Komoot liefert 100 Updates nach radikaler Restrukturierung

Komoot verzeichnet unter Bending Spoons zahlreiche Updates, darunter KI-Routenplanung, aber auch massive Entlassungen von 85 Prozent der Belegschaft.

Die Outdoor-Navigationsplattform Komoot hat ihr erstes volles Jahr unter dem italienischen Technologiekonzern Bending Spoons abgeschlossen – und zieht eine gemischte Bilanz. Seit der Übernahme im März 2025 hat das Berliner Startup mehr als 100 Produkt-Updates ausgerollt, darunter eine eigenständige Smartwatch-App und KI-gestützte Routenplanung. Doch der Preis für das Entwicklungstempo war hoch: Rund 85 Prozent der ursprünglichen Belegschaft wurden entlassen.

Vom Startup zum Tochterunternehmen

Der Umbau begann im Frühjahr 2025, als Bending Spoons mit Sitz in Mailand die Übernahme des Berliner Unternehmens am 20. März abschloss. Komoot, das rund 45 Millionen Nutzer zählt, gehört seither zu einem Portfolio, das auch Evernote, Meetup und WeTransfer umfasst. Was folgte, war ein harter Schnitt: Branchenberichten zufolge verlor das Unternehmen bis Mitte 2025 rund 85 Prozent seiner ursprünglichen Mitarbeiter. Die verbliebenen Teams wurden in kleine, autonome Einheiten umorganisiert.

Neue Funktionen im Akkord

Das beschleunigte Entwicklungstempo zeigt sich vor allem bei den Funktionen für unterwegs. Ein zentrales Update aus dem Frühjahr 2026 sind die globalen und persönlichen Heatmaps. Sie zeigen beliebte Trails und die eigene Aktivitätshistorie direkt auf der Karte – eine Funktion, die an Konkurrenten wie Strava oder Garmin Connect erinnert.

Die wichtigsten technischen Meilensteine des Jahres 2026:

  • Eigenständige Apple-Watch-App (seit 26. Januar 2026): Ermöglicht Navigation, Offline-Karten und Live-Tracking ohne gekoppeltes Smartphone.
  • KI-gestützte Routenplanung (seit 18. Februar 2026): Eine ChatGPT-Integration erlaubt Routenvorschläge per natürlicher Spracheingabe – basierend auf über sieben Millionen Routen und vier Millionen Highlights.
  • Verbesserter mobiler Routenplaner: Funktionen wie „Trail View“ zur Vorschau mit Community-Fotos und das Umschalten von Kartenebenen sind nun auch mobil verfügbar.
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Hinzu kommen „Custom Waypoints“ zum Speichern benannter Orte sowie verbesserte Filter für Routenbibliotheken und detailliertere Oberflächenangaben – etwa der Anteil asphaltierter versus unbefestigter Wege.

Der Bending-Spoons-Plan

Der Übernahme vorausgegangen war ein umstrittener Schritt: Am 27. Februar 2025 führte Komoot ein neues Abomodell ein. Seither benötigen Neukunden ein Premium-Abo (rund 5,99 Euro monatlich oder 71,99 Euro jährlich), um Routen auf Geräte von Garmin, Wahoo oder Hammerhead zu übertragen. Zuvor ließ sich diese Funktion durch einmalige Kartengebühren freischalten.

Branchenexperten sehen darin den typischen Bending-Spoons-Ansatz: Umstellung auf wiederkehrende Einnahmen, radikale Verschlankung der Belegschaft und Fokus auf schnelle Iterationen. Das Unternehmen selbst verteidigt den Personalabbau als notwendigen Schritt zur Entbürokratisierung. Ziel sei es, schneller in neue Märkte wie Italien und Frankreich zu expandieren.

Die finanziellen Dimensionen des Deals waren beträchtlich: Berater von Perella Weinberg Partners, Freshfields Bruckhaus Deringer, EY Advisory, J.P. Morgan und Intesa Sanpaolo waren beteiligt.

Zwischen Frust und Fortschritt

Die Nutzer reagieren gespalten. Während langjährige Fans den Verlust der ursprünglichen Startup-Kultur und die aggressiveren Bezahlschranken beklagen, zeigt eine unternehmenseigene Umfrage unter über 3.000 Nutzern aus dem Herbst 2025: Eine deutliche Mehrheit befürwortet das moderne Design-Refresh vom 15. September 2025.

Mit der ChatGPT-Integration positioniert sich Komoot als technischer Vorreiter im Outdoor-Segment. Statt klassischer Filter können Nutzer nun Routen mit natürlichen Beschreibungen anfordern – ein Versuch, die Einstiegshürde für Anfänger zu senken, ohne die Kernzielgruppe der 45 Millionen Enthusiasten zu vernachlässigen.

Ausblick auf die zweite Jahreshälfte

Der offizielle Fahrplan vom Januar 2026 verspricht weitere Neuerungen: eine Überarbeitung der Mehrtagesplanung, detailliertere Informationen zu Wegsperrungen und lokalen Einschränkungen sowie schnellere Offline-Karten für abgelegene Gebiete.

Trotz der Massenentlassungen betont das Management, an den Community-Funktionen festzuhalten. Das „Highlights“-System mit nutzergenerierten Inhalten wächst weiter – über 87 Millionen Bilder unterstützen inzwischen die Routenplanung.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend ist, ob das hohe Update-Tempo die Verärgerung über das neue Abomodell wettmachen kann.