Lichtverschmutzung: Bereits 3 Lux in der Nacht schädigt das Herz

Eine Studie der Tulane University bringt nächtliche Helligkeit mit Herzveränderungen sowie höheren Risiken für Schlaganfall und Herzschwäche in Verbindung.

In einer im European Heart Journal veröffentlichten Untersuchung hat ein Forschungsteam der Tulane University unter der Leitung von Prof. Lu Qi einen signifikanten Zusammenhang zwischen nächtlicher Lichtexposition und Veränderungen der Herzstruktur festgestellt. Den Ergebnissen zufolge kann bereits eine geringe Lichtmenge von über 3 Lux während der Nachtruhe die Funktion und den Aufbau des menschlichen Organs messbar beeinflussen.

Veränderungen der Herzstruktur durch geringe Lichtmengen

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten von 11.071 Teilnehmern der UK-Biobank aus. Die Probanden, die zum Zeitpunkt der Untersuchung ein Durchschnittsalter von 61 Jahren aufwiesen und keine kardiovaskulären Vorerkrankungen hatten, trugen über einen Zeitraum von sieben Tagen Lichtsensoren am Handgelenk. Etwa drei Jahre später wurden Herz-MRT-Untersuchungen durchgeführt, um die physische Verfassung des Herzens zu bewerten.

Die Analyse ergab, dass eine nächtliche Lichtexposition von mehr als 3 Lux mit deutlichen strukturellen Veränderungen einhergeht. Demnach stieg die Masse der linken Herzkammer um 2,4 Prozent, während die Wanddicke um 1,5 Prozent zunahm. Gleichzeitig verringerte sich die Kontraktionsfähigkeit des Herzens um 1,9 Prozent.

Auch am rechten Ventrikel sowie am linken Vorhof wurden Veränderungen festgestellt; zudem beobachteten die Forscher ein verringertes Innenvolumen und eine reduzierte Relaxationsfähigkeit des Herzmuskels. Die Wissenschaftler stellten dabei einen linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang fest: Je höher die Lichtmenge in der Nacht war, desto ausgeprägter zeigten sich die Veränderungen.

Erhöhte Risiken für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Neben den strukturellen Auswirkungen untersuchte das Team der Tulane University in einer größeren Kohorte von 73.286 Teilnehmern über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren die langfristigen Gesundheitsfolgen. Im Vergleich zur Gruppe mit der geringsten Lichtexposition wiesen Personen in helleren Schlafumgebungen deutlich höhere Krankheitsrisiken auf.

Das Risiko für eine Herzschwäche lag um 29 Prozent höher, während das Risiko für einen Schlaganfall um 33 Prozent und für einen Herzinfarkt um 24 Prozent anstieg. Zudem wurde eine um 15 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern und ein um 26 Prozent gesteigertes Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod ermittelt.

Studienleiter Lu Qi ordnete Lichtverschmutzung als einen möglichen neuen kardiovaskulären Risikofaktor ein. Die beobachteten Strukturänderungen könnten das Herz schwächen und somit das Risiko für eine Herzinsuffizienz erhöhen.

Die Veränderungen gelten als potenzielle Frühindikatoren für eine kardiale Dysfunktion. Ein Mediziner der Universitätsmedizin Mainz betonte in einem Kommentar die Bedeutung der Dunkelheit, die für die Gesundheit ebenso relevant sei wie der Blutdruck oder die Luftqualität.

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Einflussfaktoren Schlafqualität und Umweltlärm

Die Forscher untersuchten zudem, inwieweit die Schlafdauer den Zusammenhang zwischen Licht und Herzveränderungen beeinflusst. Demnach erklärte ein kürzerer Schlaf etwa 24 bis 49 Prozent der beobachteten Effekte. Die durch Licht verursachten Veränderungen seien zudem in ihrem Ausmaß mit den Auswirkungen von Luftverschmutzung vergleichbar.

Ergänzende Forschungen untermauern die Relevanz der Schlafumgebung für die Herzgesundheit. Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz mit 74 Teilnehmern zeigte, dass bereits eine Nacht mit moderatem Verkehrslärm zwischen 41 und 44 Dezibel zu einer erhöhten Herzfrequenz und verringerten Gefäßelastizität führt. Laut Daten des Umweltbundesamtes sind in Deutschland etwa 2,6 Millionen Menschen nachts Pegeln von über 55 Dezibel ausgesetzt.

Parallel dazu weist eine Untersuchung der Yale-Universität darauf hin, dass die Kombination aus Schlaflosigkeit und obstruktiver Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv steigert. Experten fordern daher eine stärkere Berücksichtigung der Schlafqualität und der nächtlichen Umgebungsfaktoren bei der Bewertung kardiologischer Risiken.