Linux Kernel 7.1: 140.000 Zeilen Code entfernt, NTFS-Schreibzugriff

Linux 7.1 entfernt über 140.000 Zeilen Altcode und bringt einen neuen NTFS-Treiber mit voller Schreibunterstützung.

Der neue Linux-Kernel 7.1 modernisiert das Betriebssystem grundlegend – und streicht massiv Altlasten.

Linus Torvalds hat am Sonntag, den 14. Juni 2026, die offizielle Version von Linux Kernel 7.1 freigegeben. Der Release markiert einen der tiefgreifendsten Einschnitte der vergangenen Jahre: Über 140.000 Zeilen veralteter Code wurden entfernt, darunter die komplette Unterstützung für die i486-Architektur. Gleichzeitig bringt das Update einen vollständig neu geschriebenen Treiber für das NTFS-Dateisystem.

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Neuer NTFS-Treiber mit voller Schreibunterstützung

Das Herzstück von Version 7.1 ist ein seit vier Jahren entwickelter In-Kernel-NTFS-Treiber, der unter den Codenamen NTFSPLUS läuft. Anders als frühere Implementierungen setzt er auf die modernen iomap- und folio-Infrastrukturen des Kernels. Die Folge: echte Schreibunterstützung für Windows-Dateisysteme – ohne Umwege über Userspace-Tools.

Der Treiber nutzt verzögerte Speicherzuweisungen (delayed allocations), um die Schreibgeschwindigkeit zu verbessern. Allerdings ist er nicht standardmäßig aktiviert. Systemadministratoren müssen ihn manuell konfigurieren.

Weitere Dateisystem-Neuerungen: exFAT unterstützt jetzt Cluster-Vorabzuweisung, und Btrfs wurde stabilisiert. Bei den Ein-/Ausgabeoperationen hält erstmals Zero-Copy-I/O im ublk-Framework Einzug, und io_uring bekommt BPF-Unterstützung.

Intel Panther Lake profitiert von FRED

Performance-Steigerungen verspricht die Aktivierung von Intel Flexible Return and Event Delivery (FRED) als Standard. Davon profitieren besonders die kommenden Panther-Lake-Prozessoren. Auch der Netzwerk-Stack wurde überarbeitet: UDP-Lite flog raus, und IPv6 lässt sich nicht mehr als separates Modul kompilieren.

Sicherheit: Landlock erweitert, Swap-System modernisiert

Das Landlock-Sicherheitsmodul erhält neue Zugriffsrechte für UNIX-Domain-Sockets. Der Kernel erzwingt jetzt strengere Berechtigungen beim Speicherzugriff über /proc/PID/mem. Der High-Resolution-Timer-Kern wurde neu geschrieben, das Swap-System modernisiert – inklusive Entfernung der Swap-Map.

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Künstliche Intelligenz als Fluch und Segen

Die Entwicklung von Version 7.1 stand unter dem Einfluss einer neuen Herausforderung: KI-generierte Bug-Reports. Die automatisierten Meldungen belasteten die Maintainer erheblich. Torvalds‘ Team reagierte mit einer aktualisierten Sicherheitsrichtlinie, die den Umgang mit KI-Meldungen regelt.

Der Trend passt zu einer Prognose von FIRST.org: Die Organisation erwartet für 2026 rund 66.000 CVEs – 46,3 Prozent mehr als ursprünglich geschätzt. Grund sind KI-gestützte Entdeckungswerkzeuge. Während die Zahl der Meldungen auf manchen Plattformen um über 400 Prozent stieg, blieb die Rate tatsächlich ausnutzbarer Schwachstellen relativ konstant.

Neue Hardware-Unterstützung und kritische Patches

Die Hardware-Kompatibilität wächst: Für ARM kommen Treiber für neue Qualcomm-SoCs – den 18-Kern-Glymur und den 12-Kern-Mahua. Der Steam Deck OLED erhält einen Audio-Fix. Die Grafikunterstützung verbessert sich für Intel Arc GPUs und ältere AMD-Hardware inklusive GCN-1.1-APUs.

Bereits Anfang Juni hatte SUSE ein Kernel-Update für SUSE Linux Enterprise 16.0 veröffentlicht, das 38 Sicherheitslücken schloss – darunter sieben mit hohem Risiko wie CVE-2023-20585.

Aktuelle Sicherheitswarnungen betreffen eine kritische Lücke (CVE-2026-46230) im AMDGPU-VCN3-Treiber für RDNA2-Karten. Angreifer mit lokalem Zugriff könnten fehlende Grenzprüfungen ausnutzen. Zwei weitere Schwachstellen – „Dirty Frag“ oder „Copy Fail 2″ (CVE-2026-43284, CVE-2026-43500) – erlauben lokale Rechteausweitung durch Manipulation des Page-Cache.

Ausblick: Kernel 7.2 kommt im August

Der nächste Meilenstein steht bereits fest: Linux 7.2 RC1 wird für den 28. Juni 2026 erwartet. Die stabile Version soll Ende August 2026 erscheinen.