LineShine: Chinesischer Supercomputer durchbricht 2-Exaflop-Marke

Chinas LineShine erreicht 2,198 Exaflops und verdrängt US-System El Capitan. Der Rechner nutzt ausschließlich heimische Technik.

Der neue chinesische Supercomputer LineShine ist der erste Rechner, der die Zwei-Exaflop-Marke offiziell durchbrochen hat. Das System im Nationalen Höchstleistungsrechenzentrum Shenzhen erreichte beim aktuellen TOP500-Ranking, das Anfang der Woche auf der ISC26-Konferenz in Hamburg vorgestellt wurde, eine nachhaltige Rechenleistung von 2,198 Exaflops. Damit verdrängt es den bisherigen Spitzenreiter El Capitan aus den USA, der auf 1,809 Exaflops kommt – ein Leistungssprung von rund 20 Prozent.

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Rekord mit rein chinesischer Technologie

Was LineShine technisch so besonders macht: Der Rechner kommt komplett ohne Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia oder AMD aus. Stattdessen setzt er auf eine reine CPU-Architektur mit 20.480 Knoten, die jeweils zwei heimische LX2-Prozessoren enthalten. Diese 304-Kern-Chips basieren auf der Armv9-Architektur und wurden Berichten zufolge von Huawei entwickelt.

Insgesamt arbeiten im LineShine 13,79 Millionen Kerne – eine schiere Rechenpower, die bei einem theoretischen Spitzenwert von 2,736 Exaflops eine Effizienz von rund 80 Prozent erreicht. Das System erreicht damit rund 80 Prozent seiner theoretischen Spitzenleistung von 2,736 Exaflops.

Die gesamte Anlage ist flüssigkeitsgekühlt und verbraucht 42,2 Megawatt Strom – das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 35.000 deutschen Durchschnittshaushalten. Mit einer Energieeffizienz von 52,07 Gigaflops pro Watt schneidet der Rechner dennoch beachtlich ab. Als Betriebssystem kommt das chinesische Kylin zum Einsatz.

Breite Benchmark-Erfolge

Neben dem TOP500-Sieg belegt LineShine auch im HPCG-Benchmark (High-Performance Conjugate Gradient) mit 22,00 Petaflops den ersten Platz. Beim KI-fokussierten HPL-MxP-Benchmark reichte es mit 7,92 Exaflops immerhin für Rang vier.

Strategische Bedeutung für China

Hinter dem Erfolg steckt eine klare strategische Linie. Angesichts internationaler Exportkontrollen treibt China die technologische Unabhängigkeit voran. Der Bau von LineShine zeigt: Auch ohne Zugang zu den neuesten KI-GPUs aus den USA lassen sich Spitzenleistungen erzielen – zumindest im klassischen wissenschaftlichen Rechnen.

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Experten weisen jedoch darauf hin, dass die reine CPU-Architektur für spezielle KI-Workloads nicht direkt mit GPU-basierten Systemen konkurrieren kann. Der vierte Platz beim KI-Benchmark untermauert diese Einschätzung.

LineShine ist Teil einer umfassenderen nationalen Strategie. China hat einen 295 Milliarden Euro schweren KI-Netzwerkplan aufgelegt, der vorsieht, dass mindestens 80 Prozent der Hardware aus heimischer Produktion stammen müssen. Der Rechner soll Forschung in Bereichen wie Klimamodellierung, Wirkstoffentwicklung, Ozeanografie, Hirnforschung und Ingenieurswesen unterstützen.

Fünf Exascale-Systeme weltweit

Die aktuelle TOP500-Liste zeigt einen zunehmend wettbewerbsintensiven Markt. Fünf Systeme arbeiten mittlerweile offiziell auf Exascale-Niveau. Hinter LineShine und El Capitan folgen die US-Systeme Frontier und Aurora, gefolgt vom europäischen Rechner JUPITER. Die USA halten trotz des verlorenen Spitzenplatzes weiterhin die Ränge zwei, drei und vier.