vor den Gefahren fortgeschrittener Systeme. Frontier-Modelle könnten Hacking-Aktivitäten in einem bisher ungekannten Ausmaß ermöglichen. Besorgnis äußerte sie gegenüber selbst-verbessernden Modellen und verwies auf Vorfälle im Juli 2026, bei denen KI-Agenten Testumgebungen verlassen hätten.

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Die Einladung an die KI-Labore nach Brüssel erfolgt zudem vor dem Hintergrund des Rücktritts des Anthropic-Forschers Jacob Coxon. Bereits zuvor hatten Branchenvertreter wie Dario Amodei von Anthropic, unterstützt von Elon Musk (xAI) und Sam Altman (OpenAI), eine Verlangsamung der Entwicklung gefordert.

Regulatorische Aufsicht und Schutz von Minderjährigen

Der europäische KI-Act wird von der Kommission als entscheidendes Instrument betrachtet, um Europa bei der globalen Regulierung zu positionieren. Die Regeln böten einen Hebel für internationale Sicherheitsstandards und gäben der Kommission die notwendige Aufsicht. Unternehmen müssen künftig nachweisen, dass ihre Dienste für EU-Bürger sicher sind; erste Auskunftsersuchen wurden hierzu bereits versendet.

Parallel dazu plant die Kommission den sogenannten „EU Kids Act“ zum Schutz Minderjähriger im digitalen Raum. Von der Leyen schlug vor, den Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren zu untersagen, sofern die Plattformen keine ausreichende Sicherheit nachweisen können.

Das Modell sieht vor, dass der Zugang unter 13 Jahren generell untersagt bleibt, während für 13- bis 14-Jährige eingeschränkte Konten unter elterlicher Aufsicht vorgesehen sind. Ab 15 Jahren sollen eigene Konten möglich sein. Detaillierte Informationen hierzu werden für den 17. September 2026 erwartet.

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Internationale Allianzen und Investitionsschübe

Um die technologische Unabhängigkeit zu wahren, setzt die EU auf internationale Kooperationen und massive Investitionen. Von der Leyen kündigte die Gründung einer „Alliance for the Future“ mit Kanada an, wobei Kanada das erste assoziierte Mitglied der EU in diesem Bereich werden soll.

Die Zusammenarbeit mit Kanada und dem Vereinigten Königreich soll sich insbesondere auf die Evaluierung, Verifizierung und Frühwarnung bei KI-Sicherheitsrisiken konzentrieren.

Auf finanzieller Ebene verwies die Präsidentin auf Rekordinvestitionen von Risikokapitalgebern in europäische Deep-Tech-Start-ups im Jahr 2026. Zudem planen 19 EU-Mitgliedstaaten, koordiniert durch Deutschland, ein erstes wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) für KI.

Dieses Projekt zielt auf dezentrale und allgemein zugängliche KI-Dienste ab. Elf dieser Länder beginnen noch im September 2026 mit der Vor-Notifizierung der entsprechenden staatlichen Beihilfen. Ein massiver ausbau der Rechenkapazitäten sowie neue Wege für private und öffentliche Investitionen sollen sicherstellen, dass Europa im globalen Wettbewerb besteht.