Die europäische Landschaft für KI-Rechenleistung verändert sich derzeit an zwei Fronten gleichzeitig: Während staatlich getragene Supercomputer-Projekte neue Kapazitäten schaffen, verteuert sich der Zugang zu kommerzieller GPU-Rechenleistung in der Cloud spürbar. Beide Entwicklungen zeigen, wie stark die Nachfrage nach Rechenkapazität für künstliche Intelligenz mittlerweile den Markt prägt.
Bull setzt sich bei LUMI-AI-Vergabe durch
Ende August unterzeichnete das europäische Hochleistungsrechenkonsortium EuroHPC einen Vertrag über 387,8 Millionen Euro (umgerechnet rund 445,1 Millionen US-Dollar beziehungsweise etwa 451 Millionen US-Dollar) mit dem französischen Anbieter Bull, einer Tochter von Atos. Gegenstand des Vertrags ist der Bau des Supercomputers LUMI-AI am Standort CSC in Kajaani, Finnland. Bull setzte sich damit im Vergabeverfahren gegen den Mitbewerber HPE durch.
Bemerkenswert an der Konfiguration ist die Chip-Wahl: LUMI-AI wird nicht mit Nvidia-Beschleunigern, sondern mit AMD Instinct MI430X-Prozessoren ausgestattet. Damit setzt EuroHPC bei diesem Projekt auf einen alternativen Beschleunigerhersteller, während in weiten Teilen der kommerziellen Cloud-Branche Nvidia-Chips dominieren.
Ziel der neuen Anlage ist laut den Angaben zum Vertrag eine gegenüber dem bestehenden System Lumi-G etwa zehnfach höhere KI-Leistung sowie eine rund doppelt so hohe FP64-HPC-Leistung für klassische wissenschaftliche Berechnungen.
Angepeilt wird eine Spitzenleistung von 1,43 Exaflops bei FP64-Genauigkeit, was einem Kostenwert von 312 US-Dollar pro Teraflops entsprechen soll. LUMI-AI soll das bestehende LUMI-System ergänzen und nicht ersetzen. Die Installation ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.
Nebius erhöht Cloud-Preise zum zweiten Mal binnen drei Monaten
Parallel zu diesen Infrastrukturinvestitionen zeigt sich am Markt für gemietete GPU-Rechenleistung ein gegenläufiger Trend: steigende Preise. Der Cloud-Anbieter Nebius kündigte laut einem Bericht vom 17. September 2026 an, ab dem 1. Oktober die Pay-as-you-go-Preise für ausgewählte Nvidia-Chips anzuheben. Es handelt sich bereits um die zweite Preiserhöhung innerhalb von drei Monaten, als Begründung wird die anhaltend starke Nachfrage nach Rechenleistung angeführt.
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Die Erhöhungen fallen je nach Hardware unterschiedlich aus: Für ausgewählte Nvidia-GPUs bewegen sie sich zwischen 17 und 21 Prozent, für Instanzen mit AMD- oder Intel-Prozessoren um bis zu 25 Prozent, bei Speicherangeboten liegt der Aufschlag bei rund 41 Prozent.
Konkret steigt der Preis für die H100 von 3,85 auf 4,50 US-Dollar pro GPU-Stunde, für die H200 von 4,50 auf 5,40 US-Dollar, für die B200 von 7,15 auf 8,50 US-Dollar und für die B300 von 7,85 auf 9,50 US-Dollar.
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Bei der B300 summiert sich die Erhöhung über beide Runden hinweg auf 56 Prozent. Für einzelne Chip-Kategorien werden zudem Steigerungen von etwa 17 Prozent bei der H100 und 21 Prozent bei der B300 sowie 25 Prozent bei AMD-EPYC-Genoa-CPUs genannt.
Nebius verweist zur Begründung auf vier Kundenverträge mit einem Volumen von jeweils über einer Milliarde US-Dollar sowie auf eine Nachfragesichtbarkeit von mehr als 24 Monaten.
Die Ankündigung wirkte sich unmittelbar auf die Börsenbewertung aus: Die Nebius-Aktie legte im vorbörslichen Handel um 11,1 Prozent zu und stand bei 232,50 US-Dollar, nach einem vorherigen Schlusskurs von 209,37 US-Dollar. Andere Quellen beziffern den Kursanstieg im Zuge der Preisankündigung auf rund 20 Prozent.
Wettbewerber CoreWeave zieht nach, Aktie unter Druck
Der Rivale CoreWeave zog mit eigenen Preiserhöhungen nach. Anders als bei Nebius geriet die CoreWeave-Aktie jedoch unter Druck – Berichten zufolge wegen geplanter Aktien- und Schuldenverkäufe des Unternehmens. Die gegenläufige Kursentwicklung der beiden Cloud-Anbieter verdeutlicht, dass steigende GPU-Preise allein noch keine positive Marktreaktion garantieren, sondern von der jeweiligen Unternehmenslage überlagert werden.

