Labordigitalisierung: KI-Systeme steigern Effizienz um bis zu 72%

Neue Laborlösungen von Agilent, Invivoscribe und Abcam treffen auf KI-Fortschritte, während Datenintegration als zentrale Hürde bestehen bleibt.

Im Rahmen eines Fach-Webinars mit dem Titel „From Legacy Workflows to Paperless Labs“ hat SciY, ein Geschäftsbereich der Bruker BioSpin Division, am 3. September 2026 neue Ansätze zur digitalen Transformation von Laborumgebungen vorgestellt.

Im Zentrum der Präsentation von Peter Bellstedt standen die Rollen von Labor-Informations- und Management-Systemen (LIMS), Scientific Data Management Systems (SDMS) sowie elektronischen Laborjournalen (ELN).

Ziel der Erörterung war die Implementierung automatisierter Datenerfassung und lückenloser Probenverfolgung, um bestehende, oft papierbasierte Arbeitsabläufe in moderne, digitale Strukturen zu überführen.

Technologische Innovationen in der Labortechnik und Analyse

Parallel zur Debatte über digitale Arbeitsabläufe hat Agilent Technologies am 3. September 2026 eine Erweiterung seines Portfolios in Indien bekannt gegeben. Auf einer Kundenveranstaltung in Mumbai wurden das 9500 Triple Quadrupole ICP-MS sowie die Gaschromatographie-Systeme 8890B und 8860B eingeführt.

Diese Systeme verfügen über Funktionen wie GC Assist und OpenLab Sync LES. Die Geräte sind laut Unternehmensangaben ab sofort auf dem gesamten indischen Markt verfügbar.

Auch im Bereich der Probenvorbereitung gibt es Fortschritte in der Automatisierung. Invivoscribe startete am 3. September 2026 die kommerzielle Auslieferung des PrepQuant-Systems in Nordamerika. Die Anlage automatisiert die Extraktion, Konzentration und Quantifizierung von Nukleinsäuren für MRD-Tests (Minimal Residual Disease).

Eine Markteinführung in Europa wird für den Beginn des Jahres 2027 angestrebt. Ergänzend dazu betonte ein aktuelles Weißbuch zur Digitalisierung von Präzisionswaagen die Bedeutung der Integration solcher Hardware in übergeordnete LIMS- oder ERP-Systeme, um manuelle Übertragungsfehler in Pharma- und Chemielaboren zu minimieren.

KI-gestützte Forschung und Entwicklung

Die Zusammenarbeit zwischen Abcam und Genedata wurde am 3. September 2026 ausgeweitet, um die KI-gestützte Entwicklung von Antikörpern zu beschleunigen. Abcam, das jährlich rund 500 neue Antikörper liefert, setzt hierbei die Plattform Genedata Biologics in seinen Forschungszentren im Vereinigten Königreich, China und den USA ein.

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Anthropic veröffentlichte am selben Tag eine Vorschau auf einen neuen Standard für Hardware-Modelle in KI-gesteuerten Laboren. Erste Testergebnisse verdeutlichen das Potenzial: Bei Experimenten in der Wirkstoffforschung von Genentech sowie bei Bildgebungsverfahren am HHMI Janelia konnten Prozesse, die zuvor Wochen beanspruchten, auf einen einzigen Tag verkürzt werden. Bei der Laserstabilisierung für QuEra wurde zudem eine Verbesserung der Präzision von 58 Prozent auf 99,3 Prozent erzielt.

Effizienzsteigerung durch digitale Orchestrierung

Dass die Digitalisierung bereits heute messbare operative Vorteile bietet, zeigt eine Kooperation zwischen Onymos und Vanta Diagnostics. Durch eine KI-gestützte Laborannahme konnte die operative Effizienz um bis zu 72 Prozent gesteigert werden. Dies ermöglichte eine Kapazitätserweiterung um mehr als 300 Proben pro Tag, was monatlich etwa 6.500 zusätzlichen Analysen entspricht. Die Fehlerquote bei der Datenerfassung sank dabei um 40 Prozent.

In der industriellen Fertigung setzt MT Aerospace seit Anfang September auf das Manufacturing Execution System (MES) COSERA von GROB für die Produktion der Ariane 6. Das System ermöglicht Echtzeit-Transparenz und eine direkte Integration in SAP, wodurch manuelle Prozesse reduziert werden.

In Südkorea investiert das Unternehmen Handok im Jahr 2026 rund 4,2 Milliarden Won in eine KI-Orchestrierungsplattform, die unter anderem einen digitalen Zwilling für die Produktion des Präparats Ketotop umfasst.

Herausforderungen bei der Datenintegration

Trotz des technologischen Fortschritts bestehen weiterhin Hürden bei der Datennutzung. Der Energiekonzern Shell nutzt nach eigenen Angaben derzeit lediglich 1 Prozent der verfügbaren Instrumentendaten. Bei 1.000 installierten Instrumenten fallen etwa 100.000 Metadatenpunkte an.

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Die WIB-Gruppe, zu der neben Shell auch Unternehmen wie ExxonMobil, Cargill, BP und Aramco gehören, plädiert daher in einem neuen Whitepaper für eine stärkere Standardisierung mittels PA-DIM und Wissensgraphen.

Auch Experten auf der Fachmesse ADLM 2026, auf der Waters das Massenspektrometer Xevo TQ Absolute XR IVD vorstellte, wiesen darauf hin, dass oft nicht die Hardware, sondern die mangelnde Integration der Systeme den Return on Investment (ROI) von Automatisierungsprojekten begrenzt. Ein wichtiger Schritt zur Lösung könnte der von LabCollector angekündigte AI Co-Scientist für ELN- und LIMS-Umgebungen sein.