Ein Benchmark-Test von PC Games Hardware (PCGH) hat der chinesischen Grafikkarte Lisuan LX 7G100 eine deutlich schwächere Leistung bescheinigt als vom Hersteller in Aussicht gestellt.
In 14 Spielen bei 1080p-Auflösung erreichte die Karte laut einem Bericht vom 24. September 2026 nur 11,1 Indexpunkte – etwa ein Drittel der Leistung einer NVIDIA GeForce RTX 5060, die auf 33 Punkte kommt. Damit liegt die LX 7G100 nur rund 5 Prozent vor einer betagten AMD Radeon RX 580.
Deutlicher Abstand zu etablierten Karten
Auch der Vergleich mit älteren Nvidia- und AMD-Modellen fällt für die Lisuan-Karte ernüchternd aus. Die RTX 2060 erzielt im selben Index 17,2 Punkte und ist damit rund 55 Prozent schneller als die LX 7G100. Die Radeon RX 6600 liegt sogar rund 80 Prozent vorn.
Lediglich gegenüber der betagten GTX 1060 mit 6 GB Speicher kann sich die neue Karte mit einem Vorsprung von 23 Prozent behaupten – die Vergleichstests erfolgten dabei mit Referenzmodellen ohne Overclocking.
In Einzeltiteln zeigt sich das Bild noch deutlicher: In Cyberpunk 2077 erreichte die LX 7G100 laut einem Bericht vom 25. September 2026 lediglich 38,2 Bilder pro Sekunde, während die RTX 5060 auf 108,3 FPS kam.
In Hogwarts Legacy standen 34,7 gegenüber 85,6 FPS zu Buche, in The Last of Us Part II sackte die Lisuan-Karte auf 16,3 FPS gegenüber 73,3 FPS der Nvidia-Konkurrenz ab.
Abstürze und fehlende Raytracing-Hardware
Neben der reinen Leistungsfrage offenbarte der Test technische Stabilitätsprobleme. Battlefield 6 ließ sich wegen Abstürzen gar nicht erst benchmarken, in Forza Motorsport, Spider-Man 2 und Call of Duty traten Fehler oder Einschränkungen auf.
Spiele mit zwingend erforderlichem Hardware-Raytracing liefen nicht korrekt – ein Umstand, der sich dadurch erklärt, dass die Karte über keine dedizierte Raytracing- oder Matrix-Hardware verfügt. Von 20 getesteten Spielen liefen letztlich nur 14 im Haupttest, davon zwei mit Bildfehlern oder Instabilität.
Der Benchmark-Test zeigt: 24,6 TFLOPS auf dem Papier bedeuten nicht automatisch Spiele-Leistung. Unser kostenloser Leitfaden erklärt in drei Schritten, wie Sie Grafikkarten anhand echter Benchmark-Indizes vergleichen — statt sich von Hersteller-Versprechen leiten zu lassen. Jetzt kostenlosen GPU-Leitfaden anfordern
Als Ursache für die geringe Leistung nennt PCGH Beschränkungen bei Compiler- und Shader-Optimierung sowie beim DirectX-12-Treiber. Eine gezielte Treiberoptimierung könnte die Leistung künftig verbessern, so die Einschätzung der Tester.
Technische Daten und Stromverbrauch
Auf dem Papier bietet die LX 7G100 24,6 TFLOPS FP32-Rechenleistung, 12 GB GDDR6-Speicher, ein 192-Bit-Speicherinterface mit 432 GB/s Bandbreite bei rund 2 GHz Takt, gefertigt im TSMC-N6-Verfahren. PCGH schätzt die Architektur auf 3.072 FP32-ALUs mit Dual-Issue-Fähigkeit; ohne diese Funktion läge die reale Rechenleistung bei etwa 12,3 TFLOPS.
Beim Stromverbrauch zeigt sich die Karte wenig effizient: 59 Watt im Leerlauf sowie 110 bis 199 Watt beim Spielen, in 3DMark sogar bis zu 215 Watt. Zum Vergleich verbraucht die RTX 2060 lediglich 10 Watt im Leerlauf, die RX 6600 sogar nur 6 Watt.
Im direkten Vergleich zur ebenfalls chinesischen Moore Threads MTT S80 schneidet die LX 7G100 dennoch besser ab: Sie startet mehr Spiele erfolgreich und verbraucht weniger Energie. Die MTT S80 kommt auf 108 Watt im Leerlauf und bis zu 232 Watt beim Spielen.
In Baldur’s Gate 3 bei 1080p mit mittleren Einstellungen erreichte die LX 7G100 32,2 FPS gegenüber 23,5 FPS der Konkurrenzkarte. In Dota 2 bei 1440p verringert sich der Rückstand der LX 7G100 auf Radeon RX 6600 und Intel Arc A580 zudem spürbar.
Preisgestaltung und Marktumfeld
PCGH beziffert die Preise für die Founder Edition inklusive Zoll auf etwa 500 Euro, die reguläre Karte soll rund 350 Euro kosten. Ein anderslautender Test eines chinesischen Technik-Kanals auf einer Plattform mit AMD Ryzen 9800X3D und 32 GB DDR5-6000-Arbeitsspeicher kam zu einem etwas versöhnlicheren Ergebnis: Ohne spezielle Treiberoptimierung erreichte die 7G100 in 18 Spielen bei 1080p im Schnitt rund zwei Drittel der Leistung einer Asus TUF RTX 3060 mit 12 GB Speicher; im 3DMark-Benchmark Steel Nomad erzielte sie 2040 Punkte gegenüber 1994 Punkten der RTX 3060.
Abstürze, fehlende Raytracing-Hardware, bis zu 215 Watt unter Last — wer eine neue Grafikkarte kauft, sollte die technischen Fallstricke kennen. Dieser Leitfaden liefert eine Checkliste für den GPU-Kauf nach Preis-Leistung und zeigt, wie Sie Treiber-Optimierung selbst in die Hand nehmen. GPU-Kauf-Checkliste jetzt sichern
Lisuan selbst hatte in den Monaten vor den aktuellen Tests drei WHQL-zertifizierte Treiberupdates veröffentlicht, die die Kompatibilität mit Titeln wie Cyberpunk 2077, Assassin’s Creed Shadows und Battlefield 6 verbessern sollten.
Der Effekt dieser Updates auf die tatsächliche Leistung blieb laut Berichterstattung jedoch begrenzt, weitere Fortschritte gelten als ungewiss. Das Unternehmen selbst erklärte, die Spieleleistung sei aufgrund des noch frühen Treiberstands nicht ausgeschöpft und solle durch künftige Updates sowie Spieloptimierungen weiter steigen.

