Die Sicherheit von Krypto-Assets verlagert sich zunehmend von der digitalen Ebene in den physischen Raum. Ein aktueller Bericht des Sicherheitsunternehmens CertiK dokumentiert für das erste Halbjahr 2026 weltweit 52 physische Angriffe auf Besitzer von Kryptowährungen. Dies entspricht einer Steigerung von 33 % gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres. Besonders besorgniserregend ist dabei die finanzielle Dimension der Vorfälle: Während sich die Verluste durch solche Übergriffe im ersten Halbjahr 2025 noch auf 10,5 Mio. US-Dollar beliefen, stieg diese Summe im gleichen Zeitraum des Jahres 2026 auf 124 Mio. US-Dollar an.
Drastische Zunahme von Wohnungseinbrüchen und Entführungen
Die Auswertung der Vorfälle zeigt eine deutliche Verschiebung der Taktiken. Besonders stark stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche an. Wurde im ersten Halbjahr 2025 lediglich ein solcher Fall registriert, verzeichnete CertiK in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 bereits 20 Fälle. Auch Entführungen mit dem Ziel der Krypto-Erpressung nahmen zu. Der Bericht weist hierfür 16 Fälle im ersten Halbjahr 2026 aus, verglichen mit 12 Fällen im Vorjahreszeitraum.
Konkrete Beispiele verdeutlichen die Brutalität der Täter. Im März 2026 wurde ein Paar in der französischen Gemeinde Le Chesnay-Rocquencourt dazu gezwungen, Bitcoin im Wert von rund 1 Mio. US-Dollar zu transferieren. Ein noch umfangreicherer Raub ereignete sich im Vereinigten Königreich, wo ein Opfer unter Zwang Kryptowährungen im Wert von 24 Mio. US-Dollar herausgeben musste.
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Frankreich als Schwerpunkt der Angriffswelle
Ein geografischer Schwerpunkt der Kriminalitätswelle liegt in Europa. Laut CertiK verzeichnete Frankreich im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 33 Angriffe, was fast zwei Dritteln aller weltweiten Fälle entspricht. Im Vergleich dazu wurden in den USA vier Angriffe registriert, während Schweden und das Vereinigte Königreich jeweils zwei Fälle meldeten.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez bestätigte die angespannte Lage und nannte für Frankreich sogar noch höhere Zahlen. Seinen Angaben zufolge gab es im ersten Halbjahr 2026 bereits 77 kryptobezogene Entführungs- und Erpressungsvorfälle. Dies stellt eine massive Steigerung gegenüber dem gesamten Jahr 2025 dar, in dem 45 solcher Fälle gezählt wurden. Die französische Gendarmerie bestätigte für den Zeitraum bis zum 7. Juli 2026 ebenfalls 77 Fälle von Entführung oder rechtswidriger Freiheitsberaubung in diesem Kontext.
Behörden reagieren mit Präventionsmaßnahmen
Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen kündigte Innenminister Laurent Nuñez einen Drei-Punkte-Plan an. Dieser sieht einen verstärkten Informationsaustausch, eine engere Koordination mit dem Krypto-Verband ADAN sowie eine verbesserte operative Abstimmung vor. Eine bereits etablierte Präventionsplattform und ein Schnellwarnsystem verzeichneten 724 Anmeldungen und führten laut Ministerium bereits zu 200 Festnahmen.
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Branchenexperten wie Jameson Lopp stützen die Beobachtungen; seine Datenbank verzeichnete von Januar bis Juni 2026 insgesamt 46 Einträge zu physischen Angriffen. Als Ursachen für die hohe Fallzahl in Frankreich werden eine besonders aktive Krypto-Szene sowie häufige Datenlecks angeführt.
Laut den Analysten von CertiK gehen die Angreifer methodisch vor und kombinieren Cyber-Intelligence mit Social Engineering und physischer Gewalt. Dabei nutzen sie gezielt Informationen aus Datenlecks und sozialen Medien, um potenzielle Opfer zu identifizieren und auszuspähen.

