Linux Mint und Euro-Office: Europas Kampf um digitale Souveränität

Steigende Preise und Sicherheitslücken bei Microsoft treiben Nutzer zu offenen Alternativen wie Linux und Euro-Office.

Der Druck auf Microsofts Marktdominanz wächst – offene Alternativen gewinnen an Fahrt.

Während Windows 11 mit Pannen und Preiserhöhungen kämpft, erlebt die Open-Source-Welt einen bemerkenswerten Aufschwung. Linux Mint, LibreOffice und das neue Euro-Office locken Nutzer mit Datenschutz und Unabhängigkeit. Besonders öffentliche Einrichtungen in Europa setzen zunehmend auf souveräne Lösungen.

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Der Aufstieg der offenen Desktop-Welt

Linux Mint positioniert sich als ernsthafte Alternative für Windows-Umsteiger. Das System überzeugt mit vertrauter Bedienung, vorinstallierten Tools wie LibreOffice und Firefox – und läuft selbst auf älterer Hardware flüssig. Ein entscheidender Pluspunkt: die strikte Datenkontrolle, die Privatnutzer und Bildungseinrichtungen gleichermaßen schätzen.

Auch die Bürosoftware-Sparte macht Fortschritte. Am 19. Mai veröffentlichte OnlyOffice Version 9.4 – und strich die bisherige 20-Nutzer-Grenze der Community Edition. Neu sind ein Dark Mode und 25 frische Präsentationsdesigns. Nur drei Tage später legte LibreOffice mit Version 6.2.4 nach, die sich auf wichtige Fehlerkorrekturen konzentriert.

Die Entwicklung ist kein Zufall. Das österreichische Bundesheer stellte bereits im September 2025 komplett auf Open-Source um. Und Schleswig-Holstein arbeitet seit Herbst 2025 an einem ähnlichen Ziel.

Euro-Office: Die europäische Antwort auf Microsoft

Das ambitionierteste Projekt steht jedoch noch bevor: Euro-Office. Ein Konsortium aus Ionos, Nextcloud, Proton, XWiki und OpenProject bereitet eine DSGVO-konforme Cloud- und Desktop-Suite vor. Basis ist ein Fork von OnlyOffice, gehostet in europäischen Rechenzentren. Der Start ist für diesen Sommer geplant.

Das französische Bildungsministerium ist bereits vorangegangen: 330.000 Mitarbeiter arbeiten jetzt auf Nextcloud-Basis. Ein Signal, das in deutschen Behörden genau beobachtet wird.

Windows 11: Neue Funktionen, alte Probleme

Microsoft schläft nicht. Am 23. Mai veröffentlichte der Konzern neue Windows-11-Vorschau-Updates. Sie bringen eine Bildschirmtönung für die Augen, erweiterte Braille-Unterstützung und eine verbesserte Sprachsteuerung mit Hintergrundrauschfilter. Auch der lästige File-Explorer-Absturz beim Desktop-Wechsel soll behoben sein.

Doch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen. Erst am 21. Mai bestätigte Microsoft einen weitreichenden bug in Outlook Classic: Eingebettete Bilder, Signaturen und Newsletter werden durch ein rotes „X“ ersetzt. Besonders tückisch: Beim Antworten oder Weiterleiten können die Bilder dauerhaft verloren gehen. Ein umfassender Fix steht noch aus.

Preisschock ab Juli

Wer bei Microsoft bleibt, muss tiefer in die Tasche greifen. Ab dem 1. Juli steigen die Preise für mehrere Microsoft-365-Tarife:

  • Business Basic: rund 7 Euro (plus 16 Prozent)
  • Business Standard: rund 14 Euro (plus 12 Prozent)

Neu eingeführt wird zudem das High-End-Paket M365 E7 für stolze 92 Euro pro Nutzer und Monat. Gleichzeitig hat Microsoft den Copilot-KI-Assistenten aus einigen Desktop-Anwendungen entfernt – eine überraschende Kehrtwende.

Sicherheit: Das Ende der SMS-Logins

Die Bedrohungslage verschärft sich rasant. Microsoft kündigte am 21. Mai an, SMS-basierte Logins für Privatnutzer schrittweise durch Passkeys zu ersetzen. Der Grund: Allein in Deutschland werden pro Quartal rund 4,7 Millionen Konten kompromittiert. 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen werden mittlerweile von KI gesteuert. Die Zahl der Banking-Trojaner explodiert, und „Quishing“ – Phishing per QR-Code – stieg um 150 Prozent auf 18 Millionen Fälle.

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Auch Kaspersky reagiert: Am 23. Mai aktualisierte der Sicherheitsanbieter seinen Mail-Server-Schutz mit „Content Disarm and Reconstruction“-Technologie und verbesserter Scan-Funktion für passwortgeschützte Archive. Fast die Hälfte des weltweiten E-Mail-Verkehrs gilt inzwischen als Spam.

Digitale Identität: Deutschland zieht nach

Am 20. Mai verabschiedete das Bundeskabinett das Digitale-Identitäten-Gesetz. Es ebnet den Weg für staatlich anerkannte, sichere digitale Ausweise. Ein Schritt, der die Abhängigkeit von US-Anbietern weiter reduzieren könnte.

Dass Datenschutzverstöße teuer werden können, zeigt ein aktuelles Urteil: Die belgische Datenschutzbehörde verhängte am 12. Mai eine Geldstrafe von rund 177.000 Euro gegen ein Technologieunternehmen, das das Postfach eines Ex-Mitarbeiters über ein Jahr lang nicht löschte.

Die Lücke bleibt – vorerst

Kann Open Source Microsoft schon ersetzen? Eine Studie der Stadt Zürich und der Berner Fachhochschule untersuchte den „OpenDesk“-Arbeitsplatz mit Nextcloud und Collabora. Das Ergebnis: Für Kernfunktionen wie E-Mail, Chat und Kalender reicht die Suite aus. Doch für Power-User – etwa in der Steuerverwaltung mit komplexen Excel-Anforderungen – gibt es noch Lücken.

Trotzdem: Die Integration von KI wird zum Standard. GMX startete am 22. Mai eine Beta-Phase für seinen KI-Assistenten. Über 20 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz können Zusammenfassungen, Übersetzungen und natürlichsprachliche Suche nutzen. Der Clou: Die Datenverarbeitung erfolgt auf deutschen Servern, ohne Training der KI – ein klares Datenschutzversprechen.

Ausblick: Ein gespaltener Markt

Die zweite Jahreshälfte 2026 wird richtungsweisend. Microsoft-Nutzer müssen die Preiserhöhung vom 1. Juli verdauen und am 27. Juni ablaufende Secure-Boot-Zertifikate manuell aktualisieren.

Für die Open-Source-Gemeinschaft steht der Sommer im Zeichen des Euro-Office-Starts. Gelingt der Spagat zwischen Funktionsumfang und Datensouveränität, könnte dies der Durchbruch für europäische Desktop-Alternativen sein. Die Weichen sind gestellt – jetzt muss die Praxis zeigen, ob die Rechnung aufgeht.