Lithiumbatterien in Österreich: Bis zu sechs Brände pro Tag bei Entsorgern

Entsorger melden häufige Batteriebrände; Österreich prüft ein Pfandsystem, während eine Aktionswoche zur richtigen Rückgabe läuft.

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Feuerwehren und Entsorgungsbetriebe in Österreich verzeichnen eine wachsende Zahl von Bränden, die durch Akkus und Batterien ausgelöst werden. Wie Berichte vom 13. Oktober 2026 zeigen, registriert insbesondere die Berufsfeuerwehr Wien vermehrt entsprechende Einsätze in Wohnungen, Gewerbebetrieben sowie Abfallanlagen. Falsch entsorgte Energiespeicher führen in Entsorgungsbetrieben immer wieder zu folgenschweren Großbränden.

Risiken durch thermisches Durchgehen und falsche Handhabung

Die Wiener Berufsfeuerwehr stuft Lithium-Akkus als besonders gefährlich ein. Sie rät dazu, Akkus niemals in Fluchtwegen aufzuladen und ausschließlich reguläre Ladegeräte zu nutzen. Bei Beschädigungen droht das Phänomen des thermischen Durchgehens, bei dem sich Lithium-Akkus unkontrolliert erhitzen und schließlich entzünden.

Kommt es zu einer Aufblähung oder zu Gasaustritt, sollten kleine Akkus nach Empfehlung der Wiener Feuerwehr in Wasser gelegt werden, während große Akkus direkt den Einsatzkräften übergeben werden müssen.

Lithiumbatterien sind inzwischen in zahlreichen Alltagsgegenständen verbaut, darunter Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten, Powerbanks, Spielzeug, Grußkarten und E-Zigaretten. Werden diese Gegenstände im Restmüll entsorgt, geraten sie in Müllfahrzeugen oder Sortieranlagen unter mechanischen Druck. Entsteht dabei ein Brand, beschleunigt der umliegende brennbare Abfall die Ausbreitung zusätzlich.

Hohe Schäden und bundesweite Aktionswoche

Ein Brandversuch der Berufsfeuerwehr Salzburg an einem Recyclinghof verdeutlichte die Gefahr: Während eine beschädigte Powerbank sofort Flammen schlug, reagierte die Zelle eines Akkuschraubers erst mit zeitlicher Verzögerung. Branddirektor Werner Kloiber wies darauf hin, dass eine Akkuzelle 24 bis 48 Stunden bis zu einer Reaktion benötigen könne, wodurch ein erhebliches Risiko für spätere Brände bestehe.

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Laut Jürgen Wulff-Gegenbauer vom Abfallservice der Stadt Salzburg kommt es alle zwei bis drei Monate zu einem entsprechenden Vorfall. Die dortige Batteriesammelmenge stieg von 2,4 auf 3,2 Tonnen an.

Österreichweit landen jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien im Restmüll. Josef Weilhartner von den Umweltschutzanlagen betonte, dass das Risiko nicht von der Größe der Zelle, sondern von deren Restenergie und den Umgebungsbedingungen abhängt.

Ein Brand in den Umweltschutzanlagen Siggerwiesen verursachte rund 500.000 Euro Schaden; der Vollbetrieb des Standorts wird für Ende 2026 angestrebt. Österreichs Entsorger registrieren generell bis zu sechs Brandvorfälle pro Tag, die häufig auf Lithiumbatterien zurückgehen.

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Vor diesem Hintergrund läuft bis Samstag, den 17. Oktober 2026, eine bundesweite Aktionswoche. Im Rahmen der Kampagne „Her mit Leer“ der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle, die gemeinsam mit Partnern, Kommunen und der Entsorgungswirtschaft organisiert wird, wird unter anderem ein Gewinnspiel mit Einkaufsgutscheinen veranstaltet.

Regionale Initiativen begleiten die Woche: In Niederösterreich führen die Umweltverbände eine eigene Kampagne durch, nachdem eine Analyse für das Jahr 2025 ergab, dass dort jährlich rund 233 Tonnen Altgeräte, Batterien und Akkus im Restmüll landen.

Der Präsident der NÖ Umweltverbände, Christian Macho, bezeichnete Batterien im Restmüll als ernstes Sicherheitsrisiko für die Branche, während der stellvertretende Landeshauptmann Stephan Pernkopf das Senken des Brandrisikos und die Rückgewinnung von Rohstoffen als zentrale Ziele hervorhob. Auch die Innsbrucker Kommunalbetriebe sowie die Stadt Villach bieten spezifische Sammlungen und Informationsstände an.

Debatte über Einführung eines Batteriepfands

Um die Rücklaufquote zu steigern, fordern Entsorger wie Wulff-Gegenbauer finanzielle Anreize. Nach Angaben des Verbands Österreichischer Entsorgungsfachbetriebe (VÖA) hat sich die Zahl falsch entsorgter Lithiumbatterien im Restmüll seit 2016 vervierfacht, während die Sammelquote lediglich bei 13 Prozent liegt. VÖA-Geschäftsführer Ferdinand Koch bezeichnete die unsachgemäße Entsorgung als wachsendes Sicherheitsproblem.

Im Rahmen eines Runden Tisches mit Umweltminister Norbert Totschnig, öffentlichen Entsorgern und Experten prüft Österreich derzeit die Einführung eines Pfandsystems für Lithiumbatterien. Eine Untersuchung des VÖA geht davon aus, dass ein gestaffeltes Pfand von 0,50 bis 50 Euro je nach Batteriegröße die Sammelquote über das EU-Ziel von 73 Prozent heben könnte.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren könnten dadurch bis zu 480 Millionen Euro an Brandschäden vermieden und wertvolle Rohstoffe wie Lithium und Kupfer besser rückgewonnen werden. Der Vorschlag soll in das österreichische Kreislaufwirtschaftsgesetz einfließen.

Akkus und Batterien sowie Geräte mit fest verbauten Energiespeichern können bei kommunalen Problemstoffsammelstellen, Mistplätzen und im Handel kostenfrei abgegeben werden.