Die Open-Source-Branche erlebt einen bemerkenswerten Schub. Gleich mehrere Projekte melden Rekordzahlen bei Entwickleraktivitäten und positionieren sich als ernsthafte Alternativen zu US-amerikanischen Cloud-Diensten. Im Zentrum steht dabei ein Thema: digitale Souveränität.
LibreOffice: 309 Entwickler in zwölf Monaten
Die Document Foundation hat am Dienstag ihren Quartalsbericht vorgelegt – und die Zahlen können sich sehen lassen. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 haben insgesamt 309 Entwickler am Quellcode von LibreOffice mitgearbeitet. Davon waren 238 ehrenamtliche Helfer, 60 kamen von acht verschiedenen Unternehmen aus dem Ökosystem.
Die Gemeinschaft hat im selben Zeitraum 11.464 neue Code-Änderungen eingebracht. Die positive Entwicklung bei Spenden und Downloads aus dem Frühjahr 2025 hat sich demnach bis ins erste Halbjahr 2026 fortgesetzt. Aktuell läuft die stabile Version 26.2.4, die unter anderem Sicherheitslücken beim Import von Präsentationen schließt. Schon im August soll der Nachfolger LibreOffice 26.8 erscheinen.
Collabora Online: Zehn Jahre mit Fokus auf Datenschutz
Ebenfalls am Mittwoch hat Collabora Online sein zehnjähriges Bestehen gefeiert – und pünktlich zum Jubiläum das Update 26.04 veröffentlicht. Der Anbieter setzt weiterhin auf Datenhoheit als zentrales Verkaufsargument. Vor allem Behörden und Unternehmen mit sensiblen Daten sollen von der lokalen Kontrolle profitieren.
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Die neue Version integriert verbesserte KI-Funktionen, bleibt aber dem Open-Source-Gedanken treu. Mehr als 19.000 Code-Änderungen haben die letzten drei Hauptversionen hervorgebracht. Seit November 2025 gibt es zudem eine native Desktop-App, die nahtloses Arbeiten zwischen Online-Kollaboration und Offline-Betrieb auf Windows, macOS und Linux ermöglicht.
Euro-Office: Europäische Antwort auf Microsoft
Seit dem 9. Juni 2026 mischt ein neuer Player den Markt auf: Euro-Office. Die europäisch finanzierte Initiative setzt auf einen Fork der ONLYOFFICE-Software und wird von einem Bündnis aus IONOS und Nextcloud getragen. Das Ziel: eine souveräne Alternative zu den Office-Plattformen aus den USA.
Doch der Start verlief nicht ganz reibungslos. Die Document Foundation kritisierte im Juni, dass Euro-Office auf Microsofts OOXML-Format setzt statt auf das offene ODF-Format. Aus Sicht der Stiftung ist das ein Rückschritt für die langfristige digitale Unabhängigkeit.
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ONLYOFFICE: Neue Freiheiten für die Community
Parallel dazu hat ONLYOFFICE sein Lizenzmodell grundlegend überarbeitet. Mit Version 9.4 fiel die bisherige Beschränkung auf 20 gleichzeitige Verbindungen in der Community Edition ersatzlos weg. Die Architektur wurde auf ein Einzelprozess-Modell umgestellt – das macht die Software nach Angaben der Entwickler leichter und effizienter für den Eigenbetrieb.
Auch bei den KI-Funktionen gibt es Neuerungen: Im Juli 2026 kamen erweiterte Plugins für Grammatikprüfung und automatisierte Textgenerierung hinzu. Der Wettbewerb um die Büros der Zukunft bleibt also spannend – und europäische Alternativen sind längst mehr als nur eine Nische.

