LibreOffice Calc: Neue Python-Funktion 40-mal schneller

LibreOffice erhält eine leistungsstarke Python-Integration für Calc. Parallel formiert sich ein europäisches Bündnis gegen Microsofts Office-Dominanz.

Die Open-Source-Suite LibreOffice rüstet auf: Eine neue Python-Funktion macht die Tabellenkalkulation zur Datenanalyse-Waffe. Zeitgleich formiert sich ein europäisches Bündnis gegen die Dominanz von Microsoft Office.

Turbo für Zahlen: So schnell war Calc noch nie

Die Entwickler von LibreOffice haben am gestrigen Mittwoch ein bedeutendes Update für die Tabellenkalkulation Calc veröffentlicht. Herzstück ist die neue Funktion =PYTHON(), die eine direkte Anbindung an externe Python-Umgebungen ermöglicht. Statt eines eingebetteten Interpreters setzt das Team auf einen externen Subprozess – ein Schritt, der vor allem die Stabilität verbessern soll.

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Die Zahlen, die dabei erreicht werden, können sich sehen lassen: Dank einer Cython-optimierten Serialisierung verarbeitet das System 100.000 Zahlen in nur 1,3 Millisekunden. Zum Vergleich: Die bisher übliche JSON-Serialisierung benötigt dafür 50 Millisekunden, selbst das etablierte Pickle-Format liegt mit 12 Millisekunden noch deutlich zurück. Der neue Ansatz ist also rund 40-mal schneller als die JSON-Variante.

Unterstützt werden gängige Data-Science-Bibliotheken wie NumPy und pandas. Wer komplexere Code-Aufgaben direkt im Spreadsheet erledigen will, profitiert zudem vom integrierten Monaco-Editor und einem gemeinsamen Kernel.

Euro-Office: Die Allianz der europäischen Tech-Schwergewichte

Die technischen Neuerungen bei LibreOffice sind kein Zufall. Sie fallen in eine Phase, in der europäische Unternehmen verstärkt auf digitale Souveränität setzen. Bereits am Dienstag gab der deutsche E-Mail- und Kalenderanbieter Tuta seinen Beitritt zur Euro-Office-Koalition bekannt.

Dieses Bündnis – mit dabei sind unter anderem IONOS, Nextcloud, OpenProject und XWiki – entwickelt eine Microsoft-kompatible Bürosuite unter europäischer Kontrolle. Basis ist ein AGPL-lizenzierter Fork von ONLYOFFICE, der Echtzeit-Kollaboration bei der Dokumentenbearbeitung ermöglicht.

Der offizielle Start ist für den 9. Juni 2026 geplant. Weitere Partner wie Proton, Soverin, EuroStack, BTactic und Open-Xchange sind mit an Bord. Noch nicht endgültig geklärt ist die Frage nach dem nativen Dateiformat: Die Diskussion zwischen dem offenen OpenDocument-Format (ODF) und dem Microsoft-dominierten Office Open XML (OOXML) dauert an.

2 Milliarden Euro für Open Source: Die EU zieht die Zügel an

Hinter diesen Entwicklungen steht ein massives politisches Signal aus Brüssel. Am Dienstag stellte die Europäische Kommission das „Europäische Paket für technologische Souveränität“ vor. Kernstück ist eine Open-Source-Strategie mit einem Budget von rund zwei Milliarden Euro über sieben Jahre.

Das Prinzip: Öffentliche Gelder für öffentlichen Code. Die öffentliche Verwaltung soll künftig bevorzugt auf Open-Source-Lösungen setzen, um die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern zu reduzieren. Für deutsche Unternehmen und Behörden könnte das weitreichende Folgen haben – weg von Microsoft, hin zu Lösungen wie LibreOffice oder Euro-Office.

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Erste konkrete Schritte sind bereits sichtbar: Seit gestern nutzt das Europäische Parlament für seine 720 Abgeordneten und Mitarbeiter standardmäßig die datenschutzorientierte Suchmaschine Qwant. Frankreich hat zudem angekündigt, bis April 2027 komplett auf Linux umzustellen und etablierte Kommunikationsplattformen durch heimische Alternativen wie Visio zu ersetzen.

Cloud und Chips: Die zweite Säule der Strategie

Das EU-Paket enthält zwei weitere gewichtige Komponenten. Der Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Parallel dazu wird das Chips Act überarbeitet, um die heimische Mikrochipproduktion zu stärken.

Analysten schätzen, dass allein durch private Investitionen bis 2036 bis zu 200 Milliarden Euro in die europäische Datenzentrum-Infrastruktur fließen könnten. Ein klares Signal: Europa will nicht länger nur Konsument digitaler Technologien sein, sondern aktiver Gestalter werden.