Lecanemab-Studie: 34 von 130 Plasma-Proteinen verändern sich messbar

Studien untersuchen Blutmarker zur Früherkennung und zeigen Zusammenhänge zwischen Lecanemab-Ansprechen und langsamerem kognitivem Abbau.

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Die medizinische Forschung zur Alzheimer-Erkrankung verzeichnet signifikante Entwicklungen bei der Früherkennung und der therapeutischen Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.

Aktuelle Studiendaten und technologische Innovationen deuten darauf hin, dass spezifische Biomarker im Blut bereits nachweisbar sind, bevor klinische Symptome auftreten. Parallel dazu zeigen neue Behandlungsansätze bei ausgewählten Patientengruppen messbare Erfolge in der Verzögerung kognitiver Verschlechterungen.

Fortschritte in der blutbasierten Biomarker-Diagnostik

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Identifizierung von Alzheimer-Markern im Serum. Das Unternehmen Alzinova schloss Ende September 2026 eine im April 2026 begonnene Zusammenarbeit mit dem Amsterdam UMC ab.

Die beteiligten Wissenschaftler konnten messbare natürliche Antikörper gegen toxische Amyloid-beta-Oligomere im Blutserum nachweisen. Dabei zeigte sich bei Alzheimer-Patienten eine geringere Reaktivität dieser Antikörper im Vergleich zu einer altersgleichen Kontrollgruppe.

Alzinova plant nun, diesen Test auf Basis der proprietären Aβ42CC-Technologie zu optimieren und in einer größeren klinischen Kohorte zu validieren. Zudem werden Partnerschaften, unter anderem mit Fujirebio, für eine breitere Zusammenarbeit geprüft.

Ergänzend dazu veröffentlichte die Washington University School of Medicine im September 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology Ergebnisse einer Studie mit 197 Teilnehmenden im frühen Krankheitsstadium. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurde die Veränderung von 130 Plasma-Proteinen unter der Behandlung mit Lecanemab-Infusionen untersucht.

Bei 34 dieser Proteine wurde eine deutliche Veränderung registriert. Einige Proteinmuster korrelierten dabei direkt mit dem in Scans sichtbaren Abbau von Amyloid-Plaques, während andere Muster mit Veränderungen der Gedächtnisleistung und des Denkvermögens in Verbindung gebracht wurden.

Klinische Erkenntnisse zur Krankheitsverzögerung

Die Wirksamkeit moderner Antikörper-Therapien wird zunehmend durch Real-World-Daten gestützt. Eine südkoreanische Studie mit 153 Patienten, die mit Lecanemab behandelt wurden, dokumentierte sinkende p-tau217-Blutwerte. Der stärkste Rückgang dieses Markers trat laut den in Alzheimer’s & Dementia veröffentlichten Analysen zwischen dem dritten und sechsten Behandlungsmonat auf.

Patienten mit einem ausgeprägteren Rückgang der p-tau217-Werte verschlechterten sich auf einer Demenzskala langsamer als jene mit geringeren Veränderungen. Interessanterweise wiesen Patienten mit geringerem Ansprechen auf die Therapie zu Studienbeginn häufiger Bluthochdruck auf (42,3 % gegenüber 10,3 % in der Gruppe mit starkem Rückgang).

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Im Bereich der Behandlung symptomatischer Begleiterscheinungen meldete IGC Pharma am 28. September 2026 den Abschluss der Rekrutierung für die Phase-2-Studie CALMA. In dieser Untersuchung wird der Wirkstoff IGC-AD1 gegen Agitation bei Alzheimer-Demenz an 168 randomisierten Teilnehmenden getestet. Topline-Ergebnisse zu diesem primären Endpunkt werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Alternative Ansätze und neue Marker-Kandidaten

Neben etablierten Amyloid- und Tau-Markern rücken weitere Proteine in den Fokus. Eine im Mai 2026 in Alzheimer’s Research & Therapy veröffentlichte Studie identifizierte erhöhte Werte des Enzyms Meprin-β im Hirngewebe und im Liquor von Patienten. Da die Werte besonders in fortgeschrittenen Krankheitsstadien anstiegen, wird das Enzym als potenzieller Verlaufsmarker untersucht.

Technologische Innovationen kommen auch vom Fraunhofer-IIS. Wie Ende September 2026 berichtet wurde, untersuchten Forscher mittels laserbasierter photoakustischer Spektroskopie Körperabstriche.

Bei einer Pilotstudie mit 24 Personen konnten spezifische Spektralmuster bei Nasenabstrichen zur Unterscheidung zwischen Gesunden und Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Parkinson beitragen. Aufgrund der kleinen Stichprobe ist dieses Verfahren jedoch noch nicht diagnostisch validiert.

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Prävention und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Die Bedeutung der Früherkennung wurde auch auf politischer Ebene diskutiert. In der Abgeordnetenkammer in Rom wurden Ende September 2026 Pläne für das Nationale Präventionsprogramm 2026–2031 vorgestellt. In Italien wird die Zahl der Demenzkranken für das Jahr 2025 auf rund 1,5 Millionen Menschen geschätzt.

Experten wie die Neurologen Stefan Lorenzl und Georg Haber betonten in diesem Zusammenhang, dass beeinflussbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung eine zentrale Rolle in der Prävention spielen.

Während in der Pflege vermehrt auf nicht-medikamentöse Ansätze wie „Erinnerungshaltestellen“ zur Beruhigung von Patienten gesetzt wird, befasst sich die Politik in Belgien mit rechtlichen Fragen am Lebensende.

Justizministerin Annelies Verlinden legte einen Vorschlag vor, der Sterbehilfe bei Demenz unter bestimmten Voraussetzungen auch nach dem Verlust der Einwilligungsfähigkeit ermöglichen soll, sofern eine entsprechende Patientenverfügung vorliegt. Im Jahr 2025 erhielten in Belgien 74 Menschen aufgrund einer kognitiven Störung Sterbehilfe.