Australische und neuseeländische Lieferfahrer werden zunehmend Opfer professioneller Phishing-Angriffe, die Sicherheitslücken der Delivery-Plattformen ausnutzen. Betrüger geben sich als Mitarbeiter des Kundendienstes aus und erbeuten so Zugriff auf die Konten der Fahrer – mit verheerenden Folgen.
Fahrer verlieren vierstellige Beträge
In Australien haben Zusteller des Dienstes DoorDash massive finanzielle Einbußen gemeldet. Die Transportarbeitergewerkschaft (TWU) gab bekannt, dass sie bereits mehr als 80.000 australische Dollar (rund 50.000 Euro) für betroffene Fahrer zurückholen konnte – darunter eine Einzelzahlung von über 33.000 Dollar (rund 21.000 Euro).
Die Betrugsmasche folgt einem immer gleichen Muster: Die Fahrer erhalten Anrufe oder Nachrichten, die scheinbar vom offiziellen Kundenservice stammen. Der DoorDash-Fahrer Andrew Rhodes verlor nach der Kompromittierung seines Kontos nacheinander 200 und 150 Dollar. Die Gewerkschaft betont, dass die Betrüger gezielt die prekäre Situation der Gig-Worker ausnutzen, die oft auf den sofortigen Zugriff auf ihre Einnahmen angewiesen sind.
Neuseelands neue Gesetze schützen nicht
Auch in Neuseeland sind die Fahrer ähnlichen Angriffen ausgesetzt. Der Uber-Fahrer Dhruva Javkar verlor umgerechnet rund 650 Euro, nachdem ein angeblicher Uber-Mitarbeiter ihn kontaktiert hatte. Der Angreifer änderte die Bankverbindung des Fahrers und nutzte die „Sofortauszahlungs“-Funktion, um das Geld abzuräumen. Uber lehnte eine Erstattung ab.
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Der Fall zeigt die anhaltenden Spannungen um den rechtlichen Status der Lieferfahrer in Neuseeland. Zwar hatte der Oberste Gerichtshof im November 2025 entschieden, dass Uber-Fahrer als Angestellte gelten. Doch ein neues Arbeitsgesetz vom Februar 2026 führte die Kategorie des „bestimmten Auftragnehmers“ ein. Kritiker der Regelung bemängeln, dass sie die finanziellen Risiken und die Anfälligkeit für Betrug nicht ausreichend adressiert.
Weltweite Betrugswelle zu Großereignissen
Die gezielten Angriffe auf Fahrer fallen in eine Zeit, in der lieferdienstbezogener Betrug weltweit zunimmt. Der Amazon Prime Day am 4. Juli löste eine Welle gefälschter SMS- und WhatsApp-Nachrichten aus. Diese enthalten oft Phishing-Links oder QR-Codes, die unter dem Vorwand der Bestellbestätigung Bankdaten stehlen sollen.
In Europa nutzen Betrüger die neue Drei-Euro-Zollgebühr für Pakete unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern, die am 1. Juli 2026 in Kraft trat. Sie verschicken gefälschte Zahlungsaufforderungen per E-Mail und SMS, um an Finanzdaten verunsicherter Verbraucher zu gelangen.
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Selbst die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 dient als Köder. Sicherheitsforscher haben bereits mehr als 13.000 schadhafte Domains und 1.700 gefälschte Social-Media-Konten identifiziert, die über gefälschte Gewinnspiele Kreditkartendaten abgreifen wollen.
Datenlecks verschärfen die Gefahr
Die Bedrohung für Lieferfahrer wird durch mögliche Datenschutzverletzungen zusätzlich verschärft. In Australien gibt es Berichte über ein angebliches Leak von 150.000 Kundendatensätzen des Unternehmens Silver Rose Australia. Die Daten – darunter Namen, E-Mail-Adressen und Lieferdetails – sollen im Darknet zum Verkauf angeboten werden.
Sicherheitsexperten wie Troy Hunt warnen, dass solche Daten für gezieltere und überzeugendere Phishing-Angriffe genutzt werden könnten. Sollte sich der Vorfall bestätigen, könnten die enthaltenen Lieferkennungen und Kontaktdaten es Betrügern erleichtern, sich als Support-Mitarbeiter oder Zustelldienste auszugeben – mit steigendem Risiko für Fahrer und Kunden gleichermaßen.

