Der Linux-Kernel 7.3 steht vor einem bedeutenden Sprung nach vorn. Mit der Integration einer neuen DRM-Farbformat-Eigenschaft (Direct Rendering Manager) hält endlich Einzug, woran Entwickler jahrelang gearbeitet haben. Nach 15 Überarbeitungen wurde das Feature nun in den drm-misc-next-Zweig aufgenommen – der AMDGPU-Treiber wird als erster die neue Funktion unterstützen.
Neue Farbformate für präzisere Displaysteuerung
Die frisch eingeführte DRM-Eigenschaft erlaubt es Anwendungen im Userspace, gezielt bestimmte Farbformate für Display-Anschlüsse anzufordern. Zur Auswahl stehen AUTO, RGB sowie verschiedene YUV-Konfigurationen wie 4:4:4, 4:2:2 und 4:2:0. AMD ist der primäre Erstunterstützer, doch auch für Intel- und Rockchip-DRM-Treiber liegen bereits Patches vor. Sogar der Wayland-Compositor Weston hat schon Anpassungen erhalten, um die neuen Fähigkeiten zu nutzen.
Doch das ist nicht alles: Parallel zu den Farbformat-Neuerungen zeichnen sich weitere Display-Verbesserungen für den 7.3-Zyklus ab. Ein Google-Ingenieur reichte Anfang der Woche Patches ein, die HDR über DisplayPort Multi-Stream Transport (DP MST) für Intel-Treiber ermöglichen sollen. Die Patches verpassten zwar das Zeitfenster für Linux 7.2, sind nun aber fest für Version 7.3 eingeplant.
Kernel-Baum wächst auf Rekordniveau
Der Linux-Kernel wird immer umfangreicher. Der Git-Baum von Linux 7.2 überschritt am 28. Juni die Marke von 43 Millionen Gesamtzeilen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 42,9 Millionen Zeilen im 7.1-Zyklus. Treiber bleiben der größte Wachstumstreiber.
Die AMDGPU- und AMDKFD-Treiber sind weiterhin die gewaltigsten Komponenten im Kernel. Ihr kombinierter Code-Umfang liegt nun bei rund 6,35 Millionen Zeilen, verglichen mit 6,16 Millionen in der Vorgängerversion. Insgesamt umfasst der Kernel mehr als 33,6 Millionen reine Codezeilen – der Rest entfällt auf Kommentare und Leerzeilen, verteilt auf 108.158 Dateien.
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Linux-Gaming: HDMI 2.1 für Steam Machines und DLSS für Mesa
Die Grafik-Offensive beschränkt sich nicht auf den Kernel. Valve-Ingenieure bestätigten am 26. Juni, dass die HDMI-2.1-Unterstützung mit Fixed Rate Link (FRL) für die Steam Machine abgeschlossen ist. Das ermöglicht 4K-Auflösung bei 240 Hz sowie Variable Refresh Rate (VRR) über HDMI. Ähnliche Updates sind für das Steam Deck in Planung.
Im Open-Source-Treiberbereich gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Der NVK-Vulkan-Treiber in Mesa 26.2 hat experimentelle Unterstützung für NVIDIAs DLSS-Technologie erhalten. Die Implementierung nutzt eine spezifische Vulkan-Erweiterung, um proprietäre NVIDIA-Binärdateien zu laden. Ein stabiler Release wird für August 2026 erwartet.
Und auch AMD bleibt nicht untätig: Leaks in Valves Proton-Experimental-Zweig deuten auf die bevorstehende offizielle Einführung von FidelityFX Super Resolution (FSR) 4.1 hin. Die Technologie tauchte am 28. Juni in durchgesickerten Dateien auf und soll laut Berichten im Juli 2026 breit ausgerollt werden. Zielgruppe sind RDNA-3- und RDNA-3.5-Hardware, darunter die Radeon-RX-7000-Serie und die integrierte 890M-Grafik.
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Alte Zöpfe abgeschnitten: i486 raus, strncpy weg
Neben den vielen Neuerungen wurde im zweiten Quartal 2026 auch kräftig aufgeräumt. Entwickler haben die Unterstützung für die i486-CPU-Architektur offiziell entfernt. Zudem wurde die strncpy-API nach jahrelanger Arbeit mit über 360 Patches endgültig aus dem Kernel verbannt – ein Meilenstein für die Code-Sicherheit.
Sicherheitsupdates für SUSE und SteamOS
Die Sicherheitslage bleibt ein zentrales Thema. Aktuelle Updates für SUSE und openSUSE schließen über 90 Sicherheitslücken, darunter mehr als 20 im Linux-Kernel selbst. Am 27. Juni veröffentlichte Valve zudem SteamOS 3.8.10. Das Update erweitert die Hardware-Unterstützung für Drittanbieter-Handhelds, bringt Sicherheitsupdates für die Steam-Deck-Firmware und erste experimentelle Hibernation-Funktionen.

