Das quelloffene Firmware-Projekt Libreboot hat am 15. Oktober 2026 die neue Version 26.10 mit dem Codenamen „Ominous Olive“ freigegeben. Die Veröffentlichung erfolgt acht Monate nach der vorherigen Version 26.01 und führt eine umfassende UEFI-Unterstützung ein. Insgesamt listet das Projekt nun eine Kompatibilität für 239 verschiedene Hardware-Geräte.
EDK2 wird Standard auf 64-Bit-Systemen
Mit der neuen Version wird EDK2 UEFI zum Standard-Payload auf nahezu allen unterstützten 64-Bit-Systemen. Die zugrunde liegende UEFI-Implementierung stammt aus dem MrChromebox-Projekt und wird als Coreboot-Payload ausgeführt. Auf x86-Systemen löst EDK2 damit den bisherigen U-Boot-Payload ab, während U-Boot auf ARM64-Chromebooks weiterhin erhalten bleibt.
EFI-Builds von GRUB und SeaBIOS stehen zur Wahrung der Rückwärtskompatibilität weiterhin bereit und lassen sich im EDK2-Bootmenü über die ESC-Taste ansteuern. Die bisherigen eigenständigen Bare-Metal-Payloads von GRUB und SeaBIOS stuft das Projekt auf den meisten Systemen als veraltet ein; lediglich ältere 32-Bit-Rechner nutzen sie weiterhin.
Der UEFI-Start wurde laut Projektangaben erfolgreich mit Windows 10 und 11, Linux über UKI und systemd-boot, FreeBSD, OpenBSD mit EFI und GPT sowie mit RedoxOS und 9front getestet. ReactOS lässt sich hingegen nicht starten, da dem Betriebssystem eine UEFI-Unterstützung fehlt.
Zudem bringt der EDK2-Payload Relocatable BAR (ReBAR) für PCIe mit, was Probleme bei Grafikkarten mit mehr als 4 GB VRAM behebt. Wegen Komplikationen mit libgfxinit auf Systemen mit Intel-Grafik ist die Funktion standardmäßig deaktiviert.
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Breitere Hardware-Basis und Chromebook-Erweiterung
Das Projekt hat 233 Konfigurationen für Chromebook-Boards mit Intel- und AMD-Prozessoren aus dem MrChromebox-Projekt importiert, das weiterhin als Upstream für diese Geräte fungiert. Laut den Veröffentlichungshinweisen wurde bislang nur das Baytrail-Gerät „Kip“ praktisch erprobt.
Sämtliche übrigen Chromebook-Boards gelten als ungetestet und werden ausschließlich als Quellcode ohne vorgefertigte Binärdateien bereitgestellt, sodass Nutzer sie selbst kompilieren müssen.
Darüber hinaus umfasst der Release Unterstützung für weitere Geräte, darunter Samsung Lumpy und Stumpy, die Lenovo-Modelle ThinkPad X301, X270 und X280 sowie Desktop-Systeme wie Dell OptiPlex 5050 SFF und 3040 Micro. Ebenfalls neu unterstützt werden das Server-Mainboard Supermicro X11SSH-F sowie neun Editionen der Purism-Librem-Reihe (13, 14, 15 und Mini).
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Für AMD-Fam15h-Systeme wie das Asus KGPE-D16 wechselt Libreboot zum Coreboot-Fork von 15h.org mit AMD AGESA. Dies sorgt für eine zuverlässigere Initialisierung von Prozessor und Arbeitsspeicher, ermöglicht mehr Arbeitsspeicher und behebt Fehler im Zusammenhang mit IOMMU sowie TPM.
Technische Anpassungen und Projektrichtlinie
Die Intel Management Engine (ME) bleibt durch das gesetzte HAP-Bit standardmäßig abgeschaltet. Durch angepasste Rechte im Intel Flash Descriptor und modifikationen an den Pins lassen sich auf Kaby-Lake-Boards nun Prozessoren mit sechs oder acht Kernen betreiben.
Das Release integriert zudem CSMWrap, MemTest86+ innerhalb von EDK2, Unterstützung für SMMSTORE zum Speichern von Boot-Einstellungen ohne erneutes Flashen sowie iPXE für den Netzwerkstart. Bei Nutzung von CSMWrap steht Linux-Systemen allerdings ein Prozessorkern weniger zur Verfügung.
Zu den Softwarekomponenten gehören Coreboot in der Revision vom 18. September 2026, EDK2 26.09.2, GRUB 2.16, SeaBIOS vom 28. Juli 2026 sowie Flashprog aus dem September 2026. Das EDK2-Menü nutzt standardmäßig eine britische Tastaturbelegung ohne Auswahlmenü, während GRUB um ein dänisches Tastaturlayout ergänzt wurde. Als neue Build-Abhängigkeit kommt ImageMagick hinzu.
Projektleiterin Leah Rowe ergänzte die Datei AGENTS.md zudem um eine Richtlinie, die den Einsatz künstlicher Intelligenz innerhalb des Projekts untersagt, und hob diesen Schritt als eine der zentralen Neuerungen der Version hervor.

