Das Technologie-Startup Legato hat seine KI-gestützten Hörbrillen unter dem Namen Legato Frames offiziell für den Verkauf in den USA freigegeben. Das Produkt richtet sich an Erwachsene mit leichtem bis mittlerem Hörverlust und ist als rezeptfreies Hilfsmittel über die Kategorie der sogenannten Over-the-Counter-Hörgeräte durch die US-Arzneimittelbehörde FDA reguliert. Die Brillen kombinieren herkömmliche Sehhilfen mit integrierter Hörtechnik, die vollständig in den Brillenbügeln verbaut ist.
Integrierte Sprachfilterung und Open-Ear-Akustik
Kernstück der Brille ist eine Software namens SpeechSense, die mithilfe künstlicher Intelligenz Sprache von störenden Hintergrundgeräuschen in Echtzeit trennt. Die Verarbeitung dieser Audiosignale erfolgt direkt auf dem Gerät. Zum Schutz der Privatsphäre verzichtet das System vollständig auf integrierte Kameras oder Audioaufnahmen.
Für die Tonausgabe setzt Legato auf ein Open-Ear-Design mit dualen Lautsprechern. Laut Unternehmensangaben verringert diese Bauweise austretenden Schall wenige Zoll vom Ohr entfernt um 99 Prozent, sodass Umstehende Gespräche oder Töne kaum wahrnehmen sollen.
Unabhängige Tests zur tatsächlichen Sprachklarheit, zur Dämpfung von Schallaustritten sowie zur praktischen Alltagsleistung der Brille liegen Berichten zufolge bislang jedoch nur in begrenztem Umfang vor.
Das Gewicht der Brille liegt inklusive Gläsern bei 34 Gramm. Die Akkulaufzeit gibt das Unternehmen mit 10 bis 12 Stunden an. Über eine Bluetooth-Schnittstelle lässt sich das Gerät mit iPhone- und Android-Smartphones koppeln.
Modellvarianten, Preise und Vertriebswege
Legato bietet das Hilfsmittel in drei Ausführungen an, die jeweils mit Pentax-Gläsern ausgestattet sind und mit individuellen Sehstärken versehen werden können. Die Modelle Symphony und Harmony aus Acetat starten preislich bei 999 US-Dollar. Für die Variante Aria, die als Acetat-Metall-Browline gefertigt ist, veranschlagt das Unternehmen einen Einstiegspreis von 1.099 US-Dollar.
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Der Vertrieb erfolgt über die unternehmenseigene Internetseite sowie über ausgewählte Augenoptikerbetriebe in den Vereinigten Staaten. In vielen Fällen werden die Kosten dabei über spezifische US-Sehhilfenversicherungen abgedeckt. Die Auslieferung umfasst zudem ein 45-tägiges Rückgaberecht mit voller Geld-zurück-Garantie sowie einen kostenlosen, lebenslangen Kundensupport durch US-amerikanische Audiologen.
Marktumfeld und Branchenerfahrung der Gründer
Gegründet wurde Legato im Jahr 2024 von Mehul Trivedi, der zuvor an den Audiobrillen Bose Frames sowie an der Entwicklung der gemeinsam von EssilorLuxottica und Meta konzipierten Ray-Ban-Brillen beteiligt war, und Steve Romine, der Führungsrollen bei den Bose-Hörgeräten sowie als operativer Leiter beim Anbieter Audicus innehatte.
Das Unternehmen schloss im August 2026 eine Finanzierungsrunde über 12 Millionen US-Dollar ab, angeführt von den Wagniskapitalgebern Neotribe Ventures, Listen und Village Global, und startete den regulären Verkauf nur wenige Wochen nach dem Verlassen der Stealth-Phase.
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Mit der Kombination aus Brille und Hörverstärkung adressiert das Unternehmen ein weit verbreitetes Versorgungsproblem: Weltweit leben rund 1,5 Milliarden Menschen mit einer Form von Hörverlust. In den USA sind schätzungsweise 50 Millionen Erwachsene von diagnostizierten Hörschäden betroffen, allerdings nutzen 80 Prozent der Hilfebedürftigen keine klassischen Hörgeräte.
Eine im Lancet-Demenz-Bericht von 2024 angeführte Meta-Analyse auf Basis von acht Langzeitstudien mit insgesamt 126.000 Personen legt dar, dass die konsequente Nutzung von Hörhilfen mit einem fast 20 Prozent geringeren Risiko für kognitiven Abbau und einem um 17 Prozent reduzierten Demenzrisiko einhergeht.

