Der Linux-Kernel 7.2 bereitet sich auf die nächste Generation von KI-Hardware und Speichertechnologie vor. Gleichzeitig verschwinden mit i486-Prozessoren und veralteten Protokollen tausende Zeilen Altlasten aus dem Code.
Die Entwicklergemeinde hat ein ehrgeiziges Modernisierungsprogramm gestartet. Seit Mitte Juni läuft das Merge-Fenster für Version 7.2 – und die Änderungen sind tiefgreifend. Im Fokus stehen Hochleistungsspeicher, moderne Audio-Unterstützung und die Vorbereitung auf zukünftige KI-Architekturen. Ein stabiler Release wird für August 2026 erwartet.
Schnellere Speicher und neue Prozessoren
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Am 20. Juni begann das Team damit, den exFAT-Treiber auf die IOmap-Infrastruktur umzustellen. Die Architekturänderung soll große Dateien auf USB-Sticks und SD-Karten deutlich schneller übertragen. Gleichzeitig wird die Unterstützung für sogenannte Large Folios implementiert. Der erste Release Candidate ist für den 28. Juni geplant.
Auch ältere Architekturen profitieren: In der dritten Juniwoche portierten Entwickler NEON-beschleunigten CRC64-Code von ARM64 auf 32-Bit-ARM-Systeme. Das Ergebnis ist eine sechsfache Leistungssteigerung bei Prüfsummenoperationen in NVMe- und anderen Speichersubsystemen.
AMD steuerte am 19. Juni rund 3.000 Zeilen Code für seine ACP7.x-Audio-Coprozessoren bei. Die Treiber sind für zukünftige Zen-6-System-on-a-Chip (SoC) ausgelegt und bringen ein völlig neues Register-Set mit. Weitere Blöcke für SoundWire und PDM sollen in späteren Updates folgen.
Hardware für die nächste KI-Generation
Am 21. Juni eingereichte Kernel-Patches enthüllten frühe Vorbereitungen für NVIDIAs „Blackwell-Next“-Hardware. Die Updates im VFIO-Subsystem konzentrieren sich auf CXL-Bereitschaft für NVGrace-GPU-Treiber. Ob es sich um Blackwell Ultra oder die Rubin-Architektur handelt, bleibt offen – letztere gilt offiziell als Nachfolger der Blackwell-Plattform.
Der Cloud-Sektor zeigt bereits, wohin die Reise geht. Mitte Juni wurde CoreWeave zum ersten Anbieter, der die NVIDIA Vera Rubin NVL72-Plattform validierte. Die Architektur nutzt einen Hybrid-Ansatz aus DDR5 und HBM, um Kosten und Stromverbrauch zu senken. Interne Benchmarks versprechen 20 Prozent mehr Tokens pro Sekunde bei Inferenz sowie 15 Prozent weniger Energieverbrauch im Vergleich zu älteren H200-Systemen.
Im Unternehmenssegment präsentierte NVIDIA am 19. Juni die RTX PRO 4500 Blackwell Server Edition. Die passiv gekühlte Single-Slot-GPU zielt auf Inferenz- und Data-Science-Workloads ab. Nur einen Tag später startete AWS EC2-G7-Instanzen mit diesen GPUs – mit einer bis zu 4,6-fach höheren KI-Inferenzleistung als die Vorgänger-G6-Instanzen.
Aufräumen im Kernel: 140.000 Zeilen Altlasten entfernt
Während die Arbeit an 7.2 läuft, hat der aktuelle 7.1-Zweig eine grundlegende Säuberung erfahren. Anfang Juni entfernten Entwickler rund 140.000 Zeilen Legacy-Code – darunter die Unterstützung für i486-Prozessoren und das UDP-Light-Protokoll. Die Strategie „Prune and Fortify“ (Ausmisten und Stärken) soll die Angriffsfläche gegen KI-gestützte Schwachstellensuche verkleinern. Am 20. Juni erschien mit Version 7.1.1 ein stabiles Update, das allen Nutzern dieser Serie empfohlen wird.
Intel verbesserte zudem seine QuickAssist-Technologie-Treiber (QAT) im 7.1-Kernel. Die Updates umfassen Zstd-Offloading für Gen4- und Gen5-Hardware sowie native Zstd-Unterstützung für Gen6-Diamond-Rapids-Prozessoren.
Auf Systemebene wurde am 19. Juni Systemd 261 veröffentlicht. Die neue Version bringt mehrere Komponenten mit:
– systemd-sysinstall: Ein dediziertes Betriebssystem-Installationsprogramm
– systemd-imdsd: Ein Dienst für Cloud-Metadaten auf Plattformen wie Azure und EC2
– Live Kernel Handover: Ermöglicht durch KHO für nahtlose Updates
Grafiktreiber und Virtualisierung: Durchbrüche in Sicht
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Ein Meilenstein gelang am 19. Juni im Open-Source-Grafikbereich: Der NVK-Vulkan-Treiber für NVIDIA-GPUs erhielt experimentelle DLSS-Unterstützung in Mesa 26.2-devel. Die Funktion nutzt einen spezifischen Binär-Import-Mechanismus, um NVIDIA-Dateien zu laden. Volle Stabilität wird jedoch erst für August 2026 erwartet.
Im Virtualisierungsbereich reichte Broadcom in der Woche des 20. Juni Patches für einen neuen Zero-Copy-Treiber ein. Die Entwicklung ermöglicht effizientere Speicherfreigabe zwischen virtuellen Maschinen und dem Hypervisor, indem Zwischenkopien vermieden werden. Das verspricht höhere Effizienz in VMware-Umgebungen.
Auch Großprojekte treiben den Wandel voran. Am 18. Juni besiegelte ein Konsortium um Bell Canada und Cohere einen 220-Millionen-Euro-Deal zum Bau eines riesigen KI-Clusters in British Columbia. Die Anlage wird 2.304 NVIDIA Grace Blackwell GPUs beherbergen und soll bis Ende 2026 in Betrieb gehen.

