Die Computer-Messe Computex in Taipeh hat gezeigt, wohin die Reise in der Hardware-Branche geht: Intel verspricht mit einem neuen Sockel endlich wieder Plattform-Stabilität, während die Energiehunger von KI-Chips und Grafikkarten neue Stromstandards erzwingen.
Intel LGA 1954: Ein Sockel für mehrere Generationen
Intel reagiert auf die Kritik an zu kurzen Sockel-Lebenszyklen. Der neue LGA 1954 soll mehrere Prozessorgenerationen unterstützen – ein Novum für den Chipriesen. Konkret plant Intel, sowohl die Nova-Lake-Architektur (zweite Jahreshälfte 2026) als auch den Nachfolger Razor Lake (2027) auf dem Sockel zu betreiben.
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Ein 64-Megabyte-BIOS-Chip soll dabei die Kompatibilität auch für spätere Generationen sichern. Intel-Vizepräsident Robert Hallock hatte bereits im März 2026 eine Mehr-Generationen-Strategie angedeutet. Der LGA 1954 löst den kurzlebigen LGA 1851 ab, der nur Arrow Lake und einige Meteor-Lake-Varianten beherbergte.
Parallel treibt Intel die 18A-Fertigung voran. Auf der Messe bestätigte das Unternehmen, dass die Core-Ultra-Series-3-Prozessoren bereits in über 325 Laptop- und PC-Designs verbaut werden.
Crescent Island: Intels Antwort auf Nvidias HBM-Dominanz
Mit der „Crescent Island“-GPU (Architektur: Xe3P) zielt Intel auf den KI-Markt. Der Chip setzt nicht auf teuren HBM-Speicher, sondern auf 480 Gigabyte LPDDR5X – und das bei einer thermischen Verlustleistung von 350 Watt. Die Kühlung erfolgt per Luft, was die Betriebskosten senkt.
Intel peilt den Marktstart für die zweite Jahreshälfte 2026 an. Das Timing ist kein Zufall: Bei sogenannten „Agentic AI“-Workloads verschiebt sich das Verhältnis von CPUs zu GPUs hin zu ausgewogeneren Konfigurationen – ein Feld, auf dem Intel mit seiner Kombination aus eigener CPU und GPU punkten will.
Im Rechenzentrum präsentierte Intel den Xeon 6+, ebenfalls im 18A-Verfahren gefertigt. Mit 288 E-Kernen und 576 Megabyte L3-Cache soll er Orchestrierungsaufgaben in verteilten KI-Umgebungen bis zu 2,5-mal schneller erledigen als die Vorgängergeneration.
48 Volt: Die neue Stromsprache für High-End-Hardware
Die Leistungsaufnahme moderner Hardware sprengt alle bisherigen Dimensionen. ASUS zeigte auf der Computex eine modifizierte RTX 5090 „Astral“, die über ein 48-Volt-System versorgt wurde. Das Ergebnis: Spitzenwerte von über 1000 Watt.
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Der Vorteil der höheren Spannung liegt auf der Hand: Statt 50 Ampere bei 12 Volt fließen nur noch rund 20,8 Ampere. Das reduziert die Wärmeentwicklung in Steckern und Kabeln enorm – ein Bereich, der bei aktuellen High-End-Karten immer wieder für Ausfälle sorgt. ASUS entwickelt bereits Netzteile, die automatisch zwischen 12 und 48 Volt umschalten können.
Rechenzentren am Limit: Wenn der Strom knapper wird als die Chips
Der Trend zur Höchstspannung setzt sich im Rechenzentrum fort. Branchengrößen wie Elon Musk warnen bereits: Bald könnten mehr KI-Chips verfügbar sein, als die Stromnetze versorgen können.
Nvidias kommende Rubin-Architektur (2026) wird pro Rack schätzungsweise 300 Kilowatt benötigen – künftige Designs könnten sogar die Megawatt-Marke pro Rack knacken. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Vier-Personen-Haushalt verbraucht im ganzen Jahr etwa 4.000 Kilowattstunden.
Um die Verluste in den Griff zu bekommen, setzen Firmen wie Delta Electronics auf 800-Volt-Gleichstromsysteme und Flüssigkeitskühlung. Die Technologie soll die Übertragungsverluste von bis zu 33 Prozent auf unter ein Prozent drücken und die Kühleffizienz um 15 Prozent verbessern. Delta verspricht zudem, dass modulare KI-Rechenzentren die Bauzeit um 60 Prozent verkürzen und bis zu 1,1 Megawatt pro Rack bewältigen können.

