Gleich mehrere Anbieter haben in den vergangenen Tagen neue KI-gestützte Plattformen und Automatisierungslösungen vorgestellt. Der Trend geht zu durchgängigen, unternehmensweiten Discovery-Prozessen und dem Einsatz generativer KI in zentralen Arbeitsabläufen.
Automatisierte Discovery und digitale Prozessordner
Briefpoint hat am 13. Juli 2026 mit „Discovery Playbooks“ eine Funktion gestartet, die die Einspruchs- und Antwortstrategien einer Kanzlei erfasst und automatisch auf neue Fälle überträgt. Mehr als 1.000 Kanzleien nutzen das Tool bereits, das in alle bestehenden Tarife integriert wurde.
Ebenfalls am 13. Juli brachte Lateral Data die Version 4.5 seiner Komplettplattform Viewpoint auf den Markt. Sie deckt den gesamten Lebenszyklus von Discovery ab – von der Vorverarbeitung über die Analyse bis zur Produktion. Das Unternehmen verspricht eine zwei- bis fünffach höhere Geschwindigkeit im Vergleich zur Konkurrenz.
Zylpha wiederum präsentierte mit „Zylpha Auto“ eine KI-Lösung für die Erstellung von Gerichtsordnern. Die Software schlägt automatisch Dokumententitel und Daten vor. Nach Angaben des Unternehmens lässt sich der Zeitaufwand für die Ordnererstellung so um rund 20 Prozent reduzieren.
KI-Plattformen für den gesamten Workflow
StrongSuit hat am 9. Juli 2026 die Version 2.0 seiner Plattform gestartet. Sie vereint Recherche, Dokumentenprüfung und Deposition-Analyse in einer Umgebung. Ein KI-Assistent und ein „Matter Portal“ sollen den Fallkontext über den gesamten Prozess hinweg erhalten bleiben.
Einen Tag später, am 14. Juli, veröffentlichte Percipient die Beta-Version von „Certera.AI“. Die kostenlose Plattform ermöglicht Juristen den Blindvergleich verschiedener KI-Modelle. 55 Modelle stehen zur Verfügung, die Performance wird über eine Elo-ähnliche Rangliste verfolgt. Künftig sollen auch APIs verschiedener Legal-Tech-Anbieter integriert werden.
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Ebenfalls am 14. Juli brachte Smokeball die nächste Generation seiner KI „Archie AI“ auf den Markt, während Centari eine Funktion namens „External Views“ einführte. Hintergrund dieser Entwicklungen: Branchenexperten sehen den traditionellen, fallzentrierten Ansatz bei Discovery als zunehmend ineffizient an. Stattdessen setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein kontinuierlicher, unternehmensweiter Ansatz beim Datenmanagement notwendig ist.
Sicherheit, Governance und medizinische Akten
Am 14. Juli 2026 gaben Virtru und Ohalo eine Partnerschaft bekannt. Ihre integrierte Lösung kombiniert Ohalos „Data X-Ray“ mit der Virtru-Datensicherheitsplattform, um sensible unstrukturierte Daten automatisch zu klassifizieren und zu verschlüsseln. Die Lösung unterstützt verschiedene Regulierungsstandards, darunter HIPAA, GDPR und NIST SP 800-171.
Filevine hat sich am 13. Juli mit Codes Health zusammengetan, um KI-gestützte Abrufe von Krankenakten in sein System zu integrieren. Codes Health verspricht eine Bearbeitungszeit von 10 bis 12 Tagen – der Branchendurchschnitt liegt bei 45 bis 90 Tagen. Der Markt für medizinische Aktenabrufe wurde 2024 auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt und soll bis 2034 auf 2,8 Milliarden Euro wachsen.
Internationale Expansion und Produktivitätssprünge
Reveal hat am 14. Juli sein Partnerprogramm auf die EMEA-Region ausgeweitet. Es ist die bislang größte europäische Investition des Unternehmens. Das Programm bietet gestaffelten Zugang zu Schulungen und Zertifizierungen, unterstützt durch private Bereitstellungsoptionen und die Integration von Logikcull und Onna.
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Die Produktivitätsgewinne durch KI werden in der Branche immer deutlicher. Litera-CTO Greg Ingino berichtete am 14. Juli, dass die F&E-Produktivität seines Unternehmens in den letzten zwölf Monaten um das Doppelte gestiegen sei. Der Output pro Ingenieur habe sich verdreifacht. KI unterstütze inzwischen 70 Prozent der Pull-Requests und steuere 57 Prozent des Codes bei.
Ein weiteres Zeichen für das Wachstum der Branche: Norm Ai hat kürzlich 120 Millionen Euro in einer Series-C-Finanzierungsrunde eingesammelt. Die Bewertung des Unternehmens liegt nun bei 1,2 Milliarden Euro. Auch personell wächst die Branche: Supio hat Melissa Graham in die Führungsriege geholt.

