Im September 2026 haben Sicherheitsforscher von Gamers Nexus und Level1Techs neue Erkenntnisse über die Datenerfassungspraktiken von LG-Smart-TVs veröffentlicht. Die Analyse von Firmware und Netzwerkprotokollen deutet darauf hin, dass die Hardware das lokale Netzwerk (LAN) systematisch nach weiteren Geräten im Haushalt scannt und diese Informationen für Werbezwecke aufbereitet.
Systematische Erfassung von Netzwerk- und Umgebungsdaten
Laut dem Untersuchungsbericht erfassen die LG OLED-Modelle eine Vielzahl an Informationen über die digitale Infrastruktur der Nutzer. Dazu gehören IP-Adressen, Standortdaten sowie Namen, Signalstärken und Kanäle benachbarter WLAN-Netzwerke.
Besonders brisant ist laut den Forschern die Identifizierung fremder Geräte im selben Subnetz. In Tests wurde ein LG G5 OLED (Modell OLED65G3PUA) mit einem Listenpreis ab $2.500 untersucht, das dutzende Endgeräte wie Smartphones, Smartwatches, Drucker, Router, Thermostate und PCs im Netzwerk listete.
Die gesammelten Daten werden nach Angaben der Forscher an die Abteilung LG Ad Solutions übermittelt. Diese Werbesparte verfügt laut eigenen Angaben über Zugriff auf rund 363 Mio. adressierbare Sekundärgeräte in den USA. Allein in diesem Markt seien etwa 49 Mio. Fernseher mit dem Betriebssystem webOS im Einsatz.
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Kontroversen um Audioaufzeichnungen und Sicherheitslücken
Ein weiterer Fokus der Untersuchung, die in einem 135 Minuten langen Bericht veröffentlicht wurde, liegt auf der Audio-Verarbeitung. Die Forscher gaben an, dass Mikrofone in den Geräten oder Fernbedienungen Audiodaten im Standby-Modus oder bei ausgeschaltetem Display erfassen könnten.
Die Aufzeichnungen erfolgten demnach bis zu 15 Sekunden nach dem Ende eines Gesprächs und würden lokal als Klartext gespeichert, um bei einer bestehenden Internetverbindung hochgeladen zu werden.
Zudem wurden in webOS Sicherheitslücken für die Fernausführung von Code (Remote Code Execution, RCE) gemeldet. Die Kombination aus diesen Schwachstellen und der ACR-Funktion (Automatic Content Recognition) könnte die Geräte laut dem Bericht in die Lage versetzen, als verdeckte Abhörwerkzeuge zu fungieren.
ACR erkennt Bildschirminhalte über sämtliche Eingänge, einschließlich HDMI, USB, optischer Anschlüsse sowie klassischer Kabel- und Satellitenverbindungen.
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Stellungnahme des Herstellers und Branchenkontext
LG wies die Spionagevorwürfe im September 2026 als unwahr zurück. Das Unternehmen erklärte, dass Sprachdaten nur dann erfasst würden, wenn die entsprechende Taste auf der Fernbedienung gedrückt werde oder das Aktivierungswort falle. Eine allgemeine Aufzeichnung von Umgebungsgesprächen finde nicht statt. Den Scan des lokalen Netzwerks bestätigte LG hingegen als Standardfunktion der Branche, die der besseren Geräteerkennung diene.
Nach Angaben von LG ist die ACR-Funktion, die seit 2022 in 27 Ländern im Einsatz ist, ein Opt-in-Verfahren. Ohne explizite Zustimmung würden diese Daten nicht für personalisierte Werbung genutzt. Zu den Vorwürfen bezüglich unverschlüsselter Sprachbefehle oder lokaler Klartext-Transkripte äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht direkt, betonte jedoch, dass Funktionen wie „Live Plus“ oder das Ad-Tracking vom Nutzer deaktiviert werden könnten.
Die Untersuchung weist darauf hin, dass die Ergebnisse auf Stichproben in einer bestimmten Region und mit spezifischer Firmware basieren. Dennoch raten die beteiligten Sicherheitsforscher dazu, Smart-TVs bei Bedenken vollständig vom Internet zu trennen.
Die Thematik der Datenerfassung bei Fernsehgeräten ist nicht neu: Bereits 2017 zahlte der Hersteller Vizio im Rahmen eines Vergleichs mit der US-Handelsbehörde FTC $2,2 Mio. wegen der Erfassung von Daten bei 11 Mio. Geräten.
Im März 2026 erzielte zudem Samsung einen Vergleich in einem ähnlichen Verfahren im US-Bundesstaat Texas. LG selbst war erst im Juli 2026 in die Kritik geraten, als Berichte über die Installation von Adware auf Monitoren des Herstellers bekannt wurden.

