Das Linux-Kernel-Projekt hat Linux 7.2 veröffentlicht und dabei die Hardware-Anforderungen für x86-Prozessoren verschärft: Der Kernel bootet künftig nur noch, wenn die CPU den Time Stamp Counter (TSC) unterstützt. Anders als Microsofts Windows 11, das den Sicherheitschip TPM 2.0 zur Pflicht macht, verzichtet Linux jedoch auf eine vergleichbare Hürde für den Bootvorgang.
TSC seit 1993 Standard – keine Auswirkung auf moderne Systeme
Praktisch dürfte die neue Vorgabe kaum jemanden treffen. Der Time Stamp Counter existiert bereits seit 1993 und ist in nahezu jeder x86-CPU der vergangenen Jahrzehnte verbaut.
Windows selbst setzt TSC bereits seit 2012 standardmäßig voraus. Die verpflichtende TSC-Unterstützung war bereits in Linux 7.1 vorbereitet worden: Der Commit 111cbb45 entfernte die entsprechenden Kconfig-Bedingungen, sodass moderne Hardware von der Änderung nicht betroffen ist.
Die Maßnahme reiht sich damit in eine Reihe von Aufräumarbeiten am Kernel ein – so war bereits mit Linux 7.0 der Support für die i486-Architektur entfernt worden, in Version 7.2 folgen weitere Bereinigungen in diesem Bereich sowie die Entfernung von AppleTalk- und PCMCIA-Unterstützung.
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Zahlreiche weitere Neuerungen in Linux 7.2
Neben der TSC-Pflicht bringt Linux 7.2 nach sieben Release Candidates eine Vielzahl technischer Verbesserungen mit. Dazu zählen ein Cache-Aware-Scheduling-Mechanismus, initialer Support für Apples M3-Chips samt Akku-Fixes für Apple-Silicon-Geräte, die USB4STREAM-Funktion sowie HDMI-2.1-Unterstützung für AMDGPU.
Auch ein neuer NTFS-Treiber und die standardmäßige Aktivierung von Intel FRED sind Teil des Releases. Im Dateisystembereich wurden Optimierungen für Btrfs, XFS und ext4 vorgenommen, unter anderem durch sogenannte Large Folios bei Btrfs, die laut Berichten eine Verbesserung der sequenziellen Schreibleistung um 15 Prozent ermöglichen sollen.
Weitere Punkte der Änderungsliste sind eine Reduzierung des Swap-Speicherbedarfs, beschleunigte anonyme Pipes sowie Unterstützung für Intel MBEC und AMD GMET in KVM. Insgesamt wurden für das Release über 441.000 Zeilen Code geändert. Der Kernel enthält zudem zwei Sicherheitspatches, die Lücken in OpenRISC LPE und einen Speicherleck in DRBD schließen.
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Torvalds beklagt wachsenden Umfang durch KI-generierte Beiträge
Linus Torvalds kommentierte den Umfang des Releases mit den Worten, die „neue Normalität“ bedeute, dass er es jetzt hätte tun müssen – „oder nie“. Er äußerte sich zugleich kritisch über größere Releases, die durch KI-generierte Beiträge entstünden. Ein Zusammenhang wurde auch bei der Fehlerberichterstattung hergestellt: Laut Berichten hat KI-gestützte Bug-Erkennung das Aufkommen an Meldungen erhöht.
Ein DRM-Scheduler-Rollback zurück zum FIFO-Verfahren wurde ebenfalls Teil des Releases. Für den kommenden Linux 7.3 ist das Merge-Fenster inzwischen geöffnet, für das bereits 40 Pull-Requests vorliegen, unter anderem mit weiteren Anpassungen am DRM-Scheduling. Linux 7.2 soll zudem als Basis für Ubuntu 26.10 dienen.

