Staatsfeindliche Akteure erbeuteten über 600.000 Datensätze aus dem nationalen Grundbuch – mit brisanten Folgen für die nationale Sicherheit.
Präsident Gitanas Nausėda bestätigte den Angriff am gestrigen Mittwoch. Ziel war das staatliche „Center of Registers“, das Eigentumsverhältnisse verwaltet. Die Täter nutzten gestohlene Zugangsdaten der Migrationsbehörde und drangen bereits im März in die Systeme ein. Sogar die persönlichen Daten des Präsidenten selbst waren betroffen.
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Brisante Daten in feindlichen Händen
Die gestohlenen Informationen umfassen Namen, Personalausweisnummern, Geburtsdaten und vor allem: die privaten Wohnadressen der Betroffenen. Bankdaten, Telefonnummern und E-Mail-Adressen blieben zwar verschont – doch genau die Adressen bereiten den Sicherheitsbehörden größte Sorgen.
Der frühere Verteidigungsminister Laurynas Kašiūnas schlägt Alarm: „Die Adressen von Geheimdienstmitarbeitern, Militärangehörigen und Diplomaten sind jetzt in den Händen unserer Gegner.“ Experten vermuten, dass russische GRU-Einheiten hinter der Operation stecken. Die Daten könnten für Überwachung, Sabotage oder gezielte Desinformationskampagnen genutzt werden.
Rücktritt und verspätete Warnung
Der Direktor des Center of Registers, Adrijus Jusas, trat am Montag zurück. Brisant: Der Einbruch wurde bereits im April entdeckt – die Öffentlichkeit erfuhr jedoch erst jetzt davon. Präsident Nausėda kritisierte die Verzögerung scharf. Die Regierung habe die Offenlegung um ein bis zwei Monate hinausgezögert.
Premierministerin Inga Ruginienė traf sich gestern mit den zuständigen Ministern, um die Folgen zu besprechen. Trotz wachsender Kritik schloss sie einen Rücktritt der Regierung aus. Erste Schätzungen beziffern den finanziellen Schaden auf über 111.000 Euro. Für dringend nötige IT-Sicherheits-Upgrades werden rund 60 Millionen Euro veranschlagt.
EU warnt vor russischer Hybridkriegsführung
Der Angriff auf Litauen ist kein Einzelfall. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte am Dienstag bei einem Besuch in Vilnius vor einer gezielten Destabilisierungsstrategie Russlands in der gesamten Region. Die EU bereite zusätzliche Sicherheitsprogramme für die baltischen Staaten vor – möglicherweise mit Milliarden Euro aus Kohäsionsfonds für Verteidigung und Grenzschutz.
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Auch der britische Geheimdienst GCHQ schlägt Alarm. Direktorin Anne Keast-Butler erklärte gestern, russische Akteure griffen unermüdlich kritische Infrastruktur und demokratische Prozesse in Großbritannien und Europa an. Sie forderte Unternehmen und Bürger auf, Cybersicherheit deutlich ernster zu nehmen.
Deutschland und Polen ebenfalls betroffen
Die Bedrohungslage zeigt sich auch in Deutschland: Die Bundesregierung beschuldigte Russland kürzlich, Phishing-Angriffe gegen rund 300 Politiker durchgeführt zu haben. In Warschau läuft derzeit ein Prozess gegen einen ehemaligen Standesbeamten, der zwischen 2017 und 2022 tausende Archivdaten für den russischen Geheimdienst kopiert haben soll.
Die litauische Regierung steht nun unter Druck, ihre IT-Infrastruktur massiv zu modernisieren. Ob die versprochenen 60 Millionen Euro ausreichen, um weitere Angriffe zu verhindern, bleibt fraglich.

