Shanghai – Der chinesische Chip-Startup Lisuan Technology hat bestätigt, dass seine kommenden Grafikkarten breite Kompatibilität mit Microsoft Windows erreicht haben – inklusive eines Premieren-Treibers für Windows on ARM. Das Unternehmen bereitet den Marktstart für diesen Sommer vor.
Gegründet 2021 von ehemaligen Ingenieuren des Grafikchip-Pioniers S3 Graphics, positioniert Lisuan seine „TrueGPU“-Architektur als heimische Alternative zu etablierten Produkten westlicher Hersteller. Das erste Flaggschiff-Modell für Verbraucher, die LX 7G106, soll am 18. Juni in den Handel kommen. Die Vorbestellungsphase startete bereits Mitte März.
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Durchbruch bei ARM-Treibern
Ein bedeutender technischer Meilenstein ist die Entwicklung eines funktionierenden 3D-Treibers für Windows on ARM (WoA). Branchenbeobachter betonen: Während die ARM-Architektur im Laptop-Markt an Boden gewinnt, haben die großen GPU-Hersteller bislang keine offiziellen Treiber veröffentlicht, die diskrete Gaming-Grafikkarten mit ARM-basierten Windows-Systemen kombinieren.
In Vorführungen Anfang des Jahres zeigte Lisuan die 7G106 im 3DMark Steel Nomad-Benchmark auf einem Windows-11-Rechner mit einem heimischen 12-Kern-ARM-Prozessor. Diagnosetools bestätigten: Der Treiber unterstützt DirectX 12. Das bedeutet, Lisuan hat einen Software-Reifegrad erreicht, der die Anbindung an Microsofts moderne Grafik-APIs auf unkonventionellen Prozessorarchitekturen ermöglicht.
Marktforscher bezeichnen diese Kompatibilität als „Sprunginnovation“. Sie könnte Herstellern die Tür öffnen, diskrete Grafik in eine breitere Palette von ARM-Laptops und -Desktops zu integrieren – ein Segment, das bisher auf integrierte Grafiklösungen beschränkt war.
Technische Daten im Detail
Die LX 7G106 wird im 6-Nanometer-Verfahren gefertigt. Laut technischer Dokumentation verfügt die Karte über:
- 12 GB GDDR6-Speicher auf einem 192-Bit-Bus
- PCIe 4.0 x16-Schnittstelle
- 192 Texture Mapping Units (TMUs) und 96 Render Output Units (ROPs)
Die Rechenleistung gibt das Unternehmen mit maximal 24 TeraFLOPS (FP32) an. Die GPU unterstützt zudem den neueren INT8-Datentyp, der zunehmend in KI-Workloads zum Einsatz kommt. Für professionelle und kreative Anwendungen ist die Karte mit Vulkan 1.3, OpenGL 4.6 und OpenCL 3.0 kompatibel.
Auch bei der Videobeschleunigung liefert Lisuan moderne Features: Hardware-beschleunigtes AV1- und HEVC-Decoding bis zu 8K bei 60 Bildern pro Sekunde. Für Content Creation ermöglicht die Karte AV1-Encoding in 4K und HEVC-Encoding in 8K, jeweils bei 30 fps. Die Anschlussvielfalt umfasst vier DisplayPort-1.4-Ausgänge – HDMI fehlt, um Lizenzkosten zu sparen.
Gaming-Performance: Realistische Töne
Bis Ende April soll die erste Gaming-Generation mehr als 100 Titel unterstützen. Explizit genannt werden Spiele wie Cyberpunk 2077, Black Myth: Wukong, Elden Ring und Resident Evil 4 Remake – allesamt auf der Steam-Plattform vertreten.
Doch die Unternehmensführung bleibt realistisch. CEO Xuan Yifang räumte ein: In wissenschaftlichen Berechnungen und OpenCL-Benchmarks übertreffe die GPU zwar die NVIDIA GeForce RTX 4060. Doch bei tatsächlichen Spiel-Frameraten und der breiteren Software-Kompatibilität gebe es noch erheblichen Optimierungsbedarf.
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Branchenexperten sehen den Start des Gaming-Treibers als ersten öffentlichen Härtetest für Lisuans Software-Stack. Während synthetische Benchmarks vielversprechend ausfielen – einige Muster hätten aktuelle Mittelklasse-Karten nur um wenige Prozentpunkte verfehlt –, bleibe die Reifung des Treiber-Ökosystems eine langfristige Herausforderung.
Marktkontext: Chinas Weg zur Unabhängigkeit
Die Entwicklung der G100-Serie – zu der neben der 7G106 auch professionelle Varianten wie LX Ultra und LX Max gehören – ist Teil einer breiteren chinesischen Strategie zur Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischer Halbleitertechnologie. Nach verschiedenen Exportbeschränkungen für hochmoderne Chips haben heimische Firmen den Bau unabhängiger Architekturen für KI, Gaming und High-Performance-Computing beschleunigt.
Lisuan ist nicht allein: Auch andere chinesische Player wie Moore Threads und MetaX entwickeln konkurrierende Grafiklösungen. Lisuan hebt sich jedoch durch den Fokus auf breite OS-Kompatibilität ab – neben Windows werden auch Linux-Distributionen wie UOS, Ubuntu und Kylinsoft unterstützt.
Das Unternehmen sicherte sich eine Finanzierungsrunde von rund 70 Millionen Euro, um Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Zunächst zielt Lisuan auf den chinesischen Verbrauchermarkt über Plattformen wie JD.com, hat aber langfristig globale Expansionspläne.
Ausblick: Der 18. Juni als Lackmustest
Der Marktstart der LX 7G106 am 18. Juni wird zeigen, ob chinesische Grafikhardware in einem Markt bestehen kann, der seit Jahrzehnten von einem Duopol beherrscht wird. Selbst Intel ist mit seiner Arc-Serie bislang nur auf einen kleinen Marktanteil gekommen – ein Beleg für die Schwierigkeit, etablierte Marktführer herauszufordern.
Für Lisuan geht es zunächst darum, zu beweisen, dass die „TrueGPU“-Architektur Windows-Nutzern eine stabile und zuverlässige Erfahrung bietet. Nach dem Launch will das Unternehmen den Software-Stack kontinuierlich verbessern, um Leistungslücken zu schließen. Gelingt das, könnte die 7G106 ein Signal für mehr Vielfalt in der globalen Grafikhardware-Landschaft setzen – insbesondere im aufstrebenden Windows-on-ARM-Ökosystem.

