Die Autolackierung steht vor dem größten Umbruch seit der Fließband-Ära. Eine neue Analyse zeigt: Modulare, digitale und klimaneutrale Lackierstraßen werden zum globalen Standard.
Das historisch größte Umweltproblem der Autoproduktion wird zum Vorreiter der Dekarbonisierung. Bislang verursachte die Lackiererei bis zu 65 Prozent der CO2-Emissionen einer Fabrik. Jetzt treibt der Druck zur Klimaneutralität bis 2035 eine technologische Revolution an. Angeführt wird sie von einem Vorzeigeprojekt in Saudi-Arabien, das als weltweit modernste „Lackierstraße der Zukunft“ gilt.
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Das Ende des starren Fließbands
Der klassische, lineare Förderband-Transport gehört der Vergangenheit an. Ersetzt wird er durch modulare Boxen und autonome Transportroboter. Diese modularen Werkstattzellen, wie das EcoProBooth von Dürr, ermöglichen es, Innen- und Außenlackierung in derselben Einheit durchzuführen.
Herzstück dieser Flexibilität sind fahrerlose Transportsysteme. Sie ersetzen starre Förderbänder und bringen Karosserien je nach Bedarf zu spezialisierten Stationen. Diese Modularität erlaubt es Herstellern, neue Modelle schneller zu integrieren und die Produktion skalierbar zu halten. Start-ups können mit wenigen Boxen beginnen, etablierte Konzerne individuelle Sonderwünsche wie Zweiton-Lackierungen parallel abwickeln.
Klimaneutralität durch Elektrifizierung
Nachhaltigkeit ist kein Marketingziel mehr, sondern eine technische Grundanforderung. Konzerne wie Stellantis und BMW melden bereits Fortschritte in ihren „Green Paint Shops“. Stellantis will den Energieverbrauch bis Ende 2025 auf 321 kWh pro Fahrzeug senken.
Zwei Technologien treiben den Wandel voran: die Elektrifizierung der Trockenöfen und die overspray-freie Applikation. Systeme wie EcoInCure heizen Karosserien von innen heraus elektrisch auf. Mit Ökostrom betrieben, wird der Trocknungsprozess so komplett CO2-frei.
Neue Präzisionssysteme wie der EcoPaintJet Pro arbeiten nach dem Tintenstrahlprinzip und treffen mit 100-prozentiger Effizienz. Sie eliminieren das aufwendige Abkleben und reduzieren den Lackverbrauch um mindestens 30 Prozent. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern senkt auch die Materialkosten erheblich.
Die datengetriebene Service-Revolution
Die Lackierstraße der Zukunft denkt mit. Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge ermöglichen vorausschauende Wartung und Echtzeit-Überwachung. Plattformen wie Dürrs DXQ-Produktfamilie werten tausende Datenpunkte aus, um Störungen zu erkennen, bevor sie auftreten.
Die Beziehung zwischen Anlagenbauer und Autohersteller verändert sich fundamental. Service bedeutet nicht mehr nur Reparatur, sondern permanente Optimierung durch Software. ABBs Energy Efficiency Service kann etwa den Energieverbrauch von Robotern um bis zu 30 Prozent senken.
Kontaktlose Messsysteme mit Terahertz-Technologie inspizieren Lackschichten in Echtzeit auf Mikrometer-Ebene. So können Prozesse sofort nachjustiert werden – für gleichbleibende Qualität und weniger teure Nacharbeit.
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Saudi-Arabien setzt den globalen Maßstab
Das Vorzeigeprojket dieser Strategie entsteht in der King Abdullah Economic City. Die Fabrik des ersten saudischen E-Auto-Herstellers CEER lackiert Innen- und Außenbereiche in einer einzigen modularen Box. Vom robotergestützten Transport bis zur elektrischen Abluftreinigung läuft alles vollautomatisch.
„Die Anlage soll einen neuen globalen Maßstab für Effizienz und Nachhaltigkeit setzen“, so CEER-CEO James DeLuca. Sie ermögliche ein Maß an Individualisierung bei Farben und Details, das in der Großserie bisher unmöglich war. Die volle Produktion soll im vierten Quartal 2026 starten.
Der nächste Schritt: Die Kreislaufwirtschaft
Für 2026 und 2027 erwarten Branchenkenner einen Boom bei „Brownfield“-Modernisierungen. Bestehende Lackierstraßen werden mit modularen Komponenten und Elektroöfen nachgerüstet. Die Anfangsinvestition ist zwar höher, doch die langfristigen Einsparungen von 20 bis 30 Prozent bei Energie und Material überzeugen immer mehr Finanzvorstände.
Die nächste Grenze ist die vollständige Integration der Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören das Wiederaufbereiten von Lackierrobotern und der Einsatz von Lacken auf Biomasse-Basis. Die Branche wird genau beobachten, ob der Ansatz von CEER es schafft, das Wachstum der Autoproduktion endlich von ihrer Umweltbilanz zu entkoppeln. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell sich die Hersteller dieser neuen Realität anpassen.




