Sicherheitsforscher der FortiGuard Labs haben eine neue Angriffswelle identifiziert, die gezielt auf die unbefugte Nutzung von Cloud-basierten KI-Ressourcen abzielt. Diese unter dem Namen „Bizarre Bazaar“ bekannt gewordene Operation nutzt eine Methode, die Experten als LLMjacking bezeichnen. Dabei verschaffen sich Angreifer Zugriff auf fremde Cloud-Umgebungen, um dort kostenpflichtige Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) auf Rechnung der Opfer zu betreiben.
Im Mittelpunkt des Berichts steht der Missbrauch der Plattform Amazon Bedrock. Den Erkenntnissen zufolge gelang es den Akteuren, einen langlebigen AWS IAM Access Key zu kompromittieren. Da dieser Schlüssel über umfassende Administratorrechte (AdministratorAccess) verfügte, konnten die Angreifer weitreichende Änderungen in der betroffenen Cloud-Infrastruktur vornehmen.
Systematischer Missbrauch über den AWS Marketplace
Nach der Erlangung des Erstzugriffs erstellten die Hintermänner der Kampagne einen neuen Benutzer innerhalb des Identity and Access Management (IAM) Systems von Amazon Web Services. Mit dieser neuen Identität wurden anschließend verschiedene Foundation Models über den AWS Marketplace abonniert.
Durch dieses Vorgehen war es den Angreifern möglich, die Rechenleistung und die lizenzierten Fähigkeiten der KI-Modelle für eigene Zwecke zu nutzen, während die finanziellen Kosten direkt dem kompromittierten Unternehmenskonto zugerechnet wurden.
Insgesamt dokumentierten die Sicherheitsforscher im Rahmen der Operation „Bizarre Bazaar“ etwa 35.000 einzelne Angriffssitzungen. Der Angriff zielte dabei primär darauf ab, die hohen Betriebskosten für fortschrittliche KI-Modelle auf externe Organisationen auszulagern.
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Enorme finanzielle Schäden durch Premium-Modelle
Die finanziellen Auswirkungen solcher LLMjacking-Angriffe sind erheblich. Laut den Analysen der FortiGuard Labs verursachten die Angreifer durch die unbefugte Nutzung der Modelle tägliche Kosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe.
Für Instanzen des Modells Claude 2.x wurden tägliche Ausgaben von bis zu 46.000 US-Dollar registriert. Bei der Nutzung des leistungsstärkeren Modells Claude 3 Opus stiegen die Kosten pro Tag sogar auf über 100.000 US-Dollar an.
Trotz der detaillierten technischen Aufarbeitung der Angriffsmethode blieb die Identität der betroffenen Organisation in den Berichten unter Verschluss. Auch über das genaue Ausmaß des abgeflossenen Datenvolumens oder die endgültige Gesamthöhe des finanziellen Verlusts wurden keine spezifischen Angaben gemacht.
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Kurze Reaktionszeiten bei exponierten Zugangsdaten
Der Vorfall unterstreicht die Geschwindigkeit, mit der Bedrohungsakteure auf Sicherheitslücken in der Cloud reagieren. Branchenstatistiken verdeutlichen den Zeitdruck für IT-Sicherheitsteams: Experten von Entro Security berichteten bereits Anfang 2025, dass exponierte Zugangsdaten im Durchschnitt innerhalb von nur 17 Minuten nach ihrer Veröffentlichung oder ihrem Bekanntwerden von Angreifern ausgenutzt werden.
Das Risiko bei LLMjacking besteht vor allem darin, dass der Zugriff auf KI-Modelle oft nicht sofort als bösartige Aktivität erkannt wird, da es sich um legitime Dienste innerhalb der Cloud-Plattform handelt.
Sicherheitsforscher raten daher zur strengen Überwachung von IAM-Schlüsseln und der Begrenzung von Administratorrechten, um das Potenzial für derartige kostspielige Missbrauchsszenarien zu minimieren. Die Verwendung langlebiger Schlüssel ohne zusätzliche Absicherung gilt in diesem Zusammenhang als besonders kritisches Einfallstor für Kampagnen wie „Bizarre Bazaar“.

