Doch die Aufregung um die Konkurrenz-Suite Euro-Office überschattet die Veröffentlichung.
Die Entwickler von LibreOffice haben in einer nächtlichen Testversion vom 12. Juni 2026 eine optische Überarbeitung der sogenannten „Tabbed UI“ vorgestellt. Das Ribbon-Menü lässt sich künftig mit einer Hintergrundfarbe versehen – standardmäßig in Blau, aber individuell anpassbar. Während die Funktion unter Windows und Linux bereits aktiv ist, bleibt sie für die macOS-Version vorerst deaktiviert. Der breite Rollout ist für August 2026 mit der Version LibreOffice 26.8 geplant.
Der Streit um Euro-Office: Format-Krieg entbrannt
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Der optische Refresh kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Denn seit dem 9. Juni 2026 sorgt der Launch von Euro-Office 1.0 für hitzige Debatten in der Open-Source-Community. Entwickelt von einem Konsortium um Nextcloud und IONOS, versteht sich Euro-Office als Werkzeug für Europas digitale Souveränität. Doch die The Document Foundation (TDF) hat einen offenen Brief veröffentlicht: Sie wirft der neuen Suite vor, als „Partner“ Microsofts Dokumenten-Dominanz zu zementieren.
Im Zentrum des Konflikts steht das Dateiformat. TDF-Mitbegründer Italo Vignoli kritisiert scharf, dass Euro-Office standardmäßig auf Microsofts proprietäres OOXML-Format setzt. Die Stiftung pocht auf das offene OpenDocument-Format (ODF) als einzig wahre Grundlage für digitale Unabhängigkeit.
Die Befürworter von Euro-Office verteidigen den Schritt als pragmatisch: Man wolle die Kompatibilität mit bestehenden Unternehmensumgebungen sicherstellen. Die Suite basiert auf OnlyOffice und priorisiert zunächst OOXML – eine verbesserte ODF-Unterstützung sei jedoch fest eingeplant.
Trotz der Kontroversen verzeichnet Euro-Office einen rasanten Start: Über 80.000 Downloads in der ersten Woche. Die Stadt München plant bereits, bis Anfang 2027 rund 5.000 Mitarbeiter auf die neue Software umzustellen. Ein Förderpaket in Höhe von 12 Millionen Euro stützt das Projekt.
Technische Analyse sorgt für zusätzliche Diskussionen
Eine am 11. Juni veröffentlichte technische Analyse heizt die Debatte weiter an. Der Bericht von Cybernews zeigt: Euro-Office, das auf OnlyOffice 9.3.1 basiert, besteht zu fast 99 Prozent aus Code von Entwicklern in russischen Zeitzonen. Konkret stammen 98,6 Prozent des Dokumenten-Moduls und 99,2 Prozent des Live-Service-Codes von dort – nur 0,5 Prozent der Beiträge sind europäischen Ursprungs.
Das Euro-Office-Team bezeichnet den Fork als notwendigen Schritt und kündigt an, den Code schrittweise zu bereinigen. Branchenanalysten raten jedoch, die aktuelle Version eher als technische Vorschau denn als vollständig produktionsreife Suite zu betrachten.
Nextcloud Hub 26: Zehn Jahre und zwei Office-Optionen
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Die Verschiebungen in der europäischen Softwarelandschaft wurden am 10. Juni mit der Veröffentlichung von Nextcloud Hub 26 Spring weiter untermauert. Zum zehnjährigen Firmenjubiläum können Nutzer nun zwischen zwei Office-Suiten wählen: dem LibreOffice-basierten Collabora Online oder dem neuen Euro-Office Online.
Die aktualisierte Plattform bringt zudem erweiterte Governance-Funktionen wie Sensitivitätskennzeichnungen und ein Compliance-Management mit. Auch KI-Assistenten wurden ausgebaut – konform mit dem EU AI Act.
Der Markt für Open-Source-Produktivitätstools wird also zunehmend voller. Doch der schwelende „Format-Krieg“ zeigt: Die technische Definition digitaler Souveränität bleibt ein tiefes Zerwürfnis zwischen etablierten Stiftungen und neuen europäischen Konsortien.

