Britische Autoren und Künstler schlagen Alarm: Unregulierte Künstliche Intelligenz bedroht ihre Existenz. Eine breite Allianz kreativer Berufsverbände fordert die Regierung zum sofortigen Handeln auf.
86 Prozent der befragten Autorinnen und Autoren geben an, dass generative KI ihr Einkommen bereits geschmälert hat. Diese alarmierende Zahl stammt aus einem neuen Bericht mit dem Titel „Brave New World? Justice for Creators in the Age of GenAI“, der heute von der Society of Authors (SoA) gemeinsam mit Musikern, Schauspielern, Illustratoren und Fotografen veröffentlicht wurde. Die Studie zeichnet das Bild einer Branche am Abgrund.
Forderung nach dem „CLEAR“-Rahmenwerk
Die kreative Koalition drängt auf ein fünfpunkitges Regulierungsmodell namens „CLEAR“. Dies soll einen globalen Standard für den ethischen Einsatz von KI setzen. Im Kern geht es um den Schutz geistigen Eigentums.
Die EU-KI-Verordnung ist seit August 2024 in Kraft und bringt konkrete Pflichten für Entwickler, Plattformbetreiber und Unternehmen mit sich – von Kennzeichnungspflichten über Risikoklassifizierung bis hin zu umfangreichen Dokumentationsanforderungen. Wer diese Vorgaben nicht erfüllt, riskiert Sanktionen und Haftungsfragen. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Schritte jetzt nötig sind, wie Sie Ihr System richtig klassifizieren und welche Nachweise erforderlich sind. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
- C – Consent first (Zustimmung zuerst): KI-Entwickler müssen vor der Nutzung von Werken zum Training ausdrückliche Erlaubnis einholen.
- L – Licensing, not scraping (Lizenzierung statt Abschöpfen): Ein gesetzliches Lizenzsystem soll das derzeitige „Abschöpfen“ von Daten ohne Genehmigung ersetzen.
- E – Ethical use of training data (Ethische Nutzung von Trainingsdaten): Kreative Werke sind wertvolle Assets, keine „kostenlosen Rohmaterialien“.
- A – Accountability (Rechenschaftspflicht): KI-Firmen müssen transparent für die von ihren Systemen generierten Inhalte und die verwendeten Daten haften.
- R – Remuneration and Rights (Vergütung und Rechte): Schaffende haben Anspruch auf faire Bezahlung, ihre Urheberpersönlichkeitsrechte müssen geschützt werden.
Anna Ganley, Geschäftsführerin der Society of Authors, warnt: Wenn die Regierung die 126 Milliarden Pfund schwere Kreativwirtschaft wirklich unterstützen wolle, müsse sie jetzt handeln. Die derzeitige „Wild-West“-Mentalität in der KI-Entwicklung zerstöre Lebensgrundlagen.
Eine Branche in der Krise
Der Bericht, der auf Daten von über 10.000 Kreativen basiert, zeigt ein düsteres Bild für das Jahr 2026. Neben den Einkommensverlusten berichten 72 Prozent der Autoren von weniger Aufträgen. Für 57 Prozent der Befragten ist ihre Karriere finanziell nicht mehr tragfähig.
Besonders betroffen sind literarische Übersetzer (36%) und Illustratoren (26%), bei denen Aufträge gestrichen oder an KI-Tools vergeben wurden. Rachel Hill von der Association of Illustrators betont: Die Studie belege, wie unregulierte KI den Erfolg des kreativen Sektors aktiv untergrabe – einer Branche, die auf menschliches Können angewiesen ist.
Der „Project Panama“-Skandal als Brandbeschleuniger
Die Dringlichkeit der Forderungen wird durch einen aktuellen Skandal untermauert. Diese Woche wurden Gerichtsunterlagen aus einer Sammelklage gegen das KI-Unternehmen Anthropic (Hinter Claude-Chatbot) bekannt.
Darin wird ein internes Projekt mit dem Codenamen „Project Panama“ beschrieben. Medienberichten zufolge ging es darum, „destruktiv alle Bücher der Welt zu scannen“. Anthropic habe zig Millionen Dollar ausgegeben, um physische Bücher zu kaufen, ihre Einbände abzutrennen und sie für das Training seiner KI-Modelle zu digitalisieren.
Die Enthüllungen heizen die Debatte um „Fair Use“ versus Urheberrechtsverletzung an. Zwar einigte sich Anthropic auf einen Vergleich von 1,5 Milliarden Dollar, doch der Skandal verstärkt die Forderung nach gesetzlicher Transparenz.
Druck auf die Politik wächst
Der Zeitpunkt des Berichts ist strategisch: Die britische Regierung berät derzeit über KI und Urheberrecht. Eine endgültige Antwort wird bis zum 18. März 2026 erwartet. Eine vorläufige Umfrage im Dezember 2025 zeigte, dass 88 Prozent der Teilnehmer eine Lizenzpflicht für KI-Entwickler befürworten.
Beobachter gehen davon aus, dass die geschlossene Front der Kreativverbände zusammen mit der öffentlichen Empörung über „Project Panama“ den Druck auf die Politik massiv erhöht. Die Forderung lautet klar: Ablehnung von „Opt-out“-Modellen zugunsten der strengeren „Opt-in“- und Lizenzsysteme des CLEAR-Rahmenwerks.
Die Botschaft der Allianz ist unmissverständlich: Ohne sofortiges gesetzliches Handeln für Zustimmung und angemessene Vergütung steht die Zukunft professionellen Schaffens und menschlicher Kreativität auf dem Spiel.
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