LG Electronics greift mit einem neuen MiniLED-Kunstfernseher den Lifestyle-Marktführer Samsung direkt an. Auf der CES 2026 stellte der südkoreanische Konzern die LG Gallery TV vor – eine speziell für digitale Kunst konzipierte Matte-Display-Serie, die sich nahtlos in die Wohnraumgestaltung einfügen soll.
Strategischer Schwenk: Vom OLED-Kino zum Lifestyle-Bildschirm
Mit der Gallery TV vollzieht LG einen strategischen Schwenk. Statt auf die hauseigene OLED-Technologie setzt das Unternehmen für diese Serie auf ein matte MiniLED-Display. Der Grund ist pragmatisch: MiniLEDs sind weniger anfällig für Einbrenneffekte bei statischen Bildern – ein entscheidender Vorteil, wenn der Fernseher stundenlang als digitaler Bilderrahmen dient. Ein spezieller matte Bildschirm reduziert zudem störende Reflexionen und schafft so die Illusion einer echten Leinwand.
Das Design ist auf maximale Integration ausgelegt. Der Fernseher lässt sich mit einem Flush-Mount-System weniger als drei Zentimeter von der Wand montieren. Zusätzlich bietet LG magnetische Wechselrahmen in verschiedenen Stilen an, die sich an den Bildschirm schnappen lassen. Erhältlich sind zunächst die beiden gängigsten Lifestyle-Größen: 55 und 65 Zoll.
Die Software als entscheidender Unterschied: Gallery+ und KI-Kunst
Die wahre Stärke des neuen Geräts soll jedoch im Ökosystem liegen. Der integrierte Gallery Mode wurde in Zusammenarbeit mit Museumskuratoren entwickelt, um Farben und Texturen von Kunstwerken originalgetreu wiederzugeben. Herzstück ist der Abo-Dienst LG Gallery+, der Zugang zu über 4.500 Werken bietet – von klassischer Kunst bis zu digitalen Zeitgenossen.
Ein klarer Trendbezug ist die Integration von generativer KI. Nutzer können damit eigene, einzigartige Kunstwerke erstellen oder persönliche Fotos stylen. Die Berechnungen laufen lokal auf dem Alpha 7 AI-Prozessor ab. Derselbe Chip steuert auch „AI Sound Pro“, ein virtuelles 9.1.2-Kanal-Soundsystem, das auf externe Lautsprecher verzichtet – ganz im Sinne des drahtlosen, cleanen Designs.
Kampf um die Wohnzimmerwand: LG greift Samsung direkt an
Die Einführung ist eine direkte Antwort auf den anhaltenden Erfolg von Samsungs „The Frame“, das seit 2017 millionenfach verkauft wurde. LG signalisiert damit, den Lifestyle-Sektor als eigene, wichtige Säule im TV-Geschäft zu betrachten. Der Markt wird enger: Neben Samsung sind bereits Hersteller wie TCL (NXTFRAME) und Hisense (CanvasTV) mit ähnlichen Konzepten aktiv.
Die Entscheidung für MiniLED ist technisch bedeutsam. Zwar bietet OLED einen besseren Kontrast, doch die organischen Materialien altern bei Dauerbelastung mit statischen Inhalten schneller. Mit MiniLED bietet LG einen „sorgenfreien“ Kunstmodus, der dennoch bessere Werte als Standard-LED-Panels liefert. Der Kampf findet nicht mehr nur auf der Spezifikationsliste, sondern um die Authentizität des Kunsterlebnisses statt.
Verfügbarkeit und Ausblick: Der Erfolg hängt am Abo-Modell
Die LG Gallery TV soll im ersten Halbjahr 2026 weltweit auf den Markt kommen. Die Preise wurden auf der Messe nicht final bestätigt, doch Branchenkreise erwarten für das 55-Zoll-Modell etwa 1.499 Euro und für die 65-Zoll-Variante rund 1.999 Euro. Damit positioniert sich LG direkt in der Premium-Liga des Wettbewerbs.
Langfristig wird der Erfolg stark vom Abo-Dienst Gallery+ abhängen. Da die Margen bei der Hardware schrumpfen, setzen Hersteller zunehmend auf wiederkehrende Einnahmequellen. Kann LG die Nutzer von seinem kuratierten Kunstangebot und den KI-Funktionen überzeugen, könnte die Gallery TV zu einem bedeutenden Umsatzträger werden. Der Kampf um die schönste Wohnzimmerwand ist eröffnet.





