In der europäischen Verwaltungslandschaft gewinnt die Debatte um digitale Souveränität und die Unabhängigkeit von US-amerikanischen Software-Konzernen an Dynamik. Während einige Regionen bereits weitreichende Umstellungen auf Open-Source-Lösungen vollzogen haben, setzen andere auf hybride Ansätze oder verbleiben vorerst im gewohnten Software-Umfeld.
Unterschiedliche Geschwindigkeiten in der deutschen Verwaltung
Die Landesverwaltung in Hessen nutzt Microsoft-Office-Produkte weiterhin in breitem Umfang. Das hessische Digitalministerium nannte Ende September 2026 keinen konkreten Zeitplan für eine Abkehr von diesen Lösungen.
Stattdessen werde ein Multi-Cloud-Ansatz angestrebt, der eine Mischung aus großen internationalen Anbietern und deutschen Lösungen vorsieht. Der Hessische Städte- und Gemeindebund bezeichnete Microsoft Office für die Kommunen zudem als absolutes Standardumfeld.
Dennoch gibt es auf kommunaler Ebene Bestrebungen zur Veränderung. Das Parlament der Stadt Korbach beschloss im Juni 2026 ein Konzept zur digitalen Souveränität. Bürgermeister Kieweg verwies in diesem Zusammenhang auf die bestehenden Abhängigkeiten; so seien vertrauliche Verschlusssachen derzeit nur im Microsoft-Format bearbeitbar.
In Gießen wird bereits die Strategie „Open Source by Default“ verfolgt, wobei die Stadt vollständig auf die Microsoft-Cloud verzichtet. Frankfurt prüft seit dem Jahr 2025 einen möglichen Ersatz für Microsoft-Produkte.
Einen Schritt weiter ist Schleswig-Holstein. Dort waren bereits Ende 2025 fast 80 % der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt, womit die Software zum Standard in der Landesverwaltung wurde. Durch die Umstellung konnten Lizenzkosten in Höhe von mehr als 15 Mio. Euro eingespart werden, während im Jahr 2026 einmalige Investitionen von neun Mio. Euro gegenüberstanden.
Wer sich mit der Umstellung auf freie Software befasst, findet in diesem Startpaket eine leistungsstarke Lösung für den digitalen Arbeitsalltag. Erfahren Sie, wie Sie eine vollwertige Office-Alternative ohne Lizenzkosten auf beliebig vielen Rechnern nutzen können. LibreOffice Startpaket inklusive Anleitung jetzt kostenlos sichern
Etwa 20 % der Arbeitsplätze bleiben dort vorerst Microsoft-abhängig. Zudem wurde die Migration von Microsoft Outlook zu Open-Source-Alternativen abgeschlossen. Rund 30.000 Mitarbeiter nutzen nun Open-Xchange als Server und Mozilla Thunderbird als Client. Digitalminister Dirk Schrödter bewertete den Prozess trotz technischer Herausforderungen als erfolgreich.
Bundesweite Initiativen und europäische Marktinitiativen
Auf Bundesebene meldet das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) wachsende Akzeptanz für die Suite openDesk. Für insgesamt 200.000 Arbeitsplätze wurden Verträge geschlossen, unter anderem für das Robert-Koch-Institut und das Kultusministerium in Baden-Württemberg.
Dennoch bleibt die Dominanz etablierter Anbieter hoch: Laut ZenDiS sind weiterhin weit über 90 % der PC-Arbeitsplätze in der Bundesverwaltung mit Microsoft Office ausgestattet. Das Institut Fraunhofer FOKUS stellte fest, dass ein Durchbruch für Open Source auf breiter Basis bisher noch nicht erfolgt sei.
Parallel dazu entstehen neue Marktangebote. In den kommenden Wochen soll die europäische Alternative „Euro-Office“ als installierbare Desktop-App für Windows, macOS und Linux erscheinen. Das Projekt wird von Unternehmen wie Nextcloud, IONOS und Open-Xchange unterstützt. Patrick Schaudel von IONOS betonte die Notwendigkeit einer unabhängigen europäischen Office-Lösung, um mit den etablierten Anbietern gleichzuziehen.
Auch der Cloud-Anbieter OVHcloud plant die Einführung einer Alternative unter dem Namen OVHai Workspace. Die Beta-Phase soll am 19. November 2026 starten. Das Paket umfasst E-Mail, Cloud-Speicher und Videokonferenzen, wobei eine optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eine lokale Ausführung von KI-Funktionen ermöglicht.
Der Wechsel zu unabhängigen Software-Lösungen spart jährlich hohe Summen an Gebühren und bietet volle Flexibilität bei der täglichen Büroarbeit. Dieses kostenlose Paket zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Dokumente und Tabellen professionell bearbeiten, ohne einen Cent für teure Lizenzen auszugeben. Gratis-Anleitung für die Office-Alternative hier herunterladen
Souveräne Lösungen in Frankreich und den Niederlanden
In Frankreich wird seit 2019 die staatliche Suite „LaSuite numérique“ aufgebaut. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Microsoft und Google aufgrund des US Cloud Act zu reduzieren. Der Messenger-Dienst Tchap wird bereits von 600.000 Agenten genutzt.
Bis zum Jahr 2027 sollen Dienste wie Teams oder Zoom vollständig durch die Anwendung Visio ersetzt werden. Laut der französischen Digitaldirektion DINUM spart die Abkehr von kostenpflichtigen Lizenzen pro 100.000 Nutzer rund 1 Mio. Euro pro Jahr.
Die Niederlande verfolgen mit dem Projekt DAWO einen ähnlichen Weg und setzen auf eine Arbeitsumgebung basierend auf dem Betriebssystem NixOS. Die Entscheidung für NixOS fiel unter anderem deshalb, weil andere Distributoren wie SUSE mehrfach den Eigentümer gewechselt haben oder wie Fedora stark von US-Unternehmen unterstützt werden.
Die niederländische Lösung integriert Komponenten wie Nextcloud, Collabora und OpenProject und erfolgt in enger Abstimmung mit den deutschen und französischen Projekten.

