London und Berlin bekämpfen Smartphone-Diebe mit Drohnen und E-Bikes

Die Londoner Polizei verzeichnet durch den Einsatz von taktischen Drohnen und speziellen E-Bikes einen deutlichen Rückgang bei Raubüberfällen auf Mobiltelefone. Auch Berlin setzt auf verschärfte Überwachungsgesetze.

London meldet einen deutlichen Rückgang von Smartphone-Raubüberfällen. Grund ist eine neue Offensive der Polizei mit taktischen Drohnen, modifizierten E-Bikes und künstlicher Intelligenz. Auch Berlin rüstet mit schärferen Überwachungsgesetzen auf.

Operation Phin: So schlägt London zurück

Die Zahlen der Londoner Metropolitan Police sind beeindruckend: Die gemeldeten Telefondiebstähle sanken im Jahresvergleich um etwa 12 Prozent. Das sind rund 10.000 weniger Opfer der sogenannten „Snatch-and-Run“-Attacken. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine radikale Taktikänderung.

Statt auf klassische Verfolgung setzen die Behörden auf eine hochtechnisierte „Geister-Staffel“. Diese nutzt speziell angepasste Sur-Ron E-Bikes, die leiser und wendiger sind als die Motorroller der Täter. Flankiert werden sie von Überwachungsdrohnen, die Verdächtige bis zu ihren Verstecken verfolgen – ohne riskante Verfolgungsjagden am Boden.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan kündigte weitere 4,5 Millionen Pfund an. Das Geld soll in eine neue Kommandozentrale fließen, die Drohnen und Abfangeinheiten in Echtzeit koordiniert.

Die lautlose Verfolgung: E-Bikes im „Tactical Contact“

Im Zentrum der neuen Strategie stehen leistungsstarke Elektromotorräder. Polizeiquellen zufolge ermöglichen diese Fahrzeuge die Verfolgung in engen Gassen und Fußgängerzonen, wo Streifenwagen chancenlos sind.

Die speziell geschulten „Scorpion“-Einheiten dürfen unter bestimmten Voraussetzungen sogar die umstrittene „Tactical Contact“-Methode anwenden. Dabei rammen sie flüchtende Diebe gezielt, um die Flucht zu beenden. Die Polizeiführung hält diese aggressive Vorgehensweise für notwendig, um die Dominanz der Rollerbanden zu brechen.

Der psychologische Effekt ist enorm: Da die Polizei-E-Bikes kaum zu hören sind, verlieren die Täter ihren akustischen Vorteil. Mehrere Bandenmitglieder wurden überrascht, noch bevor sie ihre Fluchtfahrzeuge starten konnten.

KI am Himmel und die Rekrutierung Minderjähriger

Neben der Präsenz am Boden spielt die Luftüberwachung eine entscheidende Rolle. Drohnen mit Wärmebildkameras verfolgen Verdächtige auch bei Nacht. Die Integration von Live-Gesichtserkennung in das Überwachungsnetzwerk hat laut Behörden zur Identifizierung von Serientätern beigetragen.

Datenschützer kritisieren diese Maßnahmen scharf. Die Ermittler verweisen jedoch auf ihre Erfolge bei der Zerschlagung organisierter Hehlernetzwerke. Ein beunruhigender Aspekt kam dabei ans Licht: Die Banden rekrutieren gezielt Minderjährige.

Über Plattformen wie Snapchat locken sie Jugendliche mit „Kopfgeldern“ von bis zu 380 Pfund für aktuelle iPhone-Modelle. Diese Netzwerke nutzen die Strafunmündigkeit von Jugendlichen gezielt aus. Die gestohlenen Geräte werden oft binnen Stunden ins Ausland geschafft, häufig nach China oder Algerien.

Berlins Weg: Mehr Überwachung durch schärfere Gesetze

Auch in Deutschland reagieren die Sicherheitsbehörden auf die Professionalisierung der Diebesbanden, allerdings mit anderem Fokus. Berlin setzt stärker auf rechtliche und digitale Aufrüstung.

Nach der Verschärfung des Berliner Sicherheitsgesetzes (ASOG) darf die Polizei an kriminalitätsbelasteten Orten wie dem Alexanderplatz Videoüberwachung dauerhaft einsetzen. KI-Systeme werten die Bilder aus und sollen „atypische Verhaltensmuster“ erkennen – etwa aggressive Bewegungen oder das typische „Antanzen“ vor einem Diebstahl.

Ein Fall am Berliner Hauptbahnhof zeigte das Potenzial: Bundespolizisten stellten einen Dieb, nachdem sie das gestohlene Smartphone eines schlafenden Reisenden geortet hatten. Bei ihm fanden sie mehrere gestohlene Geräte.

Die Debatte in Deutschland dreht sich um die Balance zwischen Sicherheit und Privatsphäre. Polizeigewerkschaften fordern eine Ausstattung wie in London, inklusive Drohnenstaffeln. Bürgerrechtsgruppen warnen dagegen vor einer „gläsernen Stadt“.

Die Forderung an Apple und Samsung

Der Erfolg der Maßnahmen hat auch eine wirtschaftliche Komponente. Versicherer beobachten die Entwicklung genau, da Smartphone-Diebstähle jährlich Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Sicherheitsbehörden richten ihre Forderungen nun verstärkt an die Hersteller. Sir Mark Rowley, Commissioner der Metropolitan Police, betonte, Polizeiarbeit allein löse das Problem nicht. Er forderte Tech-Giganten wie Apple und Samsung auf, die Aktivierungssperren so zu gestalten, dass gestohlene Geräte nicht mehr als Ersatzteillager ausgeschlachtet werden können.

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Sinkt der illegale Wiederverkaufswert auf null, entfällt das Geschäftsmodell der Banden. Bis dahin bleiben E-Bikes und Drohnen die wichtigsten Werkzeuge im Katz-und-Maus-Spiel auf den Straßen der Metropolen.