Das Europäische Parlament hat in Straßburg einen Bericht zur beruflichen Aus- und Weiterbildung mit einer breiten Mehrheit von 504 Stimmen angenommen.
Die zentrale Forderung der Abgeordneten ist die Verankerung eines individuellen Rechts auf kostenlose Weiterbildung für Beschäftigte, die während der regulären Arbeitszeit stattfinden soll. Zudem dringt das Parlament auf eine umfassende Aufwertung der beruflichen Bildung im gesamten europäischen Binnenmarkt.
Die Initiative stützt sich inhaltlich unter anderem auf Empfehlungen aus dem Draghi-Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit, der ebenfalls eine Stärkung der beruflichen Qualifikation anmahnt. Konkrete Umsetzungsfristen benannte das Europäische Parlament in seinem Beschluss allerdings nicht.
Debatte über Finanzierung und Bürokratieabbau
In den politischen Fraktionen stößt der Vorstoß auf unterschiedliche Akzentsetzungen. Evelyn Regner, SPÖ-Abgeordnete und Mitglied des parlamentischen Beschäftigungsausschusses, betonte die Notwendigkeit einer fairen Kostenbeteiligung durch die Unternehmen sowie einer stärkeren Anerkennung von Ausbildungsberufen.
Regner erklärte, sie erwarte nun einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag der Europäischen Kommission, die ihre Strategie zur Berufsbildung für Anfang November angekündigt hat.
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Aus den Reihen der Europäischen Volkspartei hob die Chefverhandlerin für den Bericht, Angelika Winzig (ÖVP), andere Prioritäten hervor. Sie forderte, die duale Ausbildung europaweit als Maßstab zu etablieren.
Zudem sprach sich Winzig für den Ausbau des Programms Erasmus+ für Lehrlinge und eine unkompliziertere Anerkennung von Berufsqualifikationen innerhalb des Binnenmarkts aus. Anstelle zusätzlicher Berichtspflichten für Betriebe müssten praxistaugliche Maßnahmen im Mittelpunkt stehen.
Die Initiativ-Entschließung wurde unter der Federführung der niederländischen Abgeordneten Brigitte van den Berg (Renew Europe/D66) ausgearbeitet, die den Entwurf am 20. Oktober 2026 ins Plenum einbrachte.
Die Vorlage umfasst neben Investitionen in eine zeitgemäße Berufsausbildung auch eine engere Kooperation zwischen Ausbildungsstätten und Arbeitgebern sowie den Abbau von Mobilitätshürden beim lebenslangen Lernen. Van den Berg übernimmt künftig auch die parlamentarische Führung beim sogenannten Skills Portability Act.
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Kommission kündigt Bildungs- und Kompetenzpaket an
Auf Seiten der Europäischen Kommission stellte Vizepräsidentin Roxana Mînzatu heraus, dass die berufliche Bildung künftig für viele junge Europäerinnen und Europäer zur ersten Wahl werden müsse.
Mînzatu verwies auf erhebliche Defizite bei den Basiskompetenzen auf dem Kontinent: Den Erhebungen zufolge erreichen 33,9 Prozent der 15-Jährigen in Europa nicht das Mindestkompetenzniveau in der Mathematik, 31,3 Prozent verfehlen dies beim Lesen und 25,9 Prozent in den Naturwissenschaften. Der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher im Fach Mathematik sei damit doppelt so hoch wie in Japan oder Singapur.
Die EU-Mitgliedstaaten verfolgen das Ziel, diese Quoten bis 2030 auf unter 15 Prozent zu senken. Mînzatu kündigte an, dass die Kommission in zwei Wochen ein Europäisches Bildungs- und Kompetenzpaket vorstellen will. Dieses Vorhaben soll Schwerpunkte bei den Grundkompetenzen, den Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte, dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bildungswesen sowie der Steigerung der Attraktivität beruflicher Bildungsgänge setzen.

